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NÖ Gestalte(n) Ausgabe 139

Diesem Tag entspricht die Orientierung Lang haus, die auch dem Achsenkreuz der Stadtpla- nung zugrunde liegt. Als Anhaltspunkt für das Orientierungs- bzw. Gründungsjahr gilt der Tauschvertrag von Mautern, der im Jahre 1137 zwischen Markgraf Leopold IV. und Bischof Reginmar von Passau geschlossen wurde. Der 26. Dezember 1137 ist ein Sonntag, ebenso wie derOrientierungstagdesChoresam2.Jänner1138. Das Stift Heiligenkreuz ist eine Gründung von Markgraf Leopold III. dem Heiligen. Im romanischen Gründungsbau der Stiskirche (Patrozinium Mariä Himmelfahrt) konnte ein Achsknick nachgewiesen werden. Dieser ist durch die Anlage des gotischen Hallenchores augenscheinlich verschwunden, weil er in der Achse Langhaus ausgeführt wurde. Als Orien- tierungstage der Stiskirche konnten für das Langhaus der Palmsonntag (19.März) und für den Chor der Ostersonntag (26.März) des Jahres 1133 erforscht werden, was bedeutet, dass in ihr die Karwoche mit der Passion Christi verewigt ist. Die Stiftskirche Göttweig (Patrozinium Mariä Himmelfahrt) wurde von Bischof Alt- mann aus Passau gegründet. Wie in Heiligen- kreuz wurde auch hier der romanische Chor abgebrochen und durch einen gotischen Chor in der Achse Langhaus ersetzt. Die astronomi- sche Untersuchung hat für die Stiskirche das Gründungsjahr 1072 ergeben. Der Orientie- rungstag Chor entspricht dem 4.Fastensonntag am 18.März, kurz vor Ostern (Abb. 5). Dieser wurde vielleicht deshalb so gewählt, weil man zu Ostern den Grundstein legen wollte. Auch bei kleinen Kirchen, wie z.B. der Rund- kirche von Scheiblingkirchen, NÖ, oder der Wallfahrtskirche Maria Kirchbüchl in HöfleinanderHohenWand,konntenbesondere Orientierungstage nachgewiesen werden. In Scheiblingkirchen entspricht der Orientierungs- tag dem Patroziniumstag Maria Magdalena (22. Juli), an dem heute noch der „Kirtag“ (Kirchtag) gefeiert wird. Eine Voruntersuchung über die Orientierung der Wallfahrtkirche Maria Kirchbüchl hat den 2. Februar, das alte Fest Maria Lichtmess, ergeben, das dort im Laufe der Zeit in Vergessenheit geriet. Bei den Orientierungstagen sind viele Kombi- nationen möglich, aber das Grundprinzip der Steigerung der Heiligkeit bleibt grundsätzlich verbindlich. Der Kirchenpatron ist eher selten mit einem Orientierungstag verknüp, sein Tag ist jener der Kirchweihe. Während das Wissen über die Orientierungstage verloren ging, sind die Tage der Grundsteinlegung und der Weihe gelegentlich Gegenstand schrilicher Quellen. Ein umfangreiches Kollektiv für die Forschung nach dem Achsknick sind nicht nur die Dome, sondern auch die Kirchen auf dem Lande. In Landstrichen mit höherem Wohlstand wurden alte Kirchen häufig durch Neubauten (insbe- sondere in der Barockzeit) ersetzt und auf diese Weise Informationen über das Gründungsda- tum der Kirchen zerstört. Ganz gleich, ob wir uns in Südtirol (Dom zu Brixen), der Schweiz (St. Pierre in Genf), in Frankreich (Mont St. Michel), in England (Southwark Cathedral in London), in Deutsch- land (Kaiserdom zu Speyer, Dom zu Passau) oder in Österreich befinden, tritt uns bei sorgfältiger Betrachtung mittelalterlicher Kirchen der Achsknick häufig entgegen. Prof.DI Dr.techn.Erwin reidinger Mehr darüber können Sie auf der Homepage des Verfassers erfahren http://erwin-reidinger.heimat.eu/ * 47 Stiftskirche Göttweig 1072 Rekonstruktion der romanischen Anlage mit Orientierungstagen Erwin Reidinger GESTALTE(N) Abb.5

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