ARCHITEKTUR
NÖ
Ein kritischer Dialog |

DI Werner ZIta
|
|
Worauf soll beim Bauen geachtet werden?
Das Bewusstsein, Energie nicht sinnlos zu verschwenden, ist in der jüngsten Vergangenheit gewachsen. Ziele, wie etwa mit dem Wärmeverbrauch sparsam umzugehen und den Co2-Ausstoß möglichst gering zu halten, sind in den Vordergrund gerückt und werden in den jeweiligen konstruktiven Ausführungsprozessen des Bauens bereits berücksichtigt. Ein weiterer Gedanke, der daraus resultiert, führt zum möglichst geringen Verbrauch an Baumaterialien und zur Verwendung möglichst naturnaher Werkstoffe.
Wieso schätzen wir den Charme alter Bauten?
Damals wurde in klaren Formen mit einfachsten Mitteln gebaut, wobei sich die einzelnen Häuser zu einem harmonischen Ganzen gefügt haben.
Bedeutsamere Gebäude waren gegenüber der Summe der einfach gestalteten Häuser in Lage und Bauform entsprechend abgehoben.
Energiegerechtes Bauen wird oftmals als Argument verwendet, die harmonische Gesamtwirkung zu durchbrechen. Dabei wäre der energetisch motivierte Ehrgeiz auch mit einfacheren Lösungen zu befriedigen.
Lässt die Gestaltung neuer Siedlungsgebiete derzeit zu wünschen übrig?
Durch den oftmals zu individuellen Gestaltungs- und Formenkanon ist der Verlust an Harmonie leider ablesbar.
Ablesbar ist auch der Wunsch, sich auf der Größe einer kleinen Einfamilienhausparzelle sein Anwesen zu schaffen und dies als Ausdruck seiner Persönlichkeit zu nutzen. Ein Blick in nördlichere Regionen wie die Benelux-Staaten zeigt jedoch ganz deutlich, dass es nicht unbedingt notwendig ist, dass beruflich Erreichtes, wie das Amt eines Generaldirektors, am eigenen Heim nach außen hin ablesbar sein muss. Allzu Protziges ist dort gesellschaftlich verpönt. Dem steht der Wille zur Eingliederung dem Umfeld gegenüber im Vordergrund.
In den vergangenen Jahren wurde der Maßstab für ein energiebewusstes Bauen jedoch oftmals auch als nicht real begründbare Ausrede genutzt, aus harmonischen Ensembles auszubrechen und sich allzu Protzigem anzunähern. Die Haltung der einzelnen Bauherren, sich bescheiden und mit einfachen klaren Beiträgen in das Siedlungsgefüge einzuordnen, ist deshalb die notwendige Mithilfe, für mehr Ruhe und Harmonie im Ausdruck neuer Wohngebiete zu sorgen.
Stichwort Bescheidenheit:
Der Baulandbedarf ist erschreckend gewachsen. Welche Konsequenzen resultieren daraus?
Dies ist aus der Summe der einzeln stehenden Häuser in den letzten Jahrzehnten entstanden, der Baulandbedarf ist dadurch extrem angestiegen. Damit sind zwei Fehlentwicklungen eingeleitet worden: Der gierige Bedarf an Bauland hat im Gegenzug zu einem spürbaren Verlust an Grünland in unserer Kulturlandschaft geführt. Städte und Dörfer sind so weit angewachsen und haben sich flächenmäßig erweitert, dass Wegstrecken des täglichen Bedarfs mittlerweile wie in den USA bequemerweise mit dem Auto erledigt werden. Dies führt nicht nur zu einer Bewegungsarmut, die sich bereits bei einem Übermaß an übergewichtigen Kindern zeigt, sondern natürlich auch zu einem unnötigen Treibstoffverbrauch.
Die Aufgabe, anwachsende Siedlungen kompakt zu halten, ist in den letzten Jahrzehnten unter Fachleuten ein aktuelles Thema gewesen. Die Erfolge, Wege zu kompakten Siedlungsgestaltungen einzuschlagen, sind zwar vielerorts versucht worden, aber flächendeckend leider noch zu wenig spürbar.
Wir tun also nicht, was wir wissen?
Ausgehend von den Grundgedanken des "Club of Rome", die deutlich darauf hinweisen, dass alles, was wir verbrauchen und in Anspruch nehmen, begrenzt ist, müssen wir heute feststellen, dass dementsprechendes konsequentes Handeln verzögert stattfindet. Richtig bauen heißt, diese Gedanken und Zielvorstellungen beherzt zu übernehmen.
Kann ich einfache Ratschläge für richtiges Bauen geben?
Anstand – durch den Willen der Eingliederung in die vorhandene Umgebung bis hin zu flächensparenden Siedlungsformen.
Dies wäre Ausdruck der gesellschaftlich positiven Einfügung des Einzelnen.
Bescheidenheit – Der Spargedanke in Richtung der notwendigen Größe des Bauvorhabens, des Energieverbrauchs ist in weiten Teilen unserer Gesellschaft bereits verankert. Der reduzierte Umgang, verbunden mit dem Verzicht auf allzu schmückende und hervorstechende Gestaltungselemente, sollte in unserer Gesellschaft als selbstverständliche Aufgabe gesehen werden.
Respekt – Die Botschaft der traditionellen Dorfstrukturen und Bauten zeigt trotz Geschlossenheit eine gut nachbarschaftliche Abstimmung und die Einfügung der einzelnen Häuser in ein Gesamtgefüge. Zeitgemäße Einfügungen und Erweiterungen sollten mit Respekt diese Grundzüge aufnehmen.
Der einzelne Bauherr wurde in jüngster Vergangenheit oftmals vor die Qual der Wahl gestellt, ob er energetisch richtig oder dem Umfeld angepasst bauen soll.
Klarzustellen ist, dass auch Häuser mit herkömmlichen Dächern energetisch richtig gebaut werden können.
DI Werner Zita
Der Autor ist Architekt in Langenzersdorf |