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NÖ Gestalte(n) Ausgabe 139

BAUJUWELE h IN NIEDRÖSTERREICH * 14 GESTALTE(N) Das historische Kerngebäude wurde bei der Erweiterung in den 1970er Jahren ebenso wenig angetastet wie durch den Anbau aus dem Jahr 2001 von archisphere und Superreal. Doch zurück zur Geschichte des Hauses, die man u.a. bei Nicola Hirner in einem Aufsatz für die Zeit- schri „Hintergrund“ (2009) nachlesen kann. Der Wienerwald war in der Zwischenkriegszeit zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der WienerInnen avanciert. Als Naherholungsgebiet für die Sommerfrische, aber auch für den beginnenden Winter- und Skitourismus etablierte sich die hügelige Landscha im Westen der Bundeshauptstadt für bürgerliche Schichten zunehmend. Baronin Maria Bach, ihres Zeichens Komponistin, hatte Anfang der 1930 er Jahre die Idee, die Gastwirtscha im ehemaligen Forsthaus ihrer Besitzungen zu einem Luxushotel umzuwandeln. Ein Baumeister begann mit den Arbeiten, die glücklos endeten. Das heutige Aussehen geht auf den Entwurf des jungen Eugen Wörle (1909– 1996) zurück, der den Aurag in Kooperation mit Max Fellerer 1931/1932 realisierte: eines ihrer ersten großen gemeinsamen Bauvorhaben, denen Projekte in Wien wie das Freibad „Gänse- häufel“ oder das alte Haas-Haus folgen sollten. Hochzeiten gebucht. Auch der Zimmertrakt mit den eleganten Balkonen ist nahezu originalgetreu erhalten. Die Zimmer wurden in alten Zeiten vom Gang aus beheizt. Die Schornsteine geben bis heute dem Haus sein charakteristisches Aussehen. Friedrich Bläuel steht immer noch im Betrieb und leitet mit Sohn Frank, dessen Gattin Ingrid und Enkeltochter Linda die Geschicke des Hauses, nimmt sich Zeit für seine Gäste und er hat viel zu erzählen: etwa dass 1937 das letzte Treffen der Militärattachés vor dem Zweiten Weltkrieg im Speisesaal stattfand, wie seine Familie unter der sowjetischen Besatzung in heiklen Verhandlungen agierte, damit das Haus nicht beschlagnahmt wurde, und von jener Zeit, als die ersten Touristen aus dem Ausland wieder begannen, nach Österreich zu kommen. Die Betreiber des Hotels Tulbingerkogel haben die nahe gelegene Aussichtswarte, die in den 1960er Jahren von Clemens Holzmeister ent- worfen wurde, initiiert, denn die alte hölzerne war 1945 abgetragen worden. So hat sich das Haus in die Geschichte der Gegend eingeschrieben und steht zugleich mit seinem hellen Baukörper für Zeitlosigkeit als Qualitätskriterium. Theresia Hauenfels Als „Berghotel“ angelegt, zeigt sich das Haus mondän und grei zugleich Lokalkolorit auf. Clemens Holzmeister, dessen Schüler Eugen Wörle gewesen war und der selbst gerngesehener Gast im Hotel war, machte Hotelier Friedrich Bläuel, der selbst bis zum Ende des ersten Ab- schnitts Architektur studiert hatte, eindringlich auf die Qualitäten des Bauwerks aufmerksam und bat ihn, am Bestand nichts zu ändern. 1951 übernahm seine Familie das Hotel von der Baronin gegen Leibrente und verlieh dem Haus jenen Glanz, der es für viele berühmte Kultur- schaffende – von Friedrich Torberg bis hin zu Roland Rainer – so interessant machte. In einer Galerie auf dem Weg zum Speisesaal findet man ebenso Widmungen des Komponisten der Carmina Burana Carl Orff bis hin zu Gustav Peichl alias Ironimus. Wer das Restaurant besucht, das mit Ausnahme der Möblierung und der hölzernen Wandvertäfelung noch im Original erhalten ist, kann neben dem feinen Essen durch gläserne Schiebetüren die wunder- bare Aussicht auf die Landscha mit offenem Übergang zur Terrasse genießen. Bis hin zu den ursprünglichen Beschlägen spürt man den Geist der Geschichte. Direkt über dem Speisesaal liegt ein weiterer Saal, rundum verglast und gerne für TULBINGERKOGEL, BERGHOTEL Die Geschichte des Hotels Tulbingerkogel zeigt, wie das Miteinander unterschiedlicher Bauphasen, aber auch Generationen heute noch funktionieren kann. www.tulbingerkogel.at Photographie, Uwe Hauenfels

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