Broschüre „NÖ gestalten“, Ausgabe 114

 

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„NÖ gestalten“

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Neubau in Pessbaum

Neubau in Pessbaum

 

 

Ein Haus, in dem
die Heizung im Sommer kühlt

Bereits seit zehn Jahren bewohnt eine Familie ihren Neubau in Pressbaum bei Wien. Das Besondere an diesem Gebäude: Im Sommer wird das Heizsystem zur Raumkühlung verwendet. Nun liegen auch exakte Messdaten vor.

Das Haus, das an einem Südhang steht, ist optimal auf passive Nutzung der Sonnenenergie ausgerichtet. Alle Wände sind mit hoher Wärmedämmung ausgeführt; Sonnenkollektoren dienen der Warmwasserbereitung.

Solarkollektoren unterstützen das Heizungssystem im Winter, wobei selbst die Dachform auf die Kollektorflächen abgestimmt ist. So wirft die Blechdeckung des Vordaches durch seine Neigung zusätzliche Sonnenstrahlung auf die Solarkollektoren.

Das reichlich anfallende Hangwasser sowie das Regenwasser werden in einer Zisterne gesammelt und zur Gartenbewässerung genutzt. Das Heizsystem besteht aus einem zentralen Allesbrenner mit Fußboden- und Wandheizung.
Über das selbe System ist es auch möglich, in den Sommermonaten mit minimalem Mehraufwand Wärmelasten abzuführen.
Mittels einer einfachen manuellen Steuerung und einer zusätzlichen Wasserpumpe kann kühles Wasser zur Kühlung über die Wandheizung geleitet werden.

Das innovative Heiz- und Kühlsystem
Besonders innovativ ist das Kühlsystem des Hauses. Die Planung des Hauses verlangt nicht nach einer Kühlung, aber selbst bei gut geplanten Gebäuden kann es im Sommer aufgrund hoher Außentemperaturen zu hohen Raumtemperaturen kommen. Während solcher heißen Perioden nutzt die Familie ihr Heizungssystem zur unterstützenden Raumkühlung.

Das System ist einfach: Das durch die hohen Raumtemperaturen warme Heizungswasser in der Wandheizung wird durch die Fußbodenheizung des Kellers gepumpt, wo es sich abkühlt.
Die Wohnräume werden einerseits durch den kälteren Keller gekühlt, andererseits werden der Hobbyraum und die Werkstatt im Kellergeschoß kostenlos temperiert. Warme Kellerräume haben im Sommer den Vorteil, dass die relative Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist, die Räume haben somit einen höheren Komfort.

Der Investitionsaufwand für die Zweitnutzung der Heizung als Kühlung beschränkt sich lediglich auf die Integration einer zusätzlichen Wasserpumpe in den Heizkreislauf.

Der messtechnische Nachweis
Untersucht und thermisch vermessen wurde dieses Einfachstkühlsystem im Rahmen eines Forschungsprojektes, gefördert von Wohnbauforschung, Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten, Bundesministerium für Land- und Wasserwirtschaft und Architekturbüro Martin Treberspurg.
Gemessen wurden Außen-, Raum- und Wasserkreislauftemperaturen von Juni bis September. Während dieses Zeitraumes stieg die Außentemperatur an neun Tagen über 30° C an, die Raumtemperaturen im Erdgeschoß lagen aber durchgehend unter 26° C, einem sehr behaglichen Temperaturbereich.

Die niedrigen Raumtemperaturen sind umso bemerkenswerter, da laut Aussage der Bewohner die Tür zur Terrasse tagsüber häufig geöffnet war und die Fenster während der Nacht aus Sicherheitsgründen geschlossen gehalten wurden. Das heißt, es wurde auf eine Nachtlüftung über Fenster zur Kühlung verzichtet.

Die Raumtemperaturen im Erdgeschoß lagen in der Nacht bei Werten von 21° C. Nach der Aktivierung des Kühlsystems sinkt die Wandtemperatur im Wohnzimmer ab und die Bodentemperatur im Keller steigt langsam an. Die Temperaturspreizung zwischen Vor- und Rücklauf bleibt nach dem Einschalten ziemlich konstant.
Das untersuchte Einfamilienhaus demonstriert erstaunlich gute Ergebnisse dieses „Einfachstkühlsystems“. Der Energieaufwand für die kleine Wasserpumpe zur Umwälzung des Heizwasserkreislaufes und die Investitionskosten sind minimal.

Die Planung dieses Hauses (sowie des genialen Kühlsystems) erfolgte durch Architekt Treberspurg, 1140 Wien, und Bauherr Ing. Otto Wagner.

 

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