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NÖ Gestalte(n) Ausgabe 139

GESTALTE(N) 23 Architektur 2 Faszinierend, wie der Wagram einst zustande kam. Während der letzten Eiszeit hatte sich hier Flugsand angelagert, der im Laufe von Jahrtausenden mehr und mehr wurde und schließlich eine eigene Sedimentschicht bildete, den so genannten Löss. Als sich das Eis vor rund 10.000 Jahren zurückzog, hinterließ es eine Geländekante, die bis heute das Gebiet nördlich der Donau in zwei Ebenen reißt. Für die einen mögen metertiefe Abgründe abgrundtief fürchterlich sein, für die anderen jedoch bieten sie sich als waghalsig interessantes Bauland an, von dem sie die Finger nicht lassen können. So geschehen in Kirchberg am Wagram. Exakt auf der Lösskante balanciert, wie von Geisterhand gehalten, die neue Gebietsvinothek der Wiener Architekten gerner°gerner plus. Als hätten sie aus dem sandigen Löss einen Kristall geschür, haben sie eine schiefwinkelige, grünlich schimmernde Glasbox geschaffen, die vorne und hinten schroff über das Gelände ragt. Ein Fund aus der Eiszeit. Nicht aus der letzten, sondern schon aus der nächsten. Über eine lange Rampe, die bereits am Parkplatz anzusteigen beginnt, nähert man sich der neuen Gebietsvinothek, die im Herbst 2009 eröffnet wurde. 54 Winzer aus dem Wagram haben sich zusammengeschlossen, um hier unter einem gemeinsamen Dach ihre besten Flaschen auszu- stellen und zum Verkauf anzubieten. Und weil man den Geschmack von 54 Winzern nur schwierig unter einen Hut bringen kann, sind Andreas und Gerda Maria Gerner dazu übergegangen, ein überaus schlichtes Händchen walten zu lassen. Ein gutes Motto in der zeitgenössischen Architektur. Die Besucherinnen und Besucher gelangen, vorbei am Büro, direkt in den Verkostungsraum. Cremige und erdige Farben sowie edle Materialien prägen diesen lichtdurchfluteten und großzügig verglasten Raum. Dunkle Nuss, helles Leder, feines Essen. Und natürlich guter Wein. Die Choreografie lädt zu einem ersten Spaziergang entlang der Glasfassaden ein. Der Ausblick reicht über die Geländekante hinweg bis in des Nachbars Garten, wo eine Rebenreihe neben der anderen lössgenährte Trauben trägt. Wie das Rohprodukt von den unterschiedlichen Weinbauern dieser Region verarbeitet wird, lässt sich, mit allen Sinnen und einem großen Glas in der Hand, an der Bar erfahren. Alle angebotenen Weine sind außerdem in der Vitrine an der Rückwand ausgestellt. Zwei von jedem Winzer, 108 sind’s insgesamt. Für die nötige Abkühlung zwischen dem Riesling und dem Grünen Veltliner sorgt eine stufenlos angeschlossene Terrasse mit Blick in die Baumkronen. Wojciech Czaja WERITAS, KRISTALL IM LÖSS Die Gebietsvinothek in Kirchberg am Wagram In die Landschaft gelegt von gerner°gerner plus /arch.di andreas gerner zt gmbh

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