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| Bauen, und zwar lebensgerecht |
Die „totale Landschaft“, |
1. Teil: Jedes Bauen ist
Umbauen (Fortsetzung) Hunderttausende Jahre lebten Menschen auf
dieser Erde als nomadisierende Jäger- und Sammlergesellschaften.
Sie lebten in sehr geringer Bevölkerungsdichte in
Naturlandschaften, in die sie nie massiv gestaltend eingriffen. Ihre
Lebensenergien gewannen sie aus Biomasse, also ausschließlich von
der Sonne. Diese Lebensweise war – um einen heutigen Begriff zu
verwenden – hundertprozentig nachhaltig. Warum haben die Menschen vor Kurzem (vor etwa
10.000 bis 12.000 Jahren) diese erfolgreiche Lebensweise aufgegeben?
Warum sind sie plötzlich sesshaft und Ackerbauern oder
Viehzüchter geworden? Ihr Leben ist dadurch ja offensichtlich viel
härter, entbehrungsreicher und risikoreicher geworden. Als Bauern mussten sie von früh bis
spät arbeiten, Wälder roden, Hänge terrassieren,
Sümpfe trockenlegen, Wege bauen, Schädlinge bekämpfen,
Felder bearbeiten, feste Gebäude errichten etc. Sie waren von den
Launen der Natur viel abhängiger und konnten Konflikte nicht mehr
einfach durch Ortswechsel lösen. Die tiefgreifende Umgestaltung der
gesellschaftlichen Verhältnisse und der radikale Umbau der
Naturlandschaft in eine agrarische Kulturlandschaft waren von niemandem
geplant. Obwohl wir hier von einem kulturellen Wandel reden, vollzog
sich dieser Prozess wie ein Naturereignis. Die Entwicklung war unumkehrbar, denn
agrarische Gesellschaften brachten eine viel höhere
Bevölkerungsdichte hervor und die war nur durch die stärkere
Kontrolle der energetischen Ressourcen, also durch Landwirtschaft,
aufrecht zu erhalten. Trotzdem war auch diese bäuerliche Welt
unter den harten Bedingungen eines ständig regulierend wirkenden
Ressourcenmangels hundertprozentig nachhaltig, da auch sie
ausschließlich von der in Biomasse gespeicherten Energie und
damit von der Sonne am Leben erhalten wurde. Warum haben die Menschen gerade erst (vor etwa
zweihundert Jahren) diese erfolgreiche Lebensweise weitgehend
aufgegeben? Die existenziellen und räumlichen Beschränkungen,
an die die bäuerliche Lebensweise ständig stieß,
konnten erst durch die Erschließung neuer (fossiler, später
auch nuklearer) Energiequellen gesprengt werden. Radikaler Umbau der Lebensräume Ein Symptom dieses Transformationsprozesses ist, dass sich traditionelle räumliche Strukturen unaufhaltsam aufzulösen beginnen. Städte ufern explosionsartig zu grenzenlosen Megacities aus, oder sie werden porös und schrumpfen. Alte Kulturlandschaften werden dem motorisierten Verkehr geopfert und hemmungslos zersiedelt. Wohn-, Arbeits- und Freizeitmilieus verlieren
zunehmend ihren räumlichen Zusammenhalt. Auf den hintersten
Gletschern wird schrille Urbanität inszeniert. In städtischen
Ballungsräumen werden dafür Relikte ehemaliger Wildnisse zu
Nationalparks erklärt. Alltagskulturen und Lebensstile geraten
entweder lustvoll oder bedrohlich konfliktreich durcheinander. Gift, Müll und Hässlichkeiten Zerknirscht könnte man
diagnostizieren, dass die Menschheit noch nie so verantwortungslos ihre
existenziellen Ressourcen vergeudet, ihre Energien missbraucht,
wertvollste Landschaften irreparabel verschlissen, Unmengen von Gift,
Müll und Hässlichkeiten produziert und für die
nachfolgenden Generationen tragfähige Brücken in die Zukunft
abgebrochen hat, wie gegenwärtig. Erich Raith _ raith
nonconform architektur vor ort |
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