Broschüre „NÖ gestalten“,
Ausgabe 123 (März 2009)

 

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„NÖ gestalten“

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Gartenlust und Gartenfrust
Gedanken einer Gärtnerin

Menschen mit Hang zu Illusionen sind meist liebenswerte Zeitgenossen, und dazu gehören vor allem die Gärtner. Ich glaube, wenn jemand ein Stück Grün am Land besitzt, so hat er auch mit Siebzig noch seine blühenden Träume.

Unbeirrt werkt man so als ehrgeiziger Idealist im eigenen Paradies.

Da wird Giersch ausgegraben, Franzosenkraut und Schachtelhalm, Schnecken werden bei Sonnenaufgang eingesammelt, Maulwurfshügel glatt gerecht, Raupen abgeklaubt. Es wird gefräst, geharkt, gesät und gepflanzt und geschnitten, aufgebunden. Und das alles wiederholt sich im Jahresrhythmus, oft ein Leben lang.
Im Herbst bin ich immer froh, wenn der Rasenmäher endlich im Gerätehaus verschwindet, wenn alles Werkzeug geölt an der Wand hängt, die Nusssäcke zum Trocknen am Dachboden verstaut sind und die Äpfel im Keller duften.
Aber schon im Februar kann ich es kaum erwarten, das Saatkistchen aufzustellen, um die ersten Samen in die Erde zu legen. Im Geschäft gibt es dann auch bereits die neuen bunten Pillenpäckchen von Gemüse und Blumen zu kaufen.

An das Märchen vom pflegeleichten Elysium, wo alles ohne tägliche Zuwendung blüht und gedeiht, wo es kiloweise Erdbeeren und Himbeeren und Kisten mit wurmfreien Äpfeln zu ernten gibt, an diese Mär, glaubt man bald nicht mehr. Das versprechen nur die Bosse der Garten-Center mit ihren wunderschönen Blumen – und Pflanzenkatalogen.

Je nach Veranlagung betet man also zu Petrus um zweimal die Woche milden Regen oder versorgt seine Beete selber mit X Kannen Regenwasser, weil ja die zarten Pflänzchen und die frische Saat keine kalten Wasserstrahlen vertragen.

Dazwischen hofft man natürlich wieder auf den nötigen Sonnenschein, damit Ribisl und Paradeiser auch schön reifen. Man wünscht sich auch einen Marienkäfer-Schwarm, der sich über die Blattläuse der Rosen her macht und lässt auch brav die Brennnesseln in ihrer Ecke blühen, damit die Florfliegen sich zahlreich vermehren und nützlich machen.

So gibt es jeden Tag zu tun im Garten, denn immer macht sich Etliches breit, wo es nicht hingehört, oder es muss etwas ersetzt werden, das mit der Nachbarschaft nicht im Einklang war.
Die Pflanzengesellschaft fordert eben den Ehrgeiz eines Gärtners stets aufs Neue heraus und ist nichts für notorisch Faule. Die körperliche Arbeit an der frischen Luft aber schafft nicht nur ausreichende Bewegung, sie ist auch eine Wohltat für Geist und Seele. Gartenarbeit fördert Kreativität, lehrt Ausdauer und Toleranz, nicht nur an der Natur.

Natürlich schlummern leider auch immer latent die Misserfolge, sie dürfen aber nicht entmutigen.
Des Öfteren habe ich schon mehr gesät als geerntet, ja mich meiner Resultate auch geschämt. Trotz Mischkultur waren an den Karotten die Möhrenfliegen, am Porree die Würmer, die Braunfäule raffte meine Tomaten über Nacht dahin. Oder meine frisch angelegten Petersilzeilen waren plötzlich Katzenklo und ich musste abermals sechs Wochen Keimdauer in Kauf nehmen, bis ich zum ersehnten Würzkraut kam.

Dafür gerieten die Fisolen ausgezeichnet, der Mangold gedieh üppig, Zeller hatte dicke Knollen und Endivien und Vogerlsalat versorgten uns bei milden, winterlichen Temperaturen in der kalten Jahreszeit mit genügend Vitaminen. Und natürlich nicht zu vergessen all die bunten Blumen, welche mit Duft und Farbe das Jahr hindurch unser Herz erfreuen. Und nach neuester Erkenntnis sogar das Immunsystem stärken.

Ich gehe auch gerne bei Regen in den Garten und schaue wie die Tropfen auf die Blätter fallen, oder bei Sonne, wenn das Licht durch das Laub der Bäume dringt und lustige Kringel über den Boden tanzen. Wenn Vogelgezwitscher erklingt, Käfer krabbeln, die Grillen zirpen, und Schmetterlinge auf den Blüten wippen.

Und nicht zu vergessen, der nachbarliche Schwatz am Gartenzaun, wo so Manches bereinigt wird und auch frohe Stimmung schafft.
Im Winter biegen sich Äste und Zweige manchmal unter der Schneelast, die Vögel tummeln sich im Futterhäuschen und die Eichkätzchen hüpfen behände auf das Fensterbrett, um sich ihre Nüsse zu holen.

Das Werden und Vergehen der Natur, im Jahreslauf, nahe beobachten zu können, schenkt Harmonie und Kraft, ist unbezahlbare Lebensqualität.

Liselotte Ostermann

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