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NÖ Gestalte(n) Ausgabe 139

häufig bei bescheiden dimensionierten Häusern und auch bei den engen Garten- und Abstandsflächen rundherum jede Chance gesucht wird, um karikaturha Formen alter herrschalicher Villen nachzuahmen? Neubewertungen Es scheint jedenfalls dringend geboten in baukulturellen Grundfragen nicht nur über alle Sachargumente, sondern auch über jene Aspekte zu diskutieren, die den Symbolcharakter und die Bedeutungsebenen von Bau- und Siedlungsformen ausmachen. Neubewertungen sind ja gut möglich. Auch Politiker lassen sich heute lieber auf einem Fahrrad fotografieren um zeitgemäß Fitness, Umweltbewusstsein und Fortschrittlichkeit zu demonstrieren, als im Fond schwerer, benzinfressender Limousinen. Das Bild „Fahrrad“ bedeutet längst nicht mehr „arm“, und das Bild „Limousine“ längst nicht mehr „Respekt“. Strategien der Repräsentation und die Inter- pretation von Erscheinungsbildern können sich in unserer schnelllebigen Zeit ganz rasch ändern. Das sollte man bedenken, wenn man die Gestaltung langlebiger Objekte vordergründig auf eine bestimmte imagebildende Außenwirkung ausrichtet. # DIE SERIE WIRD FORTGESETZT Das Haus im Dorf ... Wenn wir uns heute die Siedlungsentwicklungen im flachen Land anschauen, wird sofort klar, dass die flächenaufwendigen ausgedünnten Einfamilienhausstrukturen nichts mit den traditionellen Formen z.B. der Anger- oder Straßendörfer zu tun haben, die durch eine bestechende Flächen- und Nutzungseffizienz charakterisiert waren. Es gab auch hand- feste Gründe, warum die traditionellen Lebensräume in allen Bereichen von Raum- und Hoildungen geprägt waren. (Der bedeutende Architekt Viktor Hufnagel hat einmal sinngemäß aufgelistet: Bauernhöfe, Wohnhöfe, Gewerbehöfe, Gasthöfe, Pfarrhöfe, klosterhöfe, sogar der kaiser hatte sei- nen Hof – und am Ende landete man auf dem Friedhof ...) Sind die über- zeugenden Qualitäten und Vorteile kompakter und raumbildender Siedlungsstrukturen plötzlich irrelevant geworden? Keineswegs! Allerdings scheint in unserer prestigeorientierten Gesellscha wenig Lust zu bestehen, mit dem Bau eines neuen Hauses eine Tradition fortzusetzen, die in erster Linie mit dem harten bäuerlichen Leben vorindustrieller Zeiten in Verbindung gebracht werden kann. ... oder die Villa im Park Da tritt man schon lieber in die Fußstapfen jener herrschalichen Gesell- schasschicht, die privilegiert in freistehenden Prunkbauten residierte. Besonders attraktive Entwicklungslinien scheinen diesbezüglich ins Italien der Renaissance zu führen. Nachdem der lukrative Seehandel Venedigs durch die Eroberung Konstantinopels durch die Türken Ende des 15. Jahrhunderts schwere Rückschläge erlitten hatte, begannen sich die reichsten Familien der Lagunenstadt plötzlich für das sumpfige Hinterland und für Landwirtscha zu interessieren. In der Folge ließen sie sich dort von genialen „Stararchitekten“ – allen voran Andrea Palladio – großartige Villen errichten, die vor allem dafür geeignet waren, in sicherer Distanz zu harter Arbeit grandiose Feste zu feiern, zu repräsentieren und den Ausblick in eine möglichst „ideale“ Kulturlandscha zu genießen. Die malerischen Silhouetten ärmlicher Bauerndörfer waren da durchaus geschätzte Bereicherungen der präzise in Szene gesetzten Landschasbilder, genauso, wie schnurgerade Achsen und Alleen, die von den Villen ausge- hend möglichst bis an die Horizonte reichen sollten. Diese Villen- und Parkanlagen sind wohl immer noch die prestigeträchtigsten Vorbilder für viele freistehende Einfamilienhäuser unserer Zeit – und für so manchen schwer verschuldeten Häuslbauer. Wie sonst wäre es zu erklären, dass so 57 erich raith_raith nonconform architektur vor ort Arch.DI Dr. Erich Raith ist Ao.Univ.Prof. am Institut für Städtebau, Landschasarchitektur und Entwerfen, Fachbereich Städtebau, an der TUWien * GESTALTE(N)

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