1. NÖ Bürgermeister-Frühstück

 

 

 

Wir präsentieren hier einen kleinen Ausschnitt von Zitaten, der deutlich zeigt, wie sehr das Thema Siedlungsentwicklung und Baugestaltung für die Gemeinden von Bedeutung ist.

„Wir leben heute in einer freien Zeit und in einer freien Gesellschaft. Will der Bürger wirklich, dass wir ihm all diese Dinge wie Dachvorsprünge, Farbe und Details aufzwingen? Und außerdem: ist durch derartige Vorschriften irgend eine Siedlung besser oder harmonischer geworden?“

„Wir haben seit 1976 einen Bebauungsplan. Ich muss allen Kollegen empfehlen, keinen Bebauungsplan zu machen.“

„Wer hat all diesen Schwachsinn beschlossen, der da in der neuen Bauordnung steht?“

„Ich bin einer von denen, die diesen ,Schwachsinn' beschlossen haben. Freiraum ist wichtig, damit etwas entstehen kann. Schließlich schreiben wir ja auch keinem Bürgermeister vor, wie seine Frau ausschaun muss. Zum Glück hat jeder einen anderen Geschmack. Und schließlich ist eines klar: Mit der schlechten Gestaltung der letzten Jahrzehnte, die hauptsächlich durch Vorschriften erzeugt wurde, sollte es endlich vorbei sein.“

„Ich glaube, wir sollten mit der Zeit gehen. Die Bauformen ändern sich aufgrund technischer Gegebenheiten und Notwendigkeiten genau so, wie sich damals der Übergang von der Kutsche zum Auto abgespielt hat. Am Anfang war das Auto nur etwas für ein paar Verrückte und Modernisten. Aber wer ist heute eigentlich noch mit der Kutsche hier her gekommen?“

„Wir haben seit 20 Jahren einen Bebauungsplan, Aber es hat uns noch keiner danach gefragt. Erst wenn die Bauherren oder Planer mit dem fertigen Plan vorbeikommen, gibt es lange Gesichter, wenn wir diesen ablehnen müssen.“

„Wir Bürgermeister sind die Ärmsten!“

„Brauchen wir die Bauordnung noch oder die Baubehörde, wenn jetzt alles erlaubt sein soll?“

„Man fällt mit der Bauordnung von einem Extrem in das andere.“

„Bürgermeister und Bevölkerung wollen diese Niedrigenergiehäuser nicht. Das sind verrückte Ideen eigenartiger Architekten.“

„Wir sollten im Weinviertel schauen, dass Objekte so gestaltet werden, wie sie waren. Und keine Salzburger oder Vorarlberger Bauten.“

„Es muss einen besseren Informationsfluss geben: Bauherren, Gemeinden, Sachverständige und Architekten sollten viel besser aufgeklärt werden.“

„Wichtig wird in Zukunft sein, energiesparend und platzsparend zu bauen.“

 

Die Novelle der Bauordnung, Probleme mit dem Bebaungsplan
und das wohl größte Missverständnis (nämlich das „Ortsbild“
der qualitätslosen Siedlungen aus den 60er bis 90er Jahren
bewahren zu wollen) waren die zentralen Punkte des
Bürgermeister- Frühstücks, zu dem „NÖ gestalten“ geladen hatte.

Die 4 Schwerpunkte des Bürgermeister-Frühstückes:        

 

 

Die meisten Gemeinden Niederösterreichs haben ein gemeinsames Problem, das seit Jahren auf eine Lösung wartet – nur diese war bis vor kurzem nicht in Sicht: die Gestaltung der Siedlungen.

Rund um die Ortschaften wachsen Häuser aus dem Boden, die als Einzelobjekte ihre gestalterischen Qualitäten haben mögen, in ihrer Gesamtheit jedoch weder für das Ortsbild noch für die Bewohner attraktiv sind.

Aufgrund verschiedener Vorgaben wird aus dem, was sich Bauherren und Gemeindevertreter unisono wünschen, nämlich ein größtmöglicher individueller Spielraum in der Gestaltung und ein gebautes Stück Freiheit, ein chaotisches Durcheinander beziehungslos in der Landschaft stehender Häuser, ein Fremdkörper für Ort und Natur.

