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BAUJUWELE IN NIEDERÖSTERREICH Ende September 1899 war in der Badener Zeitung zu lesen: „seit heute besitzt Berndorf auch ein eater, nicht eine improvisierte, in irgend einen größeren Raum hineinadaptierte Bühne, sondern ein wahres und wirkliches eater, ein Schmuckkästchen im vollsten Sinne des Wortes, das jeder größeren Stadt zur Zierde gereichen würde.“ Noch zehn Jahre sollte es dauern, bis in Baden das Stadttheater (heute Landestheater) errichtet wurde, im Übrigen von den gleichen Architekten, die in ganz Mittel- und Osteuropa (mit Schwerpunkt auf der Donaumonarchie, aber auch in Berlin oder Zürich) mehr als 50 Theater- bzw. Konzerthäuser realisierten. Der Industrielle Arthur Krupp beauragte für Berndorf niemand geringeren als das Duo Hermann Helmer und Ferdinand Fellner (II.), das auch die Wiener Ringstraße maßgeblich mitprägte. Arthur Krupp belieferte mit dem Tafelbesteck die Haushalte der Donaumonarchie bis hin zum Kaiserhaus. Berndorf erlebte durch die Initiative der Industriellenfamilie einen starken wirtschalichen Aufschwung, der sich auch im kulturellen Bereich niederschlug. Gemäß der Devise „Bildung macht frei – Bildung macht fein“ entstanden für die über 3.000 Arbeiter der Metallwaren-Fabrik und ihre Familien gezielt Wohlfahrtseinrichtungen. Eine Siedlung und ein Privatrealgymnasium zählten ebenso dazu, wie eben: das Arbeiter- theater. Friedrich Grassegger merkte in seinem Aufsatz „Rückblick auf Vorläufer und Vorbilder“ zur Publikation „Bau(t)en für die Künste. Zeitgenössische Architektur in Niederösterreich“ dazu an: „Krupp verfolgte mit seinem umfassenden Bauprogramm für die Arbeiterscha eine Integration und gesellschaspolitische Stabilisation, die gegen die Gedanken des Sozialismus immunisierend wirken soll- ten.“ Leistbare Preise sollten ein breites Publikum anziehen, bis zu 488 Personen fasst das Haus, mit Schauparterre und Galerie. Arthur Krupp besaß einen eigenen Aufgang zu seiner Proszeniumsloge im Ersten Rang. Anlass der Errichtung des eater war – wie auch beim Grazer Stadttheater – das fünfzigjährige Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph im Jahr 1898. Rechtzeitig fertiggestellt, fand die feierliche Eröffnung jedoch erst nach dem Trauerjahr statt, das aufgrund der Ermordung von Kaisern Elisabeth ausgerufen worden war, dann aber unter Anwesenheit Seiner Kaiserlichen und Königlichen Apostolischen Majestät. Die Architekten, die den Historismus im Bereich des Theaterbaus zu einer Hochblüte führten, wählten als Vorbild für das Äußere die Renaissance, während im Inneren die Anklänge an das Barock vor- herrschen. Diese doch so unterschiedlichen Epochen zu kombinieren war keineswegs als Stilbruch zu verstehen, sondern ist vielmehr im Sinne einer Synthese zu lesen, die dem Baukunstverständnis jener Zeit zugrunde liegt. Helmer-Fellner schufen durch die veränderten Bestimmungen, die mit dem verheerenden Ringtheaterbrand von 1882 für verstärkten Brandschutz sorgen sollten, den Typus eines dreiteiligen Baukörpers, der auch in Berndorf zur Anwendung kam: mit Vorderhaus, Saalbau und Bühnenhaus. Das Besondere am Arbeitertheater war jedoch – von der Widmung abgesehen – die kreisförmige Saalform, die sich von den Varietésälen ableitet: im Œuvre des Architektenpaares nur noch am Wiener Akademietheater zu finden. In diesem, wie auch im Wiener Volkstheater ziehen sich die Balkone über die gesamte Breite des Saales, so auch in Berndorf. Innerhalb des Stadtgefüges zeigt sich das Kaiser-Franz-Joseph- Jubiläums-eater von einer ungewöhnlichen Seite. Die Hauptfront ist dem Park zugewandt und nicht dem Hauptplatz. Arthur Krupp wollte sein Schmuckstück von seinem Herrenschloss aus im Blickfeld haben. Seine Pläne für einen entsprechend orientierten neuen Stadt- platz sollten scheitern. Der gestaffelte Giebel – typisch für die Renaissance, die ihrerseits die Antike zitierte, grei das Motiv der Tempelfront auf. Zur wechselhaften Geschichte des Hauses gehört u. a. ein Brand (1902), die Nutzung als Kino und schwerer Beschuss während des Zweiten Weltkrieges. Ab 1959 im Besitz der Stadt Bern- dorf, wurde das eater zuletzt 1986 bis 1992 durch Scheifinger und Krapfenbauer generalsaniert. Schon unter der zweiundzwanzig- jährigen Intendanz von Felix Dvorak und seit 2011 unter jener von Michael Niavarani bietet das Haus dem eatersommer in Berndorf einen würdigen Spielort. eresia Hauenfels * DAS STADTTHEATER BERNDORF aus dem Atelier Fellner &Helmer GESTALTE(N)16 Photographie,UweHauenfels

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