Malerei mit Licht

Ausblicke, Licht, Privatheit und die starke Beziehung zur Natur und zum Garten sind unverzichtbare Dinge für den Fotografen und Bauherrn dieses formal bewusst schlicht gehaltenen Hauses.

Von Anfang an hat die Verbindung aus Malerei und realitätsgetreuer Abbildung die Phantasie der Fotografen beflügelt. Heute bietet sie Raum für künstlerisches Schaffen, das weit über die Grenzen von Pixeln, Bits und Bites hinaus führt. Das wichtigste Medium des Fotografen ist naturgemäß das Licht und so stand bei der Konzeptionierung eines Gebäudes, das sich gleichermaßen zum Wohnen wie auch zum Arbeiten eignen sollte, Offenheit und Durchlässigkeit für Tageslicht ganz oben im Anforderungskatalog.

In diesem Sinne begleitete der Planer die Bauherren von Anfang an auf vielfältigste Weise. Belichtungswinkel, Ausblicke und mögliche Einblicke wurden bedacht und berücksichtigt. Da das Nachbargrundstück zum damaligen Zeitpunkt noch unbebaut war, galt es auch eine zukünftige Bebauung in den Planungsprozess mit einzubeziehen.

Öffentlichkeit versus Privatheit

Das Projekt liegt in dicht besiedelter Lage auf einem steil zum Wald abfallenden, dreieckigen Grundstück, das durch eine eher unglückliche Parzellierung entstand. Eine der anspruchsvollsten Aufgaben für den Planer war es daher, ausreichend private Innen- und Außenräume zu schaffen, die gleichzeitig optimal nutzbar und hell sind.

Der Baukörper wurde daher soweit wie möglich an die west- und nordseitige Bebauungsgrenzen gelegt. Zwischen Öffentlichkeit und Privatheit wurden zwei „Filter“ eingebaut. Eine erdgeschoßige Einfriedung an der westlichen Grundgrenze erweitert sich an der gesamten Nordseite zu einer „dienenden Zone“, die Haustechnik, Abstell- und Nebenräume umfasst und an der Westseite des Wohngebäudes in einen intimen, abends besonnten Hof übergeht. Zum öffentlichen Raum bildet das Gebäude mit den zugeordneten Nebenräumen eine natürliche Grenze.

Entgegen der üblichen Gepflogenheiten im Einfamilienhausbau blieb der Vorplatz uneingefriedet und erweitert so den Straßenraum zur Begegnungszone in der Kinder herumtollen können und die auch gerne für nachbarschaftliche Feste genutzt wird.

So groß wie nötig – so klein wie möglich

Wichtige Planungskriterien waren den Flächenverbrauch und die Erschließungsflächen zu optimieren. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde auf eine Unterkellerung verzichtet und generell ein „allzu viel“ vermieden. Statt einer kontrollierten Wohnraumlüftung wurden daher nur die Schlafräume dezentral belüftet. Dennoch wurde eine nachhaltige Energieversorgung mit Pellets realisiert und das bei minimalem Raumbedarf. So konnten auf einer Fläche von nicht einmal 9 m² das Pelletslager, der Heizkessel und die Elektrozentrale untergebracht werden.

Außen kompakt – innen offen und weitläufig

Auffallend ist die strenge kubische Form des äußeren Erscheinungsbildes, das von der Materialität und der grafischen Struktur der sägerauhen, weiß lasierten Fassadenbretter geprägt ist. Licht- und Schatten, Tages- und Jahreszeiten werden auf unterschiedlichste Weise reflektiert.

Die nahezu rahmenlos in die Fassade integrierten, weißen Holzfenster ergänzen das homogene Erscheinungsbild, das in reizvollem Wechselspiel und Kontrast zur Umgebung steht. Diese bringt die Farben in die Architektur. Sei es der sich stetig verändernde, unmittelbar angrenzende Wald, die üppigen Bepflanzungen, oder der blühende Innenhof. Farbe, Reflexionsverhalten und Haptik der Oberflächen waren für die Bewohner nicht nur beim Fassadenmaterial wesentlich. Der Anspruch an die Materialität setzt sich auch im Inneren des Gebäudes fort.

Geölte Holzoberflächen, hochwertige lackierte Holzoberflächen und eine zurückhaltende Farbgebung prägen den Innenraum. Nichts steht in Konkurrenz zu den Ausblicken und zu den bewusst arrangierten Einrichtungsdetails.

Ein Gefäß für unser Leben…

…nennt der Bauherr sein Haus und im gesamten Raum- und Funktionskonzept ist stets der „Hang zur Natur“ erkennbar. So ist die abgeschirmte Terrasse direkt an den Wohn- und Kochbereich angebunden und der Baukörper öffnet sich mit großzügigen Verglasungen zum Garten und dem steil an der Ost- und Südseite abfallenden Wald sowie zum privaten, westseitigen Hofbereich. Die vielfältigen Überlagerungen von Außen- und Innenbereichen gewährleisten eine optimale Besonnung.

Durch Küche und Kaminofen gegliedert bleibt der Wohnraum – trotz Offenheit – stets überschaubar. Schiebeelemente schirmen bei Bedarf den ostseitig gelegenen Arbeitsbereich ab. Vorhänge als leichte, bewegliche und weiche Elemente dienen nicht nur als Sichtschutz, sondern können auch dazu verwendet werden, den Innenraum zu gliedern. Durch die clevere Struktur kann so der ganze Wohnbereich als Fotostudio und Hintergrundkulisse genutzt werden.

Im Obergeschoß befinden sich die Schlafräume sowie die privaten Sanitärräume. Das Bad im Zentrum bietet wie alle Aufenthaltsräume des Obergeschoßes einen grandiosen Ausblick über Garten und Wald. Das Gebäudeinnere ist in einigen Bereichen als „Möbel“ ausgeführt und von beiden Seiten begehbar. Garderobe, Schränke, die Treppe samt begleitendem Bücherregal und die Sanitärräume des Erdgeschoßes schaffen so Platz und Stauraum. Zu den Themen Stimmigkeit des Entwurfs und Qualität der Ausführung befragt, zeigt sich der Bauherr begeistert: „Das Haus funktioniert auch nach mehreren Jahren noch nahezu unverändert. Wir würden uns jederzeit wieder für dieses Konzept entscheiden.“

 

Bauherr: Ein Fotograf

Entwurf und Generalplanung: DI Wolfang Thanel