Eine Kirche aus Licht – Kirche in Hainburg

In weniger als einem Jahr entsteht die protestantische Martin Luther Kirche auf einer Grundfläche von weniger als 300m². Der an der Ecke des Grundstücks gelegene Glockenturm und das allseits geschwungene Dach verändern nicht nur die Wahrnehmung der gegenüberliegenden Hainburger Putzfassaden sondern auch die Ästhetik des gesamten Ortes.

„Für mich ist das ein sehr emotionales Projekt, weil es dort ist, wo ich aufgewachsen bin.“ so Prof. Wolf D. Prix, der international renommierte Stararchitekt.

Ein Karner der inspiriert

„Eine wichtige Quelle der Inspiration für den Entwurf der Kirche ist der romanische Karner der ehemaligen Martinskirche in Hainburg, der eine ganz bestimmte Dachform hat.“ sagt Prix. Die Kurve des Dachs des alten Beinhauses hat das Designerteam um Prix aufgegriffen und in vielen Durchgängen bis zu einem Modell entwickelt.

Heute besteht die Martin Luther Kirche aus einem Zentralraum mit drei überdimensional großen Lichteinlassöffnungen, einem daran angeschlossenen Gemeindesaal und diversen Nebenräumen. Alle Gebäudeteile können auch miteinander verbunden werden und fordern den Nutzer zu einer flexiblen Nutzung auf.

Rücken an Rücken stehen die Glasfassade und die gelochte, mit einem eingeschnittenen Kreuz versehene Holzwand des Zentralraums. So sind Einblick und Sichtschutz zugleich gelungen. „Dass die Konstruktion der Kirche anmutet,wie ein Tisch der vier Beine hat, ist ein Element, das in meinen Planungen immer wieder vorkommt“ erzählt Prix über die Herangehensweise beim Entwurf der Kirche.

Eine Kirche wie ein Schiff

Ein Besonderheit ist mit Sicherheit das Dach der Martin Luther Kirche, das auf Grund seiner Beschaffenheit und Form in einer norddeutschen Schiffswerft gefertigt wird.

Silbern schimmernd streckt es drei saugnapfartige Ausstülpungen dem Licht entgegen und verändert permanent die Atmosphäre im liturgischen Innenraum der Kirche. Als Quelle der Inspiration nennt Prix die Kapelle von Le Corbusier im Kloster Sainte-Marie de La Tourette in Éveux bei Lyon. Er greift die Idee der Lichtröhren auf und entwickelt sie weiter, vom Einschluss in einer geraden Decke bei Le Corbusier hin zu einer gewölbten Decke in der Martin Luther Kirche.

Gebaut für die Gemeinschaft

„Worauf ich stolz bin, ist die Entwicklung des Projekts und dass es keine Gegner gab.“ sagt Prix dem die Gemeinschaft der Nutzer stets sehr wichtig ist. „Eine Kirche folgt gewissen Regeln – und dabei emotionale und erfahrbare Räume für die Nutzer zu schaffen, ist das Ziel und Thema, das wir immer wieder vor uns haben, wenn wir etwas entwerfen.“ so Prix.

Die Formensprache der Martin Luther Kirche wurde vielfach interpretiert und reicht von der Symbolik der Dreifaltigkeit, die durch die drei Lichtröhren dargestellt wird, bis hin zur neuen Form des Kanzelaltars, der Altar und Kanzel auf einer Ebene vereinigt. Interessant ist, dass die Symbolik nicht Bestandteil des architektonischen Entwurfs von Prix war, vollendet betrachtet aber viel Spielraum für Interpretationen bietet. Dazu Prix: „Alles hat kirchlichen Charakter: die drei Lichtröhren und der Tisch. Architektur soll der Interpretation ja Spielraum geben. Je mehr die Menschen hinein interpretieren, umso besser ist es und umso stärker ist das, was man gemacht hat.“

Bauherr: Verein „Freunde der evangelischen Kirche Hainburg/Donau“

Planung: COOP Himmelb(l)au – Wolf D. Prix & Partner ZT GmbH