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| Broschüre NÖ gestalten,
Ausgabe 125 (August 2009) |
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Die „totale Landschaft“,
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Bauen, und zwar lebensgerecht 1. Teil: Jedes Bauen ist Umbauen Hunderttausende Jahre lebten Menschen auf dieser Erde als nomadisierende Jäger- und Sammlergesellschaften. Sie lebten in sehr geringer Bevölkerungsdichte in Naturlandschaften, in die sie nie massiv gestaltend eingriffen. Ihre Lebensenergien gewannen sie aus Biomasse, also ausschließlich von der Sonne. Diese Lebensweise war – um einen heutigen Begriff zu verwenden – hundertprozentig
nachhaltig. Warum haben die Menschen vor Kurzem (vor etwa 10.000 bis 12.000 Jahren) diese erfolgreiche Lebensweise aufgegeben? Warum sind sie plötzlich sesshaft und Ackerbauern oder Viehzüchter geworden? Ihr Leben ist dadurch ja offensichtlich viel härter, entbehrungsreicher und risikoreicher geworden. Als Bauern mussten sie von früh bis spät arbeiten, Wälder roden, Hänge terrassieren, Sümpfe trockenlegen, Wege bauen, Schädlinge bekämpfen, Felder bearbeiten, feste Gebäude errichten etc. Sie waren von den Launen der Natur viel abhängiger und konnten Konflikte nicht mehr einfach durch Ortswechsel lösen. Die tiefgreifende Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse und der radikale Umbau der Naturlandschaft in eine agrarische Kulturlandschaft waren von niemandem geplant. Obwohl wir hier von einem kulturellen Wandel reden, vollzog sich dieser Prozess wie ein Naturereignis. Die Entwicklung war unumkehrbar, denn agrarische Gesellschaften brachten eine viel höhere Bevölkerungsdichte hervor und die war nur durch die stärkere Kontrolle der energetischen Ressourcen, also durch Landwirtschaft, aufrecht zu erhalten. Trotzdem war auch diese bäuerliche Welt unter den harten Bedingungen eines ständig regulierend wirkenden Ressourcenmangels hundertprozentig nachhaltig, da auch sie ausschließlich von der in Biomasse gespeicherten Energie und damit von der Sonne am Leben erhalten wurde. Warum haben die Menschen gerade erst (vor etwa zweihundert Jahren) diese erfolgreiche Lebensweise weitgehend aufgegeben? Die existenziellen und räumlichen Beschränkungen, an die die bäuerliche Lebensweise ständig stieß, konnten erst durch die Erschließung neuer (fossiler, später auch nuklearer) Energiequellen gesprengt werden. Radikaler Umbau der Lebensräume Ein Symptom dieses Transformationsprozesses ist, dass sich traditionelle räumliche Strukturen unaufhaltsam aufzulösen beginnen. Städte ufern explosionsartig zu grenzenlosen Megacities aus, oder sie werden porös und schrumpfen. Alte Kulturlandschaften werden dem motorisierten Verkehr geopfert und hemmungslos zersiedelt. Wohn-, Arbeits- und Freizeitmilieus verlieren zunehmend ihren räumlichen Zusammenhalt. Auf den hintersten Gletschern wird schrille Urbanität inszeniert. In städtischen Ballungsräumen werden dafür Relikte ehemaliger Wildnisse zu Nationalparks erklärt. Alltagskulturen und Lebensstile geraten entweder lustvoll oder bedrohlich konfliktreich durcheinander. Gift, Müll und Hässlichkeiten Zerknirscht könnte man diagnostizieren, dass die Menschheit noch nie so verantwortungslos ihre existenziellen Ressourcen vergeudet, ihre Energien missbraucht, wertvollste Landschaften irreparabel verschlissen, Unmengen von Gift, Müll und Hässlichkeiten produziert und für die nachfolgenden Generationen tragfähige Brücken in die Zukunft abgebrochen hat, wie gegenwärtig. Erich Raith _ raith nonconform architektur vor ort |
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