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ARCHITEKTUR
NÖ
Ein kritischer Dialog
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Die Doppelgarage ist optisch dominanter als das Haus, das Haus selbst will ums Verrecken so wichtig sein wie ein Schlösschen. So mancher Häuselbauer in NÖ legt durch den seinen eigenen Ideen entsprungenen Plan einen gestalterischen Offenbarungseid ab– und bezahlt für sein Nichtwissen und sein Nichtkönnen bezüglich Gestaltungsqualität einen überhohen Preis.
Einerseits büßt er die Eigenplanung durch eine verminderte Wohnqualität – denn Häuser, die auf die Fassade und ihre Außenwirkung getrimmt werden, sind innen meist noch viel peinlicher und ungemütlicher, als es das Äußere vermuten lässt.
Andererseits wird gespart, was das Zeug hält – minderwertige Baumaterialien erhalten den Vorzug gegenüber jenen, die die Wohnqualität steigern könnten.
Aber die Hauptsache für den fidelen Selbstplaner ist ja, ein möglichst kostengünstiges Haus zu errichten. Er weiß nur leider nicht, dass dies so nicht funktioniert.
Was der herkömmliche Häuslbauer in "Prestigegestaltung" und Vorzeige-Ausstattung investiert, das investiert der gut beratene Bauherr in eine gute Gestaltung und in eine erhöhte Wohnqualität.
Der Eine sitzt in einer selbstgeplanten Bude, die unbrauchbare Grundrisse und eine Auswahl schlechter (falsch kombinierter) Baumaterialien vereint.
Der Andere hat sich beraten lassen und weiß, dass Eigenplanung ein Schuss ins eigene Knie ist. Er weiß auch, dass man nicht einzelne Materialien auswählt und sie beliebig zusammenfügt, sondern dass die Baustoffe sich aus einer Gesamtkonzeption ergeben und in Wechselwirkung zueinander stehen.
UND DAS VERBLÜFFENDE ENDRESULTAT: Beide haben genau die selbe Summe investiert, um ein Haus zu errichten. Bei dem Einen gehen die Ausgaben für vielleicht unnötige Prestige-Dinge drauf, beim Anderen wird diese Summe in die Qualität der Planung, in die Qualität der Räume und in die Qualität des Wohnens investiert.
UNTERM STRICH: Beide Häuser sind gleich teuer. Das eine hat einen geringen Wohnwert und einen miserablen Verkaufswert, das andere bietet jeden erdenklichen Komfort und lässt sich (falls dies nötig wird) auch gut und rasch verkaufen.
Kaum jemand käme auf die Idee, ein Auto aus Einzelteilen aus dem Kfz-Handel selbst zusammenzubauen.
Die Jagd nach Sonderangeboten aus dem Baumarkt ist jedoch die Lieblingsbeschäftigung vieler Bauherren.
Harald Böckl
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