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GESTALTE(N)24 und dieses hält dann eine sehr lange Zeit ...“ Natürlich darf man die Fenster nicht mit den falschen Lacken einfach überlackieren. Der Lack springt mit der Zeit ab, das Fenster wird unansehnlich. Daher muss der alte Lack vorher unbedingt weg. Aber bitte nicht mit Chemie, sondern nur mit Heißlu und mechanisch. Wird der neue Anstrich mit Leinölfarbe dann nach vielen Jahren stumpf und matt, frischt man ihn einfach mit kalt- gepresstem Leinöl wieder auf. Schon ist das Fenster nicht nur wieder schön und glänzend, sondern auch gerüstet für viele weitere Jahre. Das dauert nicht länger als ein paar Minuten. Was raten Sie jemanden, der seine alten Fenster auch herrichten möchte? Keine voreiligen Entscheidungen zu treffen und sich beim Instandsetzen Zeit lassen. Alte Fenster halten mehr aus, als man glauben mag. Umso älter sie sind, umso besser ist meist ihre Holzqualität. Zeigen Sie mir ein wirklich altes, wurmstichiges Fenster, und ich sehe eines, das noch hundert Jahre hält. Man hat also genug Zeit, um sich zu informieren - über den richtigen Kitt, das richtige Leinöl, die Leinölfarbe und so weiter. Man kann Fenster, so wie alles, auch überrestaurieren. Weniger ist mehr. Die Spuren der Zeit soll man erkennen. Kann man Fensterrestaurierung jetzt bei Ihnen lernen? Tipps geben wir natürlich gerne. Bei Interesse gibt’s vielleicht auch wieder ein Fenstersemi- nar. Aber in Gedanken bin ich schon beim nächsten Seminarthema, diesmal betreffend die Restaurