Neue (?) Formen des Wohnens
oder: Die Wiederbelebung alter Dorfkerne

 

ARCHITEKTUR NÖ
Ein kritischer Dialog

 

DI Eichlinger

DI Petra Eichlinger
Leiterin von "NÖ gestalten"

 

Neben all den oftmals erläuterten Nachteilen von freistehenden Einfamilienhäusern und den Vorteilen von Intimität und Schutz vor Immissionen bei geschlossener Bebauungsstruktur stellt sich die Frage, was aus übergeordneter Sichtweise eigentlich hinter all diesen Diskussionen stehen könnte.

Das eigene Haus wird oftmals als Träger der Identität betrachtet und soll das Bedürfnis nach Prestige und sozialer Anerkennung erfüllen.

Soziale Isolation in der herkömmlichen Siedlung

Das Wohnen in verdichteten Strukturen wird hingegen generell mit Einengung und Unfreiheit verbunden. Realisierte architektonisch hochwertige Wohnprojekte mit dem richtigen Maß für Bebauungsdichte können diese Vorurteile nur langsam entkräften.

Dem Wunsch nach gelebter Intimität und Ungestörtheit im eigenen Haus steht in typischen Einfamilienhaussiedlungen die soziale Isolation der Menschen durch Anonymität aufgrund fehlender Aufenthaltszonen mit Begegnungsmöglichkeiten gegenüber.

Überdies muss sich die Gesellschaft im zunehmenden Maße mit einer sich veränderten Familienstruktur und einer Überalterung der Bevölkerung auseinander setzen.

Der Wohntypus des Einfamilienhauses wird im Hinblick auf diese demographische Entwicklung die Erwartungen und Ansprüche an das tägliche Leben für viele Menschen langfristig nicht mehr erfüllen können.

Neben all diesen sozial-gesellschaftlichen Gesichtspunkten wird auch ein sich verändernder Arbeitsmarkt Veränderungen in der persönlichen Mobilität und eine erhöhte Flexibilität der Menschen erfordern.

Ist die Architektur der Gegenwart in der Lage, auf die Veränderung der Gesellschaft und deren neuen Anforderungen wirkungsvoll zu reagieren?

Wiederbelebung alter Dorfkerne als Chance zum Neubeginn

Durch Wiederbelebung der alten Dorfkerne im ländlichen Raum, durch Sanierung alter Bausubstanz und durch Erweiterung beziehungsweise Schaffung von kultureller und gewerblicher Infrastruktur könnte wieder das eingefangen werden, was vielen von uns abhanden gekommen ist.

Daneben bergen geschlossene Bebauungsstrukturen nicht nur ein Potential zur landschaftlichen und kommunalen Ressourcenschonung sowie energietechnische Vorteile in sich, sondern diese könnten auch der zunehmenden sozialen Isolierung der Menschen wirkungsvoll entgegentreten.

In Zeiten der Verkleinerung der Haushalte werden öffentliche Räume wieder zu wichtigen Komplementärräumen werden.

Außenräume müssen Gelegenheit zur Begegnung bieten

Der Außenraum als die soziale Bühne des Einzelnen, der die Möglichkeit der Begegnung mit anderen, eine gewisse Zufälligkeit und Spontanität schafft, erfüllt insofern nicht nur funktionale Qualitäten, sondern wird als Träger von Identifikation mit einem Umfeld wieder in seiner Bedeutung mehr geschätzt werden.

Gefordert wird die Planerschaft sein, denn alternative Bebauungsformen die sowohl die Vorteile des Eigenheims wie auch die des Wohnbaus vereinigen und dabei die zeitgemäßen Erwartungen und Anforderungen der Menschen erfüllen, können ein Lösungsansatz in diese Richtung sein.

 

DI Petra Eichlinger
Leiterin von "NÖ gestalten"