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| Bauen, und zwar lebensgerecht |
Lebensgerecht und hochaktuell: Diese Bebauungsstruktur ist kompakt, gemischt genutzt, sie gewährleistetkurze Wege, sie kann sich zeitgemäß weiterentwickeln . . . Foto: Stadt Krems / Günter Kargl. |
2. Teil: Jedes Bauen ist
Umbauen (Fortsetzung) Wie weit man auch auf diesem Globus reist,
ob in Länder, die kulturell vertraut, oder in solche, die
befremdlich exotisch sind, meistens wird man die gleiche Beobachtung
machen: In vorindustriellen Zeiten haben die Menschen
Kulturlandschaften, Siedlungsformen und Gebäude geschaffen, die
durch ihre Alltagstauglichkeit, ihre Berücksichtigung von
Umweltbedingungen und ihr ästhetisches Erscheinungsbild
überzeugen und faszinieren. Welche geheimnisvollen
Fähigkeiten hatten die Menschen damals? Und warum haben wir sie
offenbar verloren? Warum werden heute mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der in alten Zeiten nachhaltig funktionierende und qualitätsvolle Lebensräume geschaffen wurden, weltweit Kulturlandschaften zerstört, ökologische Katastrophen produziert und massenhaft architektonische Banalitäten ohne sinnvolle räumliche Zusammenhänge über die falschen Flächen verteilt? Warum braucht man heute eine Elite von
aufwändig ausgebildeten Experten, um in seltenen
Ausnahmefällen Qualitäten zu schaffen, die früher als
vertraute Normalität aus der alltäglichen Lebenspraxis
hervorgehen konnten? Erst als durch die umfassende
Verfügbarkeit von Kohle, Erdöl, Erdgas und letztlich auch
Atomstrom diese bewährten, aber zwangsläufig auch einengenden
Traditionen und Regeln radikal überwunden werden konnten, brachen
die Dämme. Einerseits setzte ein sich ständig
beschleunigender Schub an Innovationen ein, andererseits beschleunigten
sich durch die Heftigkeit des zivilisatorischen Wandels auch jene
Fehlentwicklungen, die uns heute schockieren und bedrohen. Baukulturelle Neuorientierungen Alles ist Ressource Wir müssen von Fall zu Fall entscheiden,
ob dieser Umbau richtig oder falsch ist, und wir müssen bewerten,
ob wir mit den grünen Wiesen, den Almhütten, den alten
Stadtkernen, den kleinen Dörfern, den barocken Schlössern,
den stillgelegten Hochöfen, den Plattenbau- und
Einfamilienhaussiedlungen, den Gletschern, Regenwäldern und der
Tiefsee, dem Bach vorm Haus, den Müllhalden und
Verkehrsflächen etc. intelligent, verantwortungsvoll und
zukunftsweisend umgehen. In diesem Sinn ist auch alles (!), was an
Gebautem da ist, als Ressource zu verstehen, die eine respektvolle
Auseinandersetzung und die Chance auf eine sinnvolle Weiterentwicklung
verdient. Wir müssen den Umbau unserer
Lebensräume gerade auch unter den Zeichen der wirtschaftlichen und
ökologischen Krisen der Gegenwart als Chance begreifen,
bedrohliche Fehlentwicklungen effizient korrigieren und wieder ins
Positive wenden zu können, global und lokal. Vor dieser
Herausforderung stehen nicht die Fachleute allein. Baukultur ist, was
wir alle gemeinsam auf diesem Weg zustande bringen. Können wir
gemeinsam eine Neuorientierung schaffen? Die Antwort kann nur lauten:
„Yes, we can!“ Erich Raith _ raith
nonconform architektur vor ort |
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