Holz-Haus „52 Kubik“

Kubik, das ist eigentlich immer ein Hinweis auf Hubraum, besonders beliebt bei Freunden hochmotorisierter Motorräder oder Autos. Für das Projekt „52 Kubik“ wurde das Wort im anderen Sinne benutzt, denn hier geht es um Raummeter. 52 Kubikmeter Holz, das ist nach Art und Menge eine besonders wert- und würdevolle Ausgangsmasse, die hier sehr geschickt in ein besonderes Haus verwandelt wurde. In ein Haus, das etwas zu sagen hat.

In 52 m³ Holz steckt so viel C02 wie auf 260.000 km Autofahrt freigesetzt wird, und bei seiner Entstehung hat es Sauerstoff für ein ganzes Menschenleben gebildet. Mit diesen Zahlen machen die Planer Gerhard Haumer und Büro JOSEP anschaulich, warum das von ihnen entworfene Firmengebäude einer
Landschaftsgärtnerei eine Hommage an die umweltfreundliche und leistungsstarke „Fabrik Wald“ sein soll. Wenn das Haus sichtbar macht, was aus dieser Waldmasse gemacht werden kann, dann äußert sich darin auch tiefer Respekt.

Organische Gliederung
Dieser Anklang zieht sich durch das gesamte Objekt, vom Grundriss, der von oben wie der Fruchtknoten einer Pflanze wirkt, über die klare und organisch faserhafte Gliederung der Holzfassade, in der sich das Wachsen der Bäume feiert, bis zu einem Wechselspiel der Perspektiven, bei dem man auch, wenn man
„innen“ ist, immer Einblick in die Umgebung hat, von der aus sich wiederum Blickbezüge ins einsichtige Haus ergeben. Darin zeigt sich eine Ästhetik der Naturnähe, die nicht bloß besichtigen, sondern sich vernetzen will.
Mehr noch: Die Außenhaut aus Glas- und Spiegelflächen schafft eine Art Natur-Collage, bei der man manchmal auf etwas, dann wieder durch etwas und gleich wieder durch einen Spiegel um die Ecke sieht. Der Effekt: Blüten und Blätter, Holz und Kiesboden fügen sich wie in einem Kaleidoskop zu immer neuen
Bildeindrücken zusammen, und wenn man an diesem Haus vorbeigeht, spricht es geradezu. Abends tritt durch die Beleuchtung des Inneren der Raumcharakter dieses Hauses noch deutlicher in den Vordergrund.

Blickoffen und lichtdurchströmt
Mit diesem Gebäude in Sternform verfolgen die Planer das Ziel, Raum zu geben. Im Innenbereich manifestiert sich das vor allem in einer blickoffenen, lichtdurchströmten Gliederung, bei der sogar die Regale als Raumteiler durchblickt werden können. Auffallend dabei ist, wie überlegt in der hellen Inneneinrichtung mit dezenten Schatten gearbeitet wird. Sie verstärken den Raumeindruck, ohne dass es richtig dunkle Ecken gibt. Gedanken können sich hier unbeschwert entwickeln und die Atmosphäre der hellen Arbeitsbereiche ist geradezu inspirierend.

Die handelnden Personen
Vielleicht hat die hohe Qualität des Ortes auch damit zu tun, dass die Planung in die Hände eines Fachmanns gelegt wurde, der mit dem Werkstoff Holz umzugehen vermag, denn Gerhard Haumer unterrichtet seit vielen Jahren an der HTL Mödling, Abteilung Holztechnik. Aus den 52 Kubik Holz schuf er 125 m² Bürofläche auf zwei Ebenen.
Genutzt wird dieser Arbeitsraum von einer Firma, die wiederum Bäume pflanzt und pflegt, nämlich die Baumschule und Landschaftsgärtnerei Holzer. Und es ist sofort erkennbar, dass dieses Bürohaus weit mehr als nur ein Aushängeschild für diese Firma ist. Es ist ganz einfach die zur Wirklichkeit gewordene Haltung des Bauherrn gegenüber dem, womit er arbeitet: Wald und Holz – und damit eine tiefe Verbeugung gegenüber dem, was ihn und seine Mitarbeiter ernährt.

Eigentümer: Landschaftsgärtnerei Holzer 

Entwurf / Planung: JOSEP, ATELIER-HAUMER