Ein kritischer Dialog: Reaktionen

 

ARCHITEKTUR NÖ
Ein kritischer Dialog

 

In Heft 132 brachten wir eine Kolumne, die sich mit der in unseren Breiten fehlenden Bescheidenheit beim Bauen auseinander setzte.


Hier Reaktionen darauf.

 

> Seit langem beziehe ich die Broschüre "NÖ gestalten" und lese sie auch gerne. Sehr verwundert war ich jedoch über den Beitrag "Gedanken: Doppelgaragen und unser Unvermögen zu leben".

Sie vergleichen hier zwei alleine schon klimatisch nicht vergleichbare Lebensräume.
Meine Familie lebt im Waldviertel, mein Mann und ich fahren täglich jeder 70 km zur Arbeit. Wenn ich um 6.30 das Haus verlasse, bin ich froh, nicht zuerst einmal mein Auto von Eis und Schnee befreien zu müssen. (Nachdem ich schon eine Stunde Schnee geräumt habe). Da bin ich über unsere Doppelgarage recht froh – zumal sich das Autoabkratzen nicht auf wenige Wochen beschränkt, sondern wir oft im Mai noch Frost in den Nächten haben und dieser Zustand im September schon wieder die nackte Wahrheit ist.

Ich denke, dass wir Vieles im Urlaub sehr nett finden, was wir zu Hause eigentlich nicht vorfinden möchten. Vielleicht hat der Großteil der Menschen in Griechenland deshalb so wenig Wohnraum, weil man sich dort keine größeren Häuser leisten kann?
Ich bin recht froh, dass man in unserem Haus Winterjacken, Gummistiefel, . . . im Vorraum abstellen kann und damit nicht gleich im Wohnzimmer steht.

Würde ich in Griechenland wohnen, wo die klimatischen Voraussetzungen andere sind, ich den Großteil des Jahres im Sonnenschein verbrächte, keine Daunenjacken, Winterstiefel, Hauben, . . . bräuchte, ja, wie würde mein Haus dann wohl aussehen?

Ich lebe auch gerne für zwei Wochen in einem Urlaubshaus in Italien, das ähnlich gebaut ist, wie Sie es beschrieben haben. Bei Dauersonnenschein und Hitze verbringe ich meine Zeit auch lieber vor dem Haus und kann auf Komfort im Inneren verzichten.

Auch zu Hause spielt sich bei uns im Sommer das Leben auf 2.000 m² Wohnfläche ab – nämlich in unserem Garten, oft gemeinsam mit unseren Nachbarn und Freunden.
Wir haben das Glück, in einer Siedlung zu wohnen, wo man sich zusammensetzt, einander hilft, plaudert (auch vor dem Haus).

Leider dauert diese schöne Zeit nicht sehr lange, die Temperaturen lassen es halt nicht mehr zu, dass sich der Großteil des Lebens draußen abspielt und dann sind wir recht glücklich, ein großzügiges Haus zu haben, in dem der Wohnraum so bemessen ist, dass wir nicht übereinander sitzen müssen.

Natürlich mögen Sie damit recht haben, dass sich viele Leute über ihre Statussymbole Haus und Auto definieren, diese Menschen tun mir aber nur leid. Wer jedoch einfach Freude an seinem schönen Haus und seinem gepflegten Garten hat, der möge seine persönliche Oase doch genießen.

Was gibt es Schöneres, etwas wirklich zu genießen, das man sich selbst geschaffen hat?
Petra Spiesmaier, per mail

 

Anmerkung zur Garage: Wer sein Auto mit einer Standheizung mit Funkfernbedienung ausrüstet, spart sich eine Garage und steigt auch abends, nach der Arbeit, in ein warmes Auto, nicht nur morgens, wenn es die Garage verlässt.
Und was das Schneeschaufeln betrifft: Stellt man sein mit einer Standheizung ausgerüstetes Auto auf die Garagenzufahrt (also möglichst knapp zur Straße), dann spart man sich, diese Ausfahrt (den Weg zwischen Straße und Garage) freizuschaufeln.
Beide Aspekte werden in der Garagen-Diskussion zu wenig beachtet.


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Ich möchte Euch zur Broschüre "NÖ gestalten" gratulieren. Gerne schmökere ich darin und finde es wirklich gut, dass sie den Leser in angenehm lesbarer Form, sanft und ohne erhobenem Zeigefinger, auf die Besinnung von Werten – alten oder neuen – leitet.
Erwin Reitmeier, 3003 Gablitz