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| Vom Wesen des Einfamilienhauses |
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oder: 700 Quadratmeter für das moderne Landgut
Das Landgut als Kontrast zum Stadtpalais Ein Wesenszug des Landgutes war der Kontrast zum Stadtpalais: Die Weite der duftenden Landschaft, die Ruhe des ländlichen Lebens im Gegensatz zur Enge der lärmenden und übel riechenden Stadt, die Großzügigkeit der Räumlichkeiten und des Freiraumes im Vergleich zur Kleinteiligkeit des urbanen Obdachs. Was jedoch unverändert blieb, war der gehobene Lebensstil und die verfeinerte Lebensart der aristokratischen Villenbesitzer. Im 19. Jahrhundert wurde die Villa wiederbelebt. Das zum Wohlstand gelangte Bürgertum ließ sich seine Villen in der Vorstadt oder in der Sommerfrische errichten. Das Areal und das Gebäude waren um vieles kleiner als jene des historischen Vorbilds, doch immer noch großzügig und repräsentativ.
Wo sind heute Stadtpalais und Dienerschaft? Heute, zweitausend Jahre nach den antiken Villen, haben die meisten von uns weder ein Stadtpalais noch eine große Dienerschaft oder eine adelige Herkunft. Und doch versuchen heute mehr denn je, der städtischen Enge, dem Lärm und Gestank zu entfliehen. Das moderne "Landgut" des 20. und 21. Jahrhunderts ist jedoch nicht mehr die zusätzliche Sommerresidenz, sondern aus wirtschaftlichen Gründen der einzige Wohnsitz. Es misst nicht unzählige Hektar, sondern im Schnitt nur 700 m2 und der nächste Nachbar ist nicht am Horizont zu erblicken, sondern befindet sich in zirka 15 m Entfernung. Die Aussicht ist meist durch die benachbarten Häuser verdeckt und wirklich ruhig ist es auch nur in der rasenmäherfreien Zeit. Im Regelfall handelt es sich um ein frei stehendes Haus mit 3 m Abstandsgrün zur Nachbargrenze, welches wir heute Einfamilienhaus nennen. War es in der Antike erstrebenswert, die Zweitresidenz möglichst weit weg vom städtischen Getriebe zu situieren, so sind es heute vorwiegend die Grundstückspreise, die eine Lage weit draußen am Lande erzwingen.
Ein Wohnsitz mit großen Fahrdistanzen Auf Grund der Tatsache, dass das neuzeitliche Einfamilienhaus nun der alleinige Wohnsitz ist, resultiert aus der großen Distanz zur Stadt die Notwendigkeit, diese täglich zu überwinden – zum Kindergarten, zur Schule, zum Ausbildungsplatz, zum Arbeitsplatz, zum Supermarkt, zum Schwimmbad oder aber zum Kino. Dies erfordert neben der Fahrzeit auch breitere Straßen und mehr Energie, wobei diese Energiemenge letztlich um vieles größer ist, als jenes Energievolumen, welches durch ein Niedrigenergiehaus oder Passivhaus eingespart wird. Dies alles soll weder das Einfamilienhaus an sich verdammen, noch dessen Vorteile negieren – es soll nur zum Nachdenken über einige Schattenseiten des gegenwärtigen Einfamilienhaustypus´ anregen. 1) Duden Fremdwörterbuch
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