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NÖ Gestalte(n) Ausgabe 140

Menschen zusammenrücken und in urbanen Ballungsräumen leben müssen. Der Begriff „Dichte“ darf aber nicht auf eine bloß immobilien- wirtschalich definierte „Bebauungsdichte“ reduziert werden. Entschei- dender als das bloße Zusammendrängen und Übereinandertürmen von Baukubaturen sind in diesem Zusammenhang nämlich Aspekte wie Nutzungsdichte und Nutzungsmischung. Es geht primär um die Schaffung wesentlicher Voraussetzungen für die Entwicklung lokaler Ökonomien und um die Reduktion von Zwangsmobilität und Massen- transport. Auch Komponenten der Garten- und Landwirtscha werden in kompakten Ballungsräumen eine Verdichtung erfahren und entspre- chend intensiviert werden müssen („urban farming“ etc.). Es müssten sich jedenfalls vitale, vielgestaltige und mehrdeutige Lebensräume entwickeln, die mit traditionellen Begriffen wie „Stadt“ oder „Land“ wohl nicht mehr treffend charakterisiert werden können. Die Energielandschaft Wenn der gesellschaliche Energiebedarf nicht mehr problemlos durch jene Energie abgedeckt werden kann, die aus dem Erdinneren oder aus herkömmlichen Atomkrawerken kommt, wird mit großer Konsequenz aufregenerierbareEnergieträger–unddasheisstletztendlich:aufSonnen- energie – zugegriffen werden müssen. Damit hat die Menschheit viel Erfahrung. Auf diese Energieträger in Form von Biomasse, Wasser- oder WindkrawarmanbisinsIndustriezeitalterjaausschließlichangewiesen. Hat man mit ihnen nicht das Auslangen gefunden, waren die elemen- tarstenLebensgrundlageninFragegestellt.DenerbarmungslosenZwängen des solaren Energiesystems mussten auch die Gestaltungen der Lebens- räume, der Kulturlandschaen, Siedlungen und Baulichkeiten strikt unterworfen werden. So stehen hinter den von uns als „schön“ und „romantisch“ erlebten traditionellen Landschasbildern die strengen Gesetze der Ressourcen- und Flächeneffizienz. Eine weitreichende Umstellung auf regenerierbare Energieträger wird daher wieder dazu führen müssen, dass die Erdoberfläche konsequent zu einer „Energielandscha“ umgebaut wird. Nur wird damit nicht mehr einetraditionellebäuerlicheKulturlandschagemeintsein,weiltechnische Strategien der Energiegewinnung (Windräder, Photovoltaik etc.) ener- getisch effizienter eingesetzt werden können als Biomasse allein. Verschiedene Aspekte der Flächennutzung werden unter diesen Bedingungen in Konkurrenz und auch in Konflikt geraten (Flächen für die Landwirtscha, Siedlungsflächen, Flächen zur Energiegewinnung etc.). Dies wird zu einem viel bewussteren und verantwortungsvolleren Umgang mit den Flächenressourcen führen. Andererseits werden Flächen, die heute für „Luxus“ (Freizeit, Tourismus etc.) bereitgestellt werden, oder sogar großräumige Naturschutzgebiete, die man in Zeiten sprudelnder Ölquellen nicht den Logiken der Energiegewinnung unter- werfen musste, wieder zunehmend unter Verwertungsdruck geraten. Nach der Naturlandscha, durch die unsere steinzeitlichen Vorfahren als Jäger und Sammler gestrei sind, der Agrikulturlandscha, die von ortsansässigen bäuerlichen Gesellschaen hart bearbeitet werden musste, der Industrielandscha, die von Landflucht und Verstädterung geprägt war und nach der heute existierenden, flächig zersiedelten Landscha, die wir bei Stau in Ruhe durch die Windschutzscheiben unserer Autos studieren können, kündigt sich ein neuer Typ von Landscha an: die ressourceneffiziente Energielandscha. Optimistisch-pessimistisch ist bei diesem Szenario zu erwarten, dass sich viele der uns vertrauten Land- schas-undOrtsbilderunterdemDruckeinesgrenzwertigangespannten Energiehaushalts radikal verändern werden. Das wird nicht allen gefallen. Andererseits wird eine Aufwertung des Faktors Fläche und der Zwang zu einem intelligenteren Umgang mit unseren räumlichen Ressourcen wieder Strukturen begünstigen, die komplexer, lebensge- rechter, entwicklungsfähiger und schöner sein werden, als jene, die unsere gegenwärtige Planungs- und Baupraxis weitgehend prägen. 53GESTALTE(N) Erich Raith_raith nonconform architektur vor ort Arch.DI Dr. Erich Raith ist Ao.Univ.Prof. am Institut für Städtebau, Landschasarchitektur und Entwerfen, Fachbereich Städtebau, an der TUWien *

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