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| Broschüre NÖ gestalten, Ausgabe 111 |
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Einfühlsame Platzgestaltung Viele Plätze haben einiges von ihrer Ausstrahlung, ihrer ehemaligen Funktion verloren, seitdem das Auto Einzug gehalten hat. Hier ein Beispiel einer gelungenen „Reparatur“. Durch die Zunahme des Individualverkehrs hatte
es sich eingebürgert, den Kirchenplatz vermehrt als Parkraum zu
nutzen. Nach den Messen konnten keine ungestörten Gespräche
geführt werden, da immer wieder Autos zu- und abfuhren. Die Parksituation
am Kirchenplatz war teilweise schon chaotisch. Ebenso war es durch bestehende
Niveauunterschiede sehr schwierig, bei Veranstaltungen Sitzgelegenheiten
aufzustellen. Heute steht der Kirchenplatz wieder
als eine vor Autoverkehr geschützte Zone für Kommunikation
und als Begegnungsraum zur Verfügung. Mit der Schaffung eines barrierefreien
Zutritts zur Kirche und zum Pfarrhof wollte die Pfarrgemeinde zeigen,
dass die Kirche für alle offen ist und niemanden ausschließt. In der Planungsphase wurde ein Modell (1:100)
angefertigt, das nicht nur dem Gemeinderat, sondern auch nach den Sonntags-Messen
den Kirchenbesuchern und bei den Bürgermeister-Stammtischen präsentiert
wurde, um alle in den Planungsprozess einzubinden. Idee und Planung:
„Ich hoffe, Ihnen gefällt die Neugestaltung des Kirchenplatzes. Am auffälligsten ist wahrscheinlich die neue Stiegenanlage mit dem Glasdach. Oder fällt zuerst auf, dass keine Autos den Platz verstellen? Vielleicht aber haben Sie sich schon gefragt, was die unterschiedlichen Muster bedeuten – und deshalb möchte ich kurz die Idee hinter dieser Gestaltung erläutern. Meine erste Idee war: ich möchte einen Kommunikationsraum – weil ich es äußert lästig fand, wenn ich nach der Messe mit Freunden und Bekannten plaudern wollte, und dauernd von wegfahrenden Autos aus dem Gespräch gerissen wurde. Außerdem sah ich, dass herumlaufende Kinder von den Fahrzeugen gefährdet waren. Dann kam die Idee eines Liedes – ins Wasser fällt ein Stein und zieht doch weite Kreise . . . – und so ließ ich die Kirche, das Pfarrheim, den Friedhof, die Sakristei und das Schloss Kreise ziehen. In der Mitte – zwischen Pfarrhof und Kirche – entstand ein Labyrinth. Wenn Sie den Weg des Labyrinths nachgehen, kommen Sie zu einem Baum (Lederhülsenbaum). Da dieser Platz früher einmal ein Friedhof war und quasi aus diesem Friedhof jetzt ein Baum wächst, kann man den Auferstehungsgedanken dahinter erkennen. Das Labyrinth soll zeigen, dass diese Auferstehung unser Ziel ist, wenn wir manchmal auch erst auf Abwegen dorthin kommen. Das Muster um die Kirche herum ist wellenförmig, weil ja ein Stein, der ins Wasser fällt, auch Wellen erzeugt. Dieses Muster wiederholt sich auch in anderen Segmenten des Platzes. Die Sakristei und der Friedhof senden Strahlen aus, einer Sonne gleich. Der Haupteingang zur Kirche ist durch einen neuen Kreisbogen mit einem Schuppenmuster betont. Diese Pflasterung wurde mit Beton verschlämmt, so dass weniger Schmutz in die Kirche getragen wird und Damen mit Stöckelschuhen bequemer gehen können. Einen zusätzlichen Akzent erhält das Eingangsportal durch Boden-Orientierungsleuchten. Die Bänke, die entlang des Kreises, der von der Kirche ausgeht, aufgestellt sind, laden Sie zum Verweilen ein, aber bilden gemeinsam mit Bollern die notwendige Barriere, dass aus dem Kirchenplatz nicht wieder ein Parkplatz wird.“ Christian Kiehtreiber (Pfarrgemeinde Oberaspang)
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