Broschüre „NÖ gestalten“,
Ausgabe 126 (November 2009)

 

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„NÖ gestalten“

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NÖ gestalten: Gestaltungswettbewerb: Oberwaltersdorf

NÖ gestalten: Gestaltungswettbewerb: Oberwaltersdorf

NÖ gestalten: Gestaltungswettbewerb: Oberwaltersdorf

Fotos: Atelier Fürtner-Tonn /
Franz Zwickl (www.artgraphic.at)

 

Oberwaltersdorf: Bauen
in sozialer Verantwortung

Wie ein Neubau den Charme eines Innenhofes
bieten kann, zeigt dieses Haus, das „nebenbei“
barrierefrei ausgeführt wurde.

Bei diesem Wohnhaus in Oberwaltersdorf (Bezirk Baden) ist es gelungen, den Planungsprozess für eine flexibles und behindertengerechtes Projekt zu optimieren.

Ein Verzicht auf Keller und Garage (und stattdessen durch ebenerdige Nebengebäude geschlossene Gartenbereiche zu bilden) stellt eine oft kostengünstigere, in jedem Fall aber bequemer zu nutzende Gestaltung dar. Ob bei Kleinkindern, bei Verminderung der Beweglichkeit im Alter oder bei temporärer Mobilitätsbeschränkung – für alle Bewohner bietet eine vollständige Barrierefreiheit große Vorteile.

Innenhof/Gartenhof
Grundgedanke im Planungsablauf war der Schutz der Privatsphäre mit dem Ziel, eine intime Oase der Ruhe und Geborgenheit zu schaffen.
Durch ein frei stehendes Haus wäre der Charme eines Innenhofs jedoch nie zu erreichen. Die optimierte Hofhauslösung hingegen schafft eine klare Trennung zwischen privatem und öffentlichem Raum. Es entstand eine Grün- bzw. Freifläche inmitten eines Hauses, statt eines Hauses inmitten von begrünten Restflächen.

Alle Wohnbereiche bieten barrierefreie Ausgänge in den Innenhof. Ein dem Mikroklima förderlicher und aus therapeutischer Sicht notwendiger Pool begrenzt den Wohnhof zum übrigen Garten hin.
Das Haus in Oberwaltersdorf, einer kleinen Weinbaugemeinde im südlichen Niederösterreich, erfüllt vollkommen die Erwartungen der Nutzer. Schon von außen zeigt die flache Silhouette des terracotta-farbigen Hauses noble, architektonische Zurückhaltung. Die eher geschlossen wirkende Außenfassade bildet einen Kontrast zur Innenhoffassade, die mit großen Schiebe- und Drehtüren versehen ist.

Statt nicht nutzbarem „Abstandsgrün“ verbreitet ein uneinsehbarer Gartenwohnhof Ferienstimmung. Durch laubenartige Bepflanzung mit echtem Wein und verschiedenen Geißblattsorten gewinnt der Außenraum Dreidimensionalität und wirkt wie ein großes Gartenzimmer.

Breite Durchgänge, ebene Zugänge zu allen Bereichen, unterfahrbare Küchen- bzw. Badezimmermöbel sowie große Schrank- und Abstellräume sind selbstverständlich. Wendekreise und Bewegungsflächen für Rollstuhlfahrer wurden großzügig bemessen und die wichtigsten Möbel speziell entworfen.

Der geschwungene hohe
Essraum erscheint sowohl von außen wie auch im Inneren als Zentrum.

Gebogene, sichtbare Leimbinder strukturieren diesen Bereich in seiner Ausrichtung auf den Gartenhof. Der Raum lässt sich zum Innenhof hin vollkommen öffnen und ist gleichermaßen Loggia, Essbereich und Wintergarten – oder auch einfach der Mittelpunkt dieses außergewöhnlichen Hauses.

Küche und Nassräume
Ein von allen Seiten zugänglicher, unterfahrbarer Küchenblock bildet den Mittelpunkt der ansonsten sehr offenen Küche. Die Arbeitsplatte hat nach Art der Goldschmiedewerkbänke eine leichte Einbuchtung, um ein optimales Arbeiten auch im Rollstuhl zu gewährleisten. Anstatt der üblichen Oberkästen wurden mittelhohe Schränke mit leicht erreichbaren Einbaugeräten verwendet. Die Arbeitshöhen der einzelnen Bereiche wurden den individuellen Bedürfnissen angepasst.
Bäder und Sanitärräume sind vollkommen barrierefrei ausgestattet. Abstände, Haltestangen und Ausstattung wurden mit der Bauherrin genauestens erarbeitet.

Besondere Merkmale
• Ein vollkommen barrierefreies Haus mit Garteninnenhof.
• Ein sehr kostengünstiges Einfamilienhaus mit viel Platz, ohne teurem Keller oder Obergeschoß.
• Lebensgerecht anstatt „nur“ behindertengerecht.
• Vermittelt Geborgenheit
anstatt Repräsentation.
• Freiraum inmitten eines Hauses anstatt Haus inmitten einer Freifläche.

Die Planung erfolgte durch das Atelier Fürtner-Tonn, 1010 Wien.

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