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Um- und Zubau eines ehemaligen Bauernhofes in Haschendorf Planer: Martina Küng Fürlinger, Eidg.
Dipl. Gestalter FH, Hermann Fürlinger, Eidg. Dipl. Gestalter
FH; Bauweise: Holzriegelkonstruktion
Vorgaben und Schwierigkeiten Das Grundstück in Haschendorf (Kat. Gemeinde Ebenfurth, Bezirk Wr. Neustadt) mit seinen Baulichkeiten zeigt noch die früher im Burgenland und im östlichen Niederösterreich übliche Struktur der Streckhöfe. Die Vermutung liegt nahe, dass die jetzige Liegenschaft aus zwei früheren Grundstücken bzw. Höfen besteht. Ein Streckhof bestand aus einem Längshaus, dessen vorderer Teil Wohnzwecken diente. Das Zimmer zur Straße war die Stube, dann folgte die Küche und anschließend je nach Hofgröße weitere Räume und schließlich der Stall. Die Räume waren untereinander nicht immer verbunden. Die Erschließung erfolgte über den Außenbereich oder - wie im Burgenland noch oft zu sehen - über einen äußeren Laubengang. Den Abschluss des Grundstückes bildete der Stadel. An ihm führte die Stadelgasse vorbei. Jenseits derselben begannen die dem Hof zugehörigen Felder oder ein Baumgarten. In Haschendorf 15 ist sehr viel dieser alten Struktur erhalten. Mit dem Umbau sollte diese Struktur nicht zerstört werden. Dort, wo die Fassade nicht mehr original war, nämlich im vorderen Bereich des Haupthauses, wurde der Zubau situiert. Der hintere Bereich (ehem. Stallbereich) mit den erhaltenen Stallfenstern und den Giebeln wurde freigehalten und renoviert. Die Stirnseite des Hauptgebäudes wurde in ihre ursprüngliche Gestalt mit 2 Fenstern und einem Giebelfenster rückgeführt. Auch die Nebengebäude wurden in ihrer ursprünglichen Art renoviert. Das Hauptgebäude war vor dem Umbau bewohnt. Einige Vorgaben, wie die bestehenden Räume für Öltank- u. Heizung, die Situierung der Nassgruppe sowie die Ausrichtung der Hauptfassade waren Voraussetzungen für die Planer. Die längliche Grundform des Hauptgebäudes, die lange Erschließungswege notwendig macht, und die Schwierigkeit der nur nach einer Seite möglichen Belichtung waren eine Herausforderung. Dazu kamen die (nach langen produktiven Diskussionen) klar definierten Wohnbedürfnisse der zukünftigen Benutzer, die alle ihre Berücksichtigung fanden.
Das Raumkonzept: Das Raumkonzept des Wohngebäudes sieht als Zentrum einen Wohn-Küchen-Essbereich vor, der zwar offen ist, aber doch klar definierte Bereiche hat und von drei Seiten belichtet wird. Eng daran angeschlossen ist das Arbeitszimmer. Der Küche direkt zugeordnet ist die Speisekammer, dem Eingangsbereich zugeordnet ist eine erweiterte Garderobe. Vom Eingang nach hinten ist der reine Privatbereich mit Schlaf- u. Kinderzimmer, Schrankraum und Bad. Alle Nebenräume wurden in der dunklen Zone des Gebäudes angeordnet (Schrankräume, Vorratsraum, Bad, WC, Heiz- u. Tankraum). Das Nebengebäude übernimmt die Funktionen eines Kellers bei Einfamilienhäusern. Es beinhaltet einen Werkstatt-/Bastelraum, eine Waschküche und späterhin eine Sauna. Der Stadel und der ehemalige Hühnerstall dienen als Garage, Geräteschuppen und Lagerraum.
Der Zubau: Der Zubau ist ein länglicher Baukörper und wird an das ebenfalls längliche Hauptgebäude angefügt. Dadurch ermöglicht er zum Einen, einige Vorgaben aus dem Raumkonzept zu erfüllen, wie die Schaffung eines kompakten Wohn-, Küchen und Essbereichs mit anschließendem Arbeitszimmer (unter Vermeidung langer Erschließungswege). Zum Anderen wird an jenen Teil der Fassade angebaut, der nicht mehr erhalten war. Der überdachte Zugangsweg vor der Fassade des Zubaues deutet eine Arkadierung an, die in Streck- oder Hakenhöfen längs zum Wohngebäude durchaus üblich war und stellt eine Allegorie des Streckhofes mit Laubengang dar. Letztlich bringt ein längs angefügter Zubau den Hof in eine angemessenere Proportion und Größe (wie sie auch Höfen früherer Streckhöfe entspricht). Dieser Wirtschaftshof hat einen Steinbelag
(als Gegensatz zu dem dahinter liegenden Garten). In der Mitte steht
ein Laubbaum. In den bestehenden Gebäuden werden gestalterische Elemente erhalten bzw. in herkömmlicher Technik und Gestaltung wiederhergestellt. Der Neubau soll in zeitgemäßer Art, d.h. mit heutiger Technik und Formensprache, errichtet werden. Die Altbauten sind gemauert, massiv, schwer und
ländlich einfach gegliedert, haben Kastenfenster, Putzfassaden
und dumpfere Farben. Der Zubau ist leichter und luftiger,
hat Isolierglasfenster, eine vorgesetzte Sperrholzfassade und ist
farbiger und lebhafter.
Die Konstruktion: Die Grundkonstruktion des Zubaues besteht aus 9 Leimbinderwinkeln. Diese sind sowohl im Innenraum als auch außen sichtbar. Decke und Wand sind als Sekundärkonstruktion von diesen tragenden Winkeln abgesetzt. Im Außenbereich bildet die Primärkonstruktion zusammen mit einem leichten transparenten Glasdach einen Laubengang, der als Zugangsweg dient. Wände und Decke des Zubaues sind in reiner Holzbauweise errichtet. Um den Charakter dieser Bauart zu unterstreichen, wurden als Fassadenverkleidung und als Deckenuntersicht Sperrholzplatten gewählt. |
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