Gestalten – aber nachhaltig

 

ARCHITEKTUR NÖ
Ein kritischer Dialog

VON DER SEITE BETRACHTET

 

Im Gegensatz zu anderen Lebensformen auf unserem Planeten haben wir Menschen die Fähigkeit und die Techniken, fast alles nach unseren Vorstellungen bauen und damit unsere Umwelt formen zu können. Dieser Umstand ist uns im täglichen Alltag nicht immer bewusst, er beeinflusst uns aber permanent im Unterbewusstsein. So ist es auch erklärbar, dass es Orte gibt, wo wir uns wohl fühlen, und solche, die uns unangenehm sind; Orte in ihrer dreidimensionalen Ausformung vom kleinsten Garten bis zum größten öffentlichen Platz, von unserem täglichen Arbeitsbereich bis zur Veranstaltungsstätte.

Was beeinflusst diese Empfindungen, und könnte man sie nicht auch bewusst nutzen?

Einer der maßgeblichen Faktoren in diesem Zusammenhang ist die Maßstäblichkeit. Maßstäblichkeit bezogen auf den einzelnen Menschen und seine, zumeist optische, Wahrnehmung der Umgebung. Maßstäblichkeit bezogen auf Proportionen und Formen in der Gestaltung. Maßstäblichkeit bezogen auf die jeweilige Funktion eines Gebäudes, eines Ortes. Diese Zusammenhänge werden schon seit Jahrhunderten von Architekten wie Andrea Palladio oder Le Corbusier aber auch von Universalgenies wie Leonardo da Vinci untersucht, dokumentiert und in ihren Werken umgesetzt.

In der täglichen Baupraxis wird Maßstäblichkeit in der Planung oft nicht ausreichend berücksichtigt oder sind andere Faktoren schwerwiegender. Wichtig ist daher, sich bei jeder Bauaufgabe bewusst den Menschen und seine Wahrnehmung als Maßstab vor Augen zu führen. Eine Planung, die den Menschen als Gestaltungsmaßstab berücksichtigt, ist in ihrer Rezeption automatisch besser als eine, die das nicht tut, und sie ist jedenfalls nachhaltig.

 

DI Stefan Schraml
NÖ Baudirektion