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| Broschüre NÖ gestalten,
Ausgabe 127 (März 2010) |
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Luftbild von Obersdorf im Weinviertel. . . Foto: Land NÖ, BEV, 2009
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Bauen, und zwar lebensgerecht 3. Teil: Tradition und Fortschritt In Österreich werden im Durchschnitt 10 bis 12 Hektar Land zu Bau- oder Verkehrsflächen umgewandelt – und zwar täglich! Der rasante Flächenverbrauch ist die direkte Folge einer ständigen Zunahme des Flächenanspruchs pro Person, der Ausdünnung unserer Siedlungsstrukturen und der großräumigen Trennung von Wohn-, Arbeits- und Freizeitmilieus, sowie der Standorte für öffentliche Einrichtungen. Flächenfressende räumliche Entwicklungen wurden erst durch den motorisierten Individualverkehr ermöglicht. Das bedeutet aber auch, dass unsere alltäglichen Lebensprozesse weitgehend vom reibungslosen Funktionieren des KFZ-Verkehrs und damit von der Verfügbarkeit fossiler Energieträger abhängig geworden sind. Durch die Energie- und Umweltkrisen der Gegenwart wächst global der Druck, die Abhängigkeit von fossiler Energie zu überwinden. Dadurch verschärft sich die Herausforderung, unsere Lebensprozesse anders zu organisieren und zwar so, dass sie in Zukunft ohne Kohle, Erdöl (Benzin), Erdgas – und auch möglichst ohne Atomstrom – auskommen. In dieser Situation ist es sehr lohnend, einen Rückblick auf jene vorindustriellen Epochen zu werfen, die ebenfalls – mangels Alternativen – gezwungen waren, mit erneuerbarer Energie, also mit direkt einstrahlender und in Biomasse gespeicherter Sonnenenergie, das Auslangen zu finden. Ein ganz normales Dorf Das geordnete Ensemble der Einzelgehöfte umfasst einen großzügigen Zentralraum, der nicht nur Verkehrsraum, sondern ein komplex funktionierender, identitätsstiftender, „Lebensraum“ für die Dorfgemeinschaft war. Dieser Raum hat mittlerweile die meisten seiner vitalen Funktionen verloren und ist dem fahrenden und ruhenden motorisierten Verkehr geopfert worden. Daher spürt man auch nicht mehr so unmittelbar, wie sehr er durch die prächtigen Alleebäume kleinklimatisch aufgewertet wird (kühler Schatten im Sommer, wärmende Sonneneinstrahlung im Winter). Angesichts dieser präzisen Gestaltungsmaßnahmen mag es zunächst verwundern, dass dieser zentrale öffentliche Raum längs der Hauptwindrichtung ausgerichtet wurde. Die Erklärung liegt wohl in der Anlage der Einzelgehöfte, die dadurch quer zur Windrichtung liegen und deren Wirtschaftstrakte konsequent an jenen Parzellengrenzen angelagert wurden, die dem Wind zugewandt sind. Es ging hier also offensichtlich primär um die mikroklimatische Verbesserung der Innenhöfe. Diese Höfe waren ja für die Familien die zentralen Lebensräume, die so ohne baulichen Mehraufwand wirksam gegen die Außenwelt und auch gegen Einblicke der Nachbarn abgeschirmt werden konnten. Ein anderes Charakteristikum der Ansiedlung ist, dass jede Parzelle eine Front zum repräsentativen öffentlichen Zentralraum des Dorfes und gleichzeitig einen direkten Bezug zur Landschaft hat. Dies war ein Erfordernis der landwirtschaftlichen Funktionsabläufe, stellt aber ein zeitloses und von der Wirtschaftsform unabhängiges Qualitätskriterium von Bebauungs- Vorbild oder Auslaufmodell? Es gab eben keinen Überfluss an (fossilen) Energien, mit dem man räumliche Fehlentwicklungen abfangen und ihre Konsequenzen langfristig vertuschen konnte. Erich Raith _ raith nonconform architektur vor ort
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