Doppelgaragen und unser
Unvermögen, zu leben

 

ARCHITEKTUR NÖ
Ein kritischer Dialog

 

Werfen wir einmal einen Blick in jene Regionen, wo wir gerne Urlaub machen. Griechenland etwa, vielleicht auch Burgund.

Dort fällt auf, dass die Häuser sehr einfach gebaut sind, scheinbar gerade über nur so viel Raum verfügen, wie unbedingt nötig ist. Gleich hinter der Eingangstür tut sich ein Wohnraum auf, der gleichzeitig auch Küche ist. Von dort geht es in die Schlafräume. Keine unnötigen Gänge, keine repräsentativen Stiegenaufgänge, keine Doppelgarage.

Dafür aber jede Menge Leben.

Die Leute sitzen vor den Häusern oder treffen einander in den für die große Personenzahl viel zu engen Wohnzimmern. Trotzdem (oder gerade deswegen) haben sie eine Menge Spaß, erfreuen sich eines Lebens mit Qualität.

Unsereins ist dermaßen damit beschäftigt, Geld zu verdienen, um Häuser zu bauen, die den Nachbarn imponieren sollen, dass wir gar nicht zum Leben kommen. Doppelgarage und bis zur Decke geflieste Badezimmer sind gebaute Versuche, seine Bedeutung in der Gesellschaft über Statussymbole zu manifestieren.

Anderswo werden Häuser gebaut, um zu leben.
Bei uns lebt man, um Häuser zu bauen.

 

Harald Böckl