Broschüre „NÖ gestalten“,
Ausgabe 122 (November 2008)

 

Broschüre

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„NÖ gestalten“

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Neue Serie Hintaus: Kindheits-Erinnerungen

Neue Serie Hintaus: Kindheits-Erinnerungen

Fotos: Renate Schmid

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hintaus: ein Lebensbereich der besonderen Art

Foto: Kati Martinek

 

 

 

Wunderwelt Hintaus

Während vorne die „schöne Fassade“ vor allem die Nachbarn beeindrucken soll, bleibt für das wahre Leben im „Hintaus“ gerade noch
Platz. Fangen wir es gemeinsam ein,
halten wir es gemeinsam fest.

Kindheits-Erinnerungen
„Ich schicke Ihnen zwei Fotos (siehe links) zum Thema ,Hintaus‘. Aufgenommen sind sie im Waldviertel in Hollenbach bei Waidhofen/Thaya, wo ich meine Kindheit auf einem Bauernhof verbringen durfte.
Jetzt wohne ich seit einiger Zeit am Fuße der Burg Kreuzenstein und genieße dort die herrliche Landschaft des Weinviertels“, berichtet
Renate Schmid aus 2100 Leobendorf.

 

Hintaus, ein Geschenk des Dorfes an uns
Johannes Rieder aus Poysdorf, ein treuer Leser unserer Broschüre und ein Aktivist in vielerlei Hinsicht, hat nicht nur unsere „Hintaus-Seiten“ mit seinen Anregungen eröffnet, sondern nun auch weitere Informationen übermittelt, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.
Vielen Dank für die Neueröffnung der Galerie „Hintaus“ in Ihrem ausgezeichneten Magazin. Zur allfälligen Verwendung möchte ich folgende Mosaiksteine beifügen:

Buchempfehlungen:
Rudi Weiß: Hintaus
(Herausgeber und Verleger Stadtgemeinde Mistelbach) www.dieweinviertler.com,
Riedldruck Mistelbach

Alfred Blaim: Scheunen, Höfe, Keller www.galerie.blaim.info
3761 Messern 94

Führungsempfehlungen:
Frau Mag. Marianne Messerer, Volkskundlerin, gestaltet besondere Führungen im Museumsdorf Niedersulz mit sehr viel Bezug auf Hintaus.
www.museumsdorf.at
Tel. 02534/333

 

Hintaus 1
Natur im Dorf/ Weinviertler Museumsdorf Niedersulz, entdeckt am Dachboden des Wultendorfer Hofes, aufgenommen im September 2007

Hintaus ist jener Bereich in den Dörfern, der hinter den Häusern liegt, der nicht von allen einsichtig ist, wo normalerweise keine Gäste hinkommen. Dort werden alle Geräte gelagert, Holzstöße errichtet, Steinhaufen zwischengelagert. Es entsteht eine Sammelsurium an verschiedensten Strukturen. Hier wird kaum pflegend eingegriffen, kein Rasen gemäht, nicht zusammengeräumt. Aber die Strukturen verändern sich wieder, nichts bleibt gleich, denn das Holz wird gebraucht, die Steine ebenso.

Offener Boden bleibt zurück. Verschiedenste Pflanzen können diesen Boden wieder besiedeln. Viele Tiere fühlen sich an diesen lange ungestörten Plätzen wohl. Hühner finden hier besonders viele Käfer und Insekten. Sie scharren den Boden auf, nehmen ein Sandbad. Nichts bleibt gleich, Veränderung ist notwendig, unbeobachtetes Leben entsteht, kommt vor.
Zusammengestellt von Johannes Rieder, Poysdorf

 

Hintaus 2
„Hintaus“ waren die Sommer meiner Kindheit. Ein riesiges Kleefeld zwischen den beiden Wohnsitzen der Kusinen meiner Mutter. „Vorne“ das alte Bauernhaus, „Hinten“ das neue Haus. Dazwischen Paradies. Kriecherlsträucher, die kleine Höhlen bildeten. Eine „Gugahütte“ – eine große, luftige Hütte aus dünnen Holzpfosten zum Trocknen von Kukuruz. Mit Weingartenstecken konnte man Treppen und Geschoße bauen, indem man sie zwischen die Latten der Trennwände steckte. Erdäpfelsäcke waren die Türen, dazwischen fühlten wir uns wie Indianer; Winnteou und Nschotschi auf dem Lande.

Der unter der Hütte liegende Erdäpfelkeller verströmte kühl-erdigen Geruch. Die Hühner pickten im Klee rund um die Hütte und bescherten uns manch unliebsame Überraschung beim Spielen in der Sandkiste. Das Laub der alten Nuss- und Obstbäume spielte im Wind, zur Reifezeit trommelte so manche Frucht auf das Dach.
Das waren Sommer der Fülle und der Freude, jedes Mal starb etwas in mir, wenn wir im Herbst in die Großstadt zurückkehrten. Die Träume meiner Kindheit handelten von den Erlebnissen in diesem Hintaus, im Herbst hallte in ihnen der Sommer nach, im Winter erfüllte sie Sehnsucht und im Frühling Vorfreude.

Das Schöne daran ist, dass es dieses Hintaus immer noch gibt – trotz aller Bestrebungen, diesen Freiraum als Bauland zu gewinnen, haben es die Kusinen meiner Mutter erhalten können. Gepflegter vielleicht, stets gemäht, mit neuen Obstbäumen bestückt, mit einem kleinen Gemüsegarten an der Stadlmauer, wo die Paradeiser besonders gut gedeihen. Und doch immer noch Paradies.
Gudrun Brückl, 2500 Baden.



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