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ARCHITEKTUR
NÖ
Ein kritischer Dialog
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Der Sonderteil „Architektur NÖ. Ein kritischer Dialog“
behandelte in den Ausgaben 125 und 126 grundlegende Fragen der Gestaltung.
Hier einige
Reaktionen darauf.
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Auch ich bin seit einigen Jahren begeisterte
Leserin Ihrer Broschüre. Da Schönheit bekanntlich
im Auge des Betrachters liegt, finde
ich allerdings die Leser-Diskussionen um die
Optik moderner Hausformen als völlig fehl
am Platz.
Historische Stadtkerne werden immer strengen
Kriterien unterliegen und sind selbstverständlich
in ihrer ursprünglichen Form so weit
wie möglich zu erhalten. Der Neubau eines
Wohngebäudes jedoch ist immer noch Geschmacksache
und sollte letzten Endes dem
Bauherrn überlassen sein.
Viel sinnvoller fände ich Diskussionen zur
Optimierung der Gebäudelage am Grundstück,
zu flexiblen Grundrissen und vorausschauender
Barrierefreiheit im Haus, zu alternativen
(Niedrigstenergie-)Heizsystemen, zu
modernen (und wiederentdeckten) Bau- und
Isoliermaterialien wie auch zur Verkürzung
von Transportwegen in der Bauphase im Sinne
einer CO2-Reduktion.
Ich selbst wohne seit Kurzem in einem sogenannten
Würfelhaus, dessen Form sich aus
dem Wunsch nach dem niedrigsten Energieverbrauch
ergeben hat, der ja bekanntlich
durch das Verhältnis „Oberfläche zu Volumen“ eines Gebäudes beeinflusst wird (nur die
Kugelform wäre nochbesser). Andererseits
war meiner Familie auch wichtig, dass sämtliche
Räume hell (und damit wieder energiesparend)
sowie einfach, gleichwertig und für
zukünftige Familiensituationen flexibel einzurichten
sind (da z. B. keinerlei Dachschrägen,
Gaupen und Erker vorkommen). Die äußere
Form unseres Hauses kam dann ganz von allein – uns gefällt sie sehr.
Martina Gaind,
per mail
Das Dach ist ein wesentliches Element zur
Gestaltung nicht nur des Hauses. Sie schreiben
weiter: „Vor allem bei einem frei stehenden
Gebäude hat die Gestaltung des Daches
entscheidenden Einfluss auf die Optik“.
Dieser Meinung bin ich auch. Wie kann es
aber sein, wie man es jetzt oft sieht, dass mitten
in einer Siedlung ein hässliches Kastenhaus
ohne Dach klotzt? Wo sind Feingefühl, Anstand
und Rücksichtnahme auf die Umgebung?
Der Artikel von DI Werner Zita zeigt auf, dass
in den letzten Jahren viele bauliche Fehler begangen
wurden, sowohl bei Siedlungen (Siedlungshäuser)
wie auch bei Einfamilienhäusern.
Er führt richtig aus, dass dies zu einer gierigen
Inanspruchnahme des Grünlandes führt und zu uferlos wachsenden Ortserweiterungen.
Gierig und uferlos ist schon lange angesagt,
die gewisse Bescheidenheit gibt es nicht mehr.
Inge Schreiber,
2320 Schwechat
Es ist erfreulich, dass das Thema „Gegensätze
und Gemeinsamkeiten traditioneller und heutiger
Architektur“ als kritischer Dialog aufgeworfen
wird.
Die Gegensätze sind nur zu deutlich. Die heutige
Architektur: neue Materialien, vor allem
große Glasflächen, Holzverkleidungen ohne
Dachvorsprung (als kurzlebige Bio-Tapete),
Niedrigenergiemode, Warmwasserkollektoren-
und Solarvoltaikflächen, formales Kisten-
Vokabular der fünfziger Jahre, Ablehnung jeder
Art von Bautradition. Gemeinsamkeiten:
das funktionale Konzept, die raumordnerischen
Ziele (z. B. Verdichtung).
Die Disparität verdeutlicht sich, wo heutigmodische
Architektur in alte Ensembles integriert
werden soll. Dazu ist der Spagat zwischen
Anpassung und Zeitgeistsprache zu bewältigen,
was die meisten Architekten nicht
können.
In der Tonart zu bleiben und trotzdem die
Entstehungszeit lesbar zu machen, wäre die
Meisterschaft, die aber höchst selten zu finden
ist. Dazu ist auch der Verzicht auf modische
und oft auch Niedrigenergie-Zugaben erforderlich.
Was die architektonischen Selbstdarsteller vermissen
lassen: Zurückhaltung, Respekt, Einfühlsamkeit,
Schlichtheit. Die gefühlvolle Einfügung
dennoch als Architektur unserer Tage
erkennbar zu machen, das ist der selten gelungene
Meister-Spagat.
Prof. Arch. DI. Rainer Reinisch,
5280 Braunau
Es drängt mich dazu, Ihnen kundzutun, dass
ich vom Artikel „Bauen, und zwar lebensgerecht“ von Dr. Erich Raith sehr beeindruckt
war. Sicherlich fängt alles im eigenen Kopf an,
davon künden auch immer wieder die Beispiele
in „Zuagroast“. Man verändert niemanden,
außer sich selbst. Und deshalb ist es dringend
notwendig, „Volksbildung“ für alle zu forcieren – nicht verordnet, aber unterschwellig. Es
kommt wirklich immer auf den Einzelnen an,
und das fängt bei mir selbst an.
Danke, dass sie so eine Artikelserie in Ihrer
Broschüre ermöglichen.
Martin Seemann,
3021 Pressbaum |