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Ein neuer Anfang Der Lehmbau als Massenbauweise endete, als durch den Eisenbahnbau fossile Energie (Kohle) für das Brennen von Ziegeln kosten- günstig wurde. Ab 1900 begann dann diese riesige, historische Bausubstanz unbemerkt zu verkommen und zu verschwinden. Eine Hauptursache war (und ist es leider bis heute), dass man begann, moderne Baustoffe und -methoden in bauphysikalisch ungeeigneter Weise zur Sanierung dieser Altbauten einzu- setzen. Die „Kaputtsanierungen“ und massen- haer, unnötiger Abriss waren die Folge. Mit spezieller Bauberatung versucht „Niederöster- reich GESTALTE(N)“seit Jahrzehnten, auch diesem Prozess entgegenzuwirken. Seit den 1980er Jahren gibt es wieder eine be- scheidene Renaissance des Lehmbaus, zumeist nur in Form von Lehmputz auf den Innenwän- den moderner Häuser aller Bauarten. 17GESTALTE(N) 13GESTALTE(N) Bis dahin war ja die „Herrscha“ nach altem Herkommen verpflichtet gewesen, ihren Un- tertanen das nötige Holz zum Hausbau kostenlos zur Verfügung zu stellen. Durch den neuen Erlass konnte die Obrigkeit die zugeteilte Holzmenge stark verringern. Das bewirkte im 18. Jahrhundert das Ende der alten Lehm- Holzblockbauweise. Diese wurde abgelöst von dem mit Lehmmörtel gemauerten Natursteinbau und von verschiedenen Massiv- lehmbautechniken. Sprache als Zeitzeuge verlorenen Wissens Das Wissen um diese verschiedenen Techniken ist mitsamt den zugehörigen Bezeichnungen leiderfastspurlosverschwunden.KeinWunder, wurden doch Bauweisen des „gemeinen Volks“ vonden„gebildetenKreisen“praktischignoriert und das Wissen darum von der Bevölkerung selbst nur mündlich weitergegeben. Die erhal- tenen Bau-Reste und die zugehörigen Spuren in Form alter Dialekt-Begriffe sind daher fast die einzigen Informationen zu dieser vergesse- nen Geschichte des Bauens auf dem Land. (Anm.: Der Verfasser ersucht um Hinweise! Alte Dialekt-Begriffe zum Thema bitte an r.meingast@lehm.at) Einst gab es offenbar eine heute unvorstellbare, kleinräumige Vielfalt von Bautechniken, die den lokal verfügbaren Ressourcen angepasst waren. So gibt es im nördlichen Niederöster- reich auf einer Distanz von 100 km von West nach Ost vier verschiedene Dialekt-Begriffe für ungebrannte Lehmziegel: „Loam-Ziagl“, „Quaderstock“, „Erd-Ziagl“ und „Koth-Ziagl“. Daneben waren noch zwei andere Typen von massigen, um 70 cm dicken Lehmmauern verbreitet. Das waren die „g’satzten Mäuer“ (Wellerbau), bei denen nach und nach etwa halbmeterhohe Lagen aus mit Spreu („Om“) gemischtem Lehm mit der Mistgabel aufeinan- der gesetzt und festgetreten wurden. Die anspruchsloseste Bauweise war aber wohl das Bauen mit „Wuzeln“ (Batzenbau). Für diese „Wuzelmäuer“ wurden aus einer Mischung von nassem Lehm und Strohhäcksel Brotwecken- förmige „Wuzl“ geformt, die einfach nass und ohne Mörtel aufeinander geschlichtet wurden. Der Stampflehmbau mit Schalung (Pisé-Bau) ist dagegen in Niederösterreich bisher nicht nachweisbar gewesen. * Lehm-Presshaus bei Zellerndorf ungebrannte Quaderstock-Lehmziegel Lehmputz auf Innenwänden „Wuzeln“ (Batzenbau)

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