Um diesen Problembereich zu diskutieren und zu thematisieren, hat die NÖ Gestaltungsakademie zu einem gemeinsamen Frühstück mit Bürgermeistern und Gemeindeverantwortlichen geladen. An 14 verschiedenen Orten in unserem Bundesland fand ein „Bür germeisterfrühstück“ statt, bei dem die Gemeindevertreter mit den Spezialisten von „NÖ gestalten“ über ihre Probleme und Wünsche diskutieren konnten. Die ersten 10 Termine, die ausgeschrieben waren, waren sehr schnell ausgebucht. Daher mussten vier Wiederholungstermine „eingeschoben“ werden.

DI Peter Obleser, Leiter der NÖ Gestaltungsakademie, präsentierte konkrete Konzepte, wie die teuerste Investition im Leben eines Menschen zu einer für ihn selbst aber auch für Nachbarn und Gemeinde befriedigenden Situation führen könnte: „Grundlage einer qualitätsvollen Gestaltung ist, dass die Häuser möglichst optimal zur Sonne orientiert werden. Dazu sind nicht einmal Niedrigenergiehäuser oder besondere Bauformen nötig, das geht auch mit herkömmlichen Häusern (und Fertigteilhäusern). Denn es ist unbestritten, dass die Aussicht von einem lichtdurchfluteten Wohnzimmer in den Garten attraktiver ist als die auf die Thujenhecke, auf das Klofenster oder auf die Garage des Nachbarn.“

Dieser erste Schritt zu Häusern mit mehr Qualität und gleichzeitig zu Siedlungen, die dadurch ein einheitlicheres Erscheinungsbild erhalten, kostet nichts, es bedarf allerdings besserer Informationen. Hier sind vor allem die Gemeinden gefragt: Grundlage dafür sind unter anderem die Parzellierung und die Straßenführung. Beide müssten, so Obleser, unbedingt auf die Sonneneinstrahlung Rücksicht nehmen.

In einem weiteren Schritt müsste man trachten, Räume zu bilden. Heutige Siedlungen mit ihren Häusern im 3-Meter-Abstand zur Grundstücks-grenze definieren weder einen Privat- noch einen Straßenraum. Mit geringfügigen Vorgaben, wie eine optische Schließung gegenüber der Straße (das kann durch Nebengebäude oder entsprechende Zäune geschehen) kann auch dieser Punkt leicht erfüllt werden.

Im Rahmen der Bürgermeisterfrühstücke stellte Obleser aber auch weitreichendere Ideen und Konzepte vor, die teils noch auf heftigen Widerstand aber auch auf Verständnis und Zustimmung seitens Bauherren und Gemeindevertretern stießen.

Die Entwicklung der Gesellschaft und der Bautechnik drückt sich auch ganz deutlich in einer neuen Formensprache aus. Diese neuen Anforderungen, Formen und Techniken werden eine deutliche Erhöhung der Wohnqualität bringen und das Bild unserer Siedlungen entscheidend verändern.

Anstatt Häuser als beziehungslose Einzelobjekte auf die grüne Wiese zu stellen, schlug Obleser vor, sich ein Vorbild an den alten Ortskernen zu nehmen: da gibt es genau definierte Räume und Strukturen und genügend uneinsehbaren Privatraum für jeden Einzelnen, auch wenn jeweils nur wenig Platz zur Verfügung steht. Es geht aber nicht um bloßes Kopieren, sondern um die Weiterentwicklung bewährter Gestaltungsansätze.

„Wenn wir uns nicht schon heute mit möglichen zukünftigen Entwicklungen beschäftigen, sondern bloß zuschauen, was passiert, dann werden wir von einer Entwicklung überrollt, die wir unter Umständen nicht wollen. Daher sollten wir uns schon heute den Kopf darüber zerbrechen, was morgen passieren soll.“

Ein erster Schritt ist mit den Gesprächen im Rahmen des Bürgermeisterfrühstücks bereits getan, weitere Informationsveranstaltungen und Diskussionen werden folgen.