Broschüre „NÖ gestalten“,
Ausgabe 126 (November 2009)

 

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„NÖ gestalten“

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ARCHITEKTUR NÖ 
Ein kritischer Dialog

 

 

 

 

Versuch einer Betrachtung der Gegensätze und Gemeinsamkeiten traditioneller und heutiger Architektur

Blickt man in die jüngere Vergangenheit zurück, insbesondere an den Beginn der Aktion NÖ schön erhalten schöner gestalten, so ergeben sich folgende Erkenntnisse:

Zu Beginn haben viele der geschriebenen Beiträge mit angeschlossenem Bildmaterial auf den Wert und die Schönheit der erhaltenen und traditionellen Architektur hingewiesen. Dies führte zu einer breiten Wertschätzung dem tradierten Bestand gegenüber. Gleichzeitig ergab sich für neue Bauaufgaben nicht nur der Wille zur Anpassung an diesen Bestand, sondern auch mehrfach die komplette Nachahmung. Folgerichtig wurden vorerst zweierlei Ziele erreicht: Ein unüberlegter Einsatz von Baggerschaufeln wurde verhindert und andererseits erfolgte mehrfach eine geglückte Anpassung des neuen Bauens an den vorhandenen Bestand.

Daraus erkennt man natürlich, dass eine schlechte Entwicklung der Nachkriegszeit deutlich gebremst wurde, aber umgekehrt eine eigene baukulturelle Entwicklung gedämpft wurde.

Was bewundern wir am Bestand
der traditionellen Architektur?

Die ländliche traditionelle Architektur macht für uns folgende Botschaft ablesbar: Mit einfachen und kargen Mitteln im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten wurden mit einfach verständlichen Formen Häuser und Gehöfte geschaffen, deren konzeptionelle Gestaltung – verbunden mit der Funktionserfüllung – klar erkennbar sind.
Dadurch erweckten diese Architekturbeispiele den Eindruck, mit bescheidenen Mitteln ohne viel Schnick-Schnack ihren Zweck zu erfüllen.
Diese Erkenntnis aus der alten baulichen Wirklichkeit ist es wert, in heutige Zeiten übertragen zu werden.

Damit möchte ich folgendes ausdrücken: Nicht die Nachahmung der traditionellen Architektur, sondern das Beibehalten ihrer Grundsätze, nämlich einfach, klar, funktionell, wirtschaftlich und bescheiden zu gestalten, ist die Botschaft, welche in das Heute übertragen werden soll.

An den gewachsenen Siedlungsstrukturen ist die Einfügung des Einzelnen in das Gesamtkonzept mit engen, aber geordneten Nachbarschaftsverhältnissen erkennbar. Vor allem im pannonischen Siedlungsraum führte dies zum Charakter der geschlossenen Ortsräume, welche ein prägnanter Ausdruck der Einfügung des Einzelnen in eine Gesamtstruktur sind.

Vergleicht man dies mit unseren heute wachsenden Siedlungsstrukturen, welche hauptsächlich in offener Bebauungsweise erfolgen, so erkennt man folgende Defizite:
Einerseits zeigen die einzel stehenden Objekte kaum eine gegenseitige Abstimmung in ihrer Gestaltung.

Andererseits wird durch diese Siedlungsstruktur vermehrt Grund und Boden in Anspruch genommen. Dies führt zu einer gierigen Inanspruchnahme des Grünlandanteils in unserer Kulturlandschaft und zu uferlos wachsenden Ortserweiterungen.

Dichtere Siedlungsformen,
glücklichere Gesamtkompositionen

Daraus ergeben sich folgende Ziele für verantwortungsvolle Raumplaner: Dichtere Siedlungsformen führen selbstverständlich zu vermehrter nachbarschaftlicher Abstimmung und dadurch zu einer gewissen Bescheidenheit, den extravaganten, einzelnen Gestaltungswillen einem gesamten Gestaltungsprinzip unterzuordnen. Diese Bescheidenheit des Einzelnen würde nicht nur zu besseren Gesamtkompositionen führen, sondern auch durch die dichteren Siedlungsformen baulandschonend wirken.

Beide von mir beschriebenen Aspekte zeigen eines: Die Botschaft der Baukultur, welche von unseren Vätern und Großvätern geschaffen wurde, zeigt deutlich die Bescheidenheit des Einzelnen verbunden mit dem Willen der Einfügung. Diese Prinzipien sollten wir erkennen und als Motiv für die Gestaltung einzelner Objekte übernehmen und auch als Leitfaden für künftige Siedlungsgestaltungen heranziehen.

DI Werner Zita

 

 

 

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