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| Drei Fragen vor dem ersten Strich |
DI Richard Zeitlhuber |
Entwurfszeichnen ist eine wunderbare Tätigkeit. Auf dem Bildschirm oder einem Stück Papier wird die Zukunft vorweggenommen. Die Vorfreude auf das neue Heim kann intensiv ausgekostet werden. Ist das Bauwerk nach vielen Hürden und Entbehrungen endlich fertig und bezogen, müssen oft nicht wenige Bewohner feststellen, dass so mancher Traum nicht in Erfüllung gegangen ist. Funktionelle, hochbauliche oder bauphysikalische Mängel sind Anlass für teure Änderungen, manches hat man sich ganz anders vorgestellt, oft auch die überzogenen Kosten. Ich meine daher: Bevor der Zeichencomputer angeworfen wird, sollten drei Fragen beantwortet sein: Was darf ich? Was ich darf, steht in der Bauordnung und im Flächenwidmungsplan und – so ferne eine Gemeinde einen solchen beschlossen hat – im Bebauungsplan. Daher sei jedem Bauwerber angeraten, sich bei der Baubehörde zu informieren. Die Antwort auf die zweite Frage scheint mir der Kernpunkt jeder Planungsvorbereitung zu sein: Was will ich? Hier ist die ehrliche eigene Bedürfniserforschung gefragt, und nicht die des Nachbarn oder des Freundes. Der Nachbar hat andere Bedürfnisse, ein anderes Grundstück, ein anderes Einkommen, eine andere Familie. Auch Prestige ist ein schlechter Ratgeber. Nebenbei: Die Frage nach der künftigen Lebensplanung wäre hier zu stellen. Wie schaut meine Situation in fünf, zehn oder zwanzig Jahren aus? Auch wenn sich Persönliches fast nicht planen lässt, ansatzweise Überlegungen anzustellen ist ratsam. Erst dann ist ein Raumprogramm, also eine Auflistung aller gewünschten Räume und deren Größe, zu erstellen. In diesem Zusammenhang wäre auch die Frage nach der Umgebung des Hauses zu stellen. Ein Gebäude soll sich nicht an die Umgebung anpassen, sondern vielmehr soll es auf diese klug reagieren. Wenn in einer Einfamilienhaus-Siedlung nur schlechte oder fade Architektur zu finden ist, ist Anpassung mehr als fragwürdig. Das zu planende Objekt sollte auf Himmelsrichtung, Windverhältnisse, Lärmpegel, Topographie, Überschwemmungsgefahr, Bodenbeschaffenheit, Verkehrsanbindung und Nahversorgungsmöglichkeit Bedacht nehmen. Auch die mögliche bauliche Nachbarschaft ist zu erkunden. Die Nachbarschaft von Industrie oder Veranstaltungsplätzen (Open Air Music) kann die Wohnqualität beeinflussen. Erst wenn all diese Fragen geklärt sind, sollte mit der zeichnerischen Lösung einer Planungsaufgabe begonnen werden. Man sieht also, dass auch schon vor dem ersten Strich viele wichtige Planungsschritte zu setzen wären.
DI Richard Zeitlhuber |
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