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| Bauen, und zwar lebensgerecht |
Luftbild von Obersdorf im Weinviertel Fotos: Land NÖ, BEV,
2009 |
3. Teil:
Tradition und Fortschritt In Österreich werden im Durchschnitt
10 bis 12 Hektar Land zu Bau- oder Verkehrsflächen umgewandelt –
und zwar täglich! Der rasante Flächenverbrauch ist die
direkte Folge einer ständigen Zunahme des Flächenanspruchs
pro Person, der Ausdünnung unserer Siedlungsstrukturen und der
großräumigen Trennung von Wohn-, Arbeits- und
Freizeitmilieus, sowie der Standorte für öffentliche
Einrichtungen. Flächenfressende räumliche
Entwicklungen wurden erst durch den motorisierten Individualverkehr
ermöglicht. Das bedeutet aber auch, dass unsere alltäglichen
Lebensprozesse weitgehend vom reibungslosen Funktionieren des
KFZ-Verkehrs und damit von der Verfügbarkeit fossiler
Energieträger abhängig geworden sind. Durch die Energie- und
Umweltkrisen der Gegenwart wächst global der Druck, die
Abhängigkeit von fossiler Energie zu überwinden. Dadurch
verschärft sich die Herausforderung, unsere Lebensprozesse anders
zu organisieren und zwar so, dass sie in Zukunft ohne Kohle, Erdöl
(Benzin), Erdgas – und auch möglichst ohne Atomstrom – auskommen. In dieser Situation ist es sehr lohnend, einen
Rückblick auf jene vorindustriellen Epochen zu werfen, die
ebenfalls – mangels Alternativen – gezwungen waren, mit erneuerbarer
Energie, also mit direkt einstrahlender und in Biomasse gespeicherter
Sonnenenergie, das Auslangen zu finden. Ein ganz normales Dorf Das geordnete Ensemble der Einzelgehöfte
umfasst einen großzügigen Zentralraum, der nicht nur
Verkehrsraum, sondern ein komplex funktionierender,
identitätsstiftender, „Lebensraum“ für die Dorfgemeinschaft
war. Dieser Raum hat mittlerweile die meisten seiner vitalen Funktionen
verloren und ist dem fahrenden und ruhenden motorisierten Verkehr
geopfert worden. Daher spürt man auch nicht mehr so unmittelbar,
wie sehr er durch die prächtigen Alleebäume kleinklimatisch
aufgewertet wird (kühler Schatten im Sommer, wärmende
Sonneneinstrahlung im Winter). Angesichts dieser präzisen
Gestaltungsmaßnahmen mag es zunächst verwundern, dass dieser
zentrale öffentliche Raum längs der Hauptwindrichtung
ausgerichtet wurde. Die Erklärung liegt wohl in der Anlage der
Einzelgehöfte, die dadurch quer zur Windrichtung liegen und deren
Wirtschaftstrakte konsequent an jenen Parzellengrenzen angelagert
wurden, die dem Wind zugewandt sind. Es ging hier also offensichtlich
primär um die mikroklimatische Verbesserung der Innenhöfe.
Diese Höfe waren ja für die Familien die zentralen
Lebensräume, die so ohne baulichen Mehraufwand wirksam gegen die
Außenwelt und auch gegen Einblicke der Nachbarn abgeschirmt
werden konnten. Ein anderes Charakteristikum der Ansiedlung
ist, dass jede Parzelle eine Front zum repräsentativen
öffentlichen Zentralraum des Dorfes und gleichzeitig einen
direkten Bezug zur Landschaft hat. Dies war ein Erfordernis der
landwirtschaftlichen Funktionsabläufe, stellt aber ein zeitloses
und von der Wirtschaftsform unabhängiges Qualitätskriterium
von Bebauungs- Vorbild oder Auslaufmodell? Trotzdem wäre es ein fataler Kurzschluss, heute wieder mittelalterliche Bauerndörfer bauen zu wollen. Es geht viel mehr darum, ohne rückwärtsgewandte Sentimentalität von den historischen Vorbildern zu lernen und ihre bis heute relevanten Qualitäten mit den planerischen Mitteln unserer Zeit neu zu interpretieren. Es geht dabei sicher um viel mehr, als bloß um die formalistische Übernahme von traditionellen Dachneigungen und Fensterteilungen. WIRD FORTGESETZT Erich Raith _ raith
nonconform architektur vor ort |
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