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| Broschüre NÖ gestalten,
Ausgabe 121 (September 2008) |
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Fotos: Elfriede Egger (1),
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Wunderwelt Hintaus Während vorne die schöne Fassade vor allem die Nachbarn beeindrucken soll, bleibt für das wahre Leben im Hintaus gerade noch Platz. Im Rahmen einer Hintaus-Wanderung ging man in Poysdorf den Kostbarkeiten dieses besonderen Lebensbereiches nach. Und der Poysdorfer Hans Rieder, unermüdlicher Beobachter dieser wesentlichen Kleinigkeiten, hat für uns nebenstehenden Text dazu ausgegraben. Wenn mich im Internat Heimweh überflutete,
war es immer auch eines nach Orten. Und diese Orte ließen sich
bündeln in einem Ort: Hintaus. Mein Bruder, der mir am meisten fehlte, war
der stete Begleiter; der Begleiter in die Geheimnisse, Stimmungen und
Abenteuer, die auf uns warteten, wenn das Hintaustor aufging. Oft streifte
ich mit ihm im Traum oder in der Mathematikstunde durch die Wildnis
hinter den Presshäusern und Strohtristen. Am Hof, am Bauernhof,
waltete die Ordnung. Und das musste so sein. Es gab dort nur einzelne
vergessene Winkel, die sich aus der Ordnung geschlichen hatten. Aber Hintaus begann die Ordnung sich aufzulösen. Der Mensch griff zwar noch ein wenig ein, aber ohne großen Nachdruck. Der Verputz von den Presshäusern durfte abfallen. Der Löwenzahn musste kein jähes Ende fürchten. Dinge gingen hier verloren, die zu finden die Augen leuchten ließen. Die nutzlos gewordenen Ackergeräte konnten in Würde dahinrosten. Die Leute, die Hintaus unterwegs waren, hatten
Zeit Die Jahreszeiten färbten Hintaus noch kräftiger als die
schöne Hauptstraße. Und erst die Düfte: Die des herannahenden
Frühlings, des reifen Getreides, der Erdäpfelfeuer und aus
den Kellern. Wenn mich heute viel zu selten ein solcher
Duft der Kindheit umweht, brennt mir das Herz. Was sollen wir unseren Kindern nicht alles
vermitteln. Bücher haben wir gelesen, Vorträge besucht. Jetzt
wo die Kinder groß sind, denke ich: Alles verlorene Lebensjahre.
Jeder kann doch nur weitergeben, was in ihm drinnen ist, also auch Defizite.
Zum Glück auch die Sehnsüchte; auch die nicht ausgesprochenen. So bin ich zuversichtlich, dass meine Kinder
Hintaus bewahren werden. Wenn ihre Poren für Hintaus offen bleiben,
werden sie Gameboy, Video und PC und was uns an Plunder noch alles ins
Haus stehen wird, gesund überstehen. Wenn wir auf Urlaub fahren, suchen wir immer
nach Orten mit Hintaus; Orte, wo sich die Gestaltungswut der Menschen
erschöpft. Die Fremdenverkehrsindus-trie zerstört
das Idyll, das sie verkauft. Dabei beginnen die letzten Paradiese im
eigenen Dorf. Wir brauchen Hintaus. Hintaus ist, wo man loslassen darf.
Und das Weinviertel ist deshalb so schön, weil es noch
ein Hintaus hat. Martin Neid Wir danken dem Verlag Günther Hofer
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