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| Warum wir so gern ums Haus gehen |
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Einige Gedanken, warum das Bedürfnis so groß ist, Es hat ganz einfach praktische Gründe. Eine Zufahrt an zumindest einer Seite zum Nachbarn ist gegeben, um den Garten zu bedienen, mit dem Rasenmäher, Traktor oder sonstiger Gerätschaften zu- und abfahren zu können. Sehr oft werden in diesen Bereichen, fachlich als Bauwich bezeichnet, Kellerabgänge, Rampen oder Garagen angeordnet. Weiters ist es praktisch um das Haus gehen zu können, da so leichter Kontrollen am Haus durchgeführt werden können, wie aufsteigende Feuchte, verstopfte Kanäle, mit Laub zugewachsene Dachrinnen. Auch Fenster können an diesen Seiten zum Bauwich angeordnet werden, die zwar weniger der Belichtung, aber der Belüftung dienen können. Dies alles sind, oberflächlich betrachtet, praktische Gründe, ein Haus mit je einem Seitabstand zum jeweiligen Nachbarn zu planen. Aber spricht nicht auch ein gewisser Egoismus jedes Einzelnen von uns, wenn wir so "wohnen" wollen? Über 90 % der Amerikaner wünschen sich diese Wohnform und über 80 % der Europäer, und dies in Ruhelage in unmittelbarer Nähe zum Zentrum. Woher kommt diese Wohnform und wie hat sich diese Art zu wohnen im Laufe der Geschichte entwickelt? In der Renaissance hat vor allem in Italien der große Architekt Andrea Palladio (1508–1580) Landvillen für den italienischen Adel errichtet. Studiert hat Andrea Palladio vor allem die griechische und römische Antike und hat daraus seinen Stil der Landvillen als Herrschaftsstruktur entwickelt. Das berühmte Beispiel einer dieser Villen ist die Villa Rotenda bei Vicenza mit gewölbtem Zentralraum, vier Seitenschiffen, quadratischem Grundriss und vier Freitreppen je in eine Himmelsrichtung. (Hier ist jedoch zu bemerken, dass eine Freitreppe in gleicher Proportion und Größe an der nahen Grundstücksgrenze endet). Wichtig ist zu betonen, dass alle von Palladio errichteten Villen in Ihrer Detailausarbeitung und fachlicher Qualität unvergleichlich sind und beim Studium für jeden Architekturstudenten ein "Muss" darstellt! Im 18. Jahrhundert wurde dieser Stil in England durch Imigo Jones aufgegriffen und passte gut zur englischen Oberklasse, die im sogenannten klassizistischen Stil Ihren sozialen Aufstieg und Reichtum darstellten. Dieser Stil breitete sich in Europa auch im 19. Jh. rasch aus. In Wien ist dies noch heute in den sogenannten Cottagevierteln des 13., 18. und 19. Bezirkes zu erkennen. In Amerika hat vor allem Frank Lloyd Wright die Landhäuser als Villen Anfang des 20. Jhd. weiterentwickelt, wobei Wright die Natur und den Garten in seine fließenden Räume mit einbezogen hat. Er war es auch, der vorgeschlagen hat, Amerika in kleine Grundstücke aufzuteilen, eine Idee, deren Konsequenz in den flächenmäßig riesigen Vororten der Städte in aller Welt ablesbar ist. Aus diesem kurzen Abriss der Geschichte des Einfamilienhauses (auf den Einfluss der japanischen Architektur möchte ich ein anderes Mal eingehen) ist zu erkennen, dass ein freistehendes Haus auch mit Abgrenzung gegenüber den "Anderen" zu tun hat. Es soll unter anderem auch Ausdruck einer wirtschaftlichen und sozialen Besserstellung sein und wird als solches von der Bauindustrie verkauft. Diese Wohnform ist erst ca. 500 Jahre alt, hat den gesamten Globus überzogen und alle alternativen Wohnformen scheitern bis zum heutigen Tag an dem Wunsch "ums Haus gehen zu wollen". Die praktischen Gründe können es nicht sein, denn mit dem Rasenmäher oder einem kleinen Traktor kann man auch durch die Garage fahren, wenn diese auch auf der Rückseite ein Tor besitzt. Unbedingt notwendige Kellerabgänge können auch innerhalb der Garage angeordnet werden und sind weniger anfällig für Wasserschäden und Baumängel jeglicher Art. Kontrollen des Hauses können auch an der Vorderund Rückseite durchgeführt werden, die Kontroll- Längen werden sogar um einiges kürzer und bei einer gut geplanten Grundrisskonzeption sind Fenster zu den beiden Schmalseiten nicht notwendig. Vielleicht lernen wir zukünftig auf den ca. 3,0 m breiten seitlichen Grundstreifen mit ca. 75 bis 100 m² Grundfläche zu verzichten und rücken etwas näher zusammen, da wir Menschen im Grunde alle gleich sind.
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