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NÖ Gestalte(n) Ausgabe 140

16 GESTALTE(N) Der Name des Barockmalers Paul Troger (1698 – 1762) ist aufs engste mit dem niederösterreichischen Sti Altenburg verbunden. Fast sein ganzes Schaffen blieb der Südtiroler Künstler dem Kloster und seinem Abt, Placidus Much, verbunden – in den Jahren von 1732 bis 1752 entstanden insgesamt zehn Deckenfresken in und für Altenburg. Auch für die künstlerische Entwicklung Trogers war die Zusammen- arbeit bedeutsam, denn die vom Altenburger Prälaten in Auftrag gegebenen Themen waren alles andere als anspruchslos. War den Verantwortlichen für die Klosterbaustelle – dem federführenden Abt wie dem umsetzenden Künstler – klar, dass sie dabei waren, eines der bedeutendsten Ensembles zu schaffen, das die Barockkunst in Mitteleuropa kennt? Im Unterschied zu den großartigen Klosterpalästen von Melk, Klosterneuburg oder Göttweig wollte Abt Placidus nicht einen „Triumph des Glaubens“ in Szene gesetzt wissen. Angesichts der tief- greifenden Veränderungen, die seit 1600 vor sich gegangen waren, stellte sich ihm die Frage, wie sich Glaube und Wissenscha zueinan- der verhalten sollen. Gewaltiges hatte sich im Jahrhundert vor 1730 gewandelt: Durch die Forschungsergebnisse der Wissenscha sah man plötzlich die Welt in neuem Licht, etwa durch die eorien von Kopernikus und Galilei, zugleich büßten die Konfessionen, die im 30-jährigen Krieg gegeneinander in die Schlacht gezogen waren, ihren Anspruch auf Erkenntnis der Welt ein. Eine Entwicklung zeichnete sich ab, die in das vernunbetonte Zeitalter der Aulärung führen sollte – einem Zeitalter, das die Religion nur mehr als moralische Instanz erlauben wollte. Vor diesem Hintergrund entstanden Trogers Fresken in Altenburg, die Visionen der Geheimen Offenbarung in der Kirche, der Triumph des Apollo, der Besuch der Königin von Saba. Mit diesen Bildern – eigentlich riesigen Bilderrätseln! – sollten zwei miteinander verbundene emen zum Ausdruck gebracht werden: Gott wird Mensch, er offenbart sich aus Liebe allen Menschen. (Der einfache wie große Satz ist eine formale Kriegserklärung an die gehässige Religions- politik des 18. Jahrhunderts). Und: Glaube und Wissenschaft führen als zwei unterschiedliche Erklärungsmodelle zur Wahrheit. Weder kann die Wissenscha den Menschen zu einem Wesen ohne spirituelle Erkenntnis degradieren, noch soll die Religion den For- schungsdrang und die Erkenntnismöglichkeit des Menschen behin- dern oder zensurieren. Im Unterschied zu den Gelehrten der Aulärung sieht dabei das geistige Konzept der Fresken Trogers nicht die Toleranz als Bindeglied zwischen den beiden Systemen von Religion und Wissenscha, vielmehr fordert es zu gottgeschenkter Liebe als vermittelnder Instanz auf. Die Deckenfresken Paul Trogers, die heute noch mit ungebrochener Farbenpracht in ihren Bann schlagen, sind Ausdruck einer Um- bruchszeit, einer Epoche am Schritt in die Moderne. Sie geben Zeugnis von der lebendigen Geisteskultur, die die Klöster des 18. Jahr- hunderts zu vertreten wussten – ein bedeutender Aurag auch an unsere Gegenwart! * Mag. Andreas Gamerith ist Kunsthistoriker und forscht auf dem Gebiet der „Barockmalerei in Österreich“. Als wissenschaftlicher Kurator entwickelte er das Vermittlungskonzept „Spurensuche durch die Bilderwelt von Stift Altenburg“, das in den Jahren 2012 und 2013 den Maler Paul Troger in den Fokus rückt. PAULTROGER UND ALTENBURG Von Andreas Gamerith* Photographie,DieterSchewig *

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