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NÖ Gestalte(n) Ausgabe 139

60 GESTALTE(N) LESERBRIEFE Betreff: Gedanken eines Ex-Häuslbauers Sehr geschätztes Redaktionsteam von „NÖ gestalten“, ich habe eben in meinem Ordner nachgesehen: seit der Nr. 40 (10 Jahre NÖ schön erhalten – schöner gestalten, vom Oktober 1991) lese und sammle ich nun schon die wirklich ausgezeichnete Broschüre. Alles was Bauen und Wohnen ausmacht findet darin Platz, eine Schatztruhe für Häuslbauer und Ex-Häuslbauer so wie ich einer bin/war. Und doch habe ich es einige Male bedauert, nicht schon mit den ersten Nummern „Bekanntschaft“ gemacht zu haben. Warum? Als Junger und Unerfahrener fühlte ich mich dem örtlichen Baumeister – so zu sagen dem „Platzhirschen“, der „uneingeschränkten Autorität“ in Sachen Bauen – in den frühen 80er Jahren ausgeliefert. Was mir nicht mein Vater, ein weiterer „Bauexperte“- weil ja selber auch einmal Häuslbauer, einzureden versuchte, wurde mir vom Baumeister als unverzichtbar in den ersten Bauplanentwurf hineinreklamiert („ … das hat man heutzutage“): Zwei geschoßig plus Vollkeller, max. Ausschöpfung der gef. Wohnnutzfläche („die Kinder, man kann ja nicht wissen“), also möglichst „groß bauen“ damit möglichst viel Baumaterial anfällt – Fragen wie Ortsbild, Ausrichtung und zukunftsorientiertes Bauen waren a priori kein Thema. Damals begann ich mich intensiver mit der Thematik zu beschäftigen und habe aus heutiger Sicht viele unnötige ‚musts’ (aber leider nicht alle) in der Umsetzung der Bauplanung gestrichen. Heute weiß ich: da gibt es ja noch einen anderen Fachmann - den Architekten (wusste ich auch schon damals, aber „viel zu teuer“, „verrückte Ideen“ – „woher nehmen?“). Vor meiner „Althaussanierung“ habe ich einen Architekten kontaktiert und es war gut so! Jetzt zu meinem Problem: Wenn ich mich heute in meiner Heimatgemeinde umsehe, dann habe ich den Eindruck, die letzten Jahre „NÖ schöner gestalten“ sind (und ich fürchte nicht nur bei uns) an der Region achtlos vorübergegangen: Wohl keines das in den letzten Jahren entstandenen Wohnhäuser würde es verdienen, in Ihrer Broschüre Beachtung zu finden. Denn noch immer definiert der „Platzhirsch“ uneingeschränkt den „Baustil“, noch immer wird „zu groß“ gebaut, noch immer wird hemmungslos zersiedelt, noch immer werden übergroße Bauparzellen angeboten – ist das Bauland zu billig? Wessen Schuld ist es: Die des Baumeisters? – Wohl eher nicht. Die des Bürgermeisters, der die oberste Baubehörde im Dorf ist? - Doch auch nicht. Der Architektenvereinigung? - Weiß ich nicht. Die der Bauverordnung, der gesetzlichen Baubestimmungen? - Das zu verneinen tu ich mir schon schwer. Was ich mir wünsche: Dass der private Wohnbau auch in NÖ auf „professionellere Beine“ gestellt wird (ich war schon einige Male in Vorarlberg …) und danach jede einzelne Ausgabe von „NÖ gestalten“ nicht nur von wenigen herausragenden Architektenhäusern geziert wird, sondern wegen des großartigen Überangebotes mehrere hundert Seiten umfassen müsste. Ein nachdenklicher, an Architektur interessierter, aber durchaus optimistisch in die Zukunft blickender Franz Marek

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