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NÖ Gestalte(n) Ausgabe 139

21 Dialog zwischen Alt und Neu DasEisenhuthausinPoysdorfistein2-geschossiger traufständiger Bau und wurde um 1540 laut Chronik zu der jetzigen Form mit den hofseitigen Arkaden-Gängen erweitert. Die Ursprünge des Ensembles gehen bis ins 13.Jh zurück wie in der Eisgrube noch erlebbar. Wir Architekten waren für den gesamten Projektablauf „Eisenhuthaus“ Quereinsteiger. Wolfgang Rieder beschäigte sich bereits fast 3 Jahre mit der Sanierung des dem Verfall preis- gegebenen ehemals geschlossenen Wirtschas- hofs. Er hat mit beispielhaer Konsequenz bis zum Frühsommer 2011 bereits fast zur Gänze die historische Bausubstanz statisch ertüchtigt und benötigte ehe baldigst ein ausführungsreifes Konzept für den Neubau. Die Aufgabenstellung für uns Architekten war den südseitigen ruinösen Scheunentrakt durch einen Neubau zu ersetzen um zum Oberen Hauptplatz die fürs Zentrum typische Straßen- randbebauung wieder herzustellen, mit den Funktionen Weincafé im Erdgeschoss und Gästezimmer im Obergeschoss. Es lagen bereits Projekte vor, Wolfgang Rieder wollte jedoch noch weitere Ideen und so ent- wickelten wir im Juni 2011 kurzfristig einen Vorentwurf und erhielten den Zuschlag. Wir konnten als einziges Team entsprechend den Qualitäts-Standards für Genießer Zimmer 4 Genießer-Zimmer im Obergeschoss ohne zusätzliches Stiegenhaus einplanen, natürlich unterderEinhaltungallerbehördlichenVorgaben und Bestimmungen. Die dienenden Räume der Gastronomie konnten alle im Erdgeschoss des Bestandes unterge- bracht werden und so blieb der strassenseitige Neubau im Erdgeschoss als Großraum erhalten. Der Bauherr hatte die Größe einen Dialog zwischen Alt und Neu zuzulassen, eine histori- sierende Lösung wie heute auch noch vielerorts üblich lehnte Wolfgang Rieder kategorisch ab und traf somit völlig unsere Haltung. Er ließ uns ein „Ding“ entwickeln das im Maß- stab, in den Proportionen und in der Materiali- tät mit dem Bestand einen spannenden Dialog aufnehmen kann. Zu der ruhenden klassischen Arkadenfassade erzielt durch ein ausgewogenes Spiel zwischen tragenden geziegelten Mauerwerks-Pfeiler und gewölbten Öffnungen mussten wir etwas schaffen dasnichtinKonkurrenzzudieserinsichruhenden Konstruktion steht. Wir übernahmen die Baumasse eines histori- schen Satteldachhauses in der im Weinviertel üblichen Dimensionen. Die Aufständerung der traditionellen Baumasse durch eine minimali- stischeStahlkonstruktionwardieZielanforderung für ein völlig transparentes Erdgeschoss um den Einblick von der Straße in den Innenhof zu ermöglichen. Die spielerische Anordnung der beiden Stüt- zenreihen folgt einen Rhythmus von Verdichtung und Öffnen entsprechend den unterschiedlichen Gebäudefunktionen im Erdgeschoss wie Durch- gang, Eingang und Fixverglasung und löst sich völlig vom regelmäßigen Achsraster der historischen Arkaden-Reihen. Der Arkadenhof des denkmalgeschützten Eisen- huthauses wird durch die transparente Gebäude- hülle an den Oberen Markt angebunden und bleibt für die Öffentlichkeit erlebbar. Als 2. wesentliches Gestaltungsziel strebten wir an die bestehende Traufe vom Eisenhuthaus zu über- nehmen also auch für den Neubau einzuhalten. Wir wollten unbedingt das Neue Gebäude in gleicher Augenhöhe zum Altbau präsentieren und das „Alte“ in keinen Fall überragen, ebenso stellten wir das Neue Haus auf die gleiche Basis wie den Bestand und erhielten durch die tiefe Lage 3 Stufen hinauf zum Gehsteig. Der Gewölberaum im EG war für die Gastro- nomie ungeeignet, nur durch einen höheren Neubauteil konnten wir die behördliche Genehmigung erwirken. Diesen Höhenverlust mussten wir im Oberge- schoss kompensieren. Durch die Vergrößerung der Fenster in die Dachfläche konnten wir die Raumhöhe im Fassadenbereich minimieren ohne den Raum- eindruck zu beschränken. Konsequenter Weise ließen wir den gesamten DachraumsichtbarumauchdashistorischeSattel- dach-Volumen raumseitig erlebbar zu machen. Die schuppige Außenhaut der Blechrauten bildet auch den inneren Gebäudeabschluss. Das große Raumvolumen ist in jedem Genießer- Zimmer erlebbar und gibt dem Zimmer durch die Symmetrie der Dachform Geborgenheit und Ruhe. Jedes Zimmer erhielt ein unterschiedli- ches ema abgeleitet von den differenzierten Landschasbildern und Jahreszeiten im Wein- viertel wie Kornfeld, Waldlichtung, Feuerstelle, Eiskristall und Beerenzimmer. Architekt PeterWaldbauer * GESTALTE(N)

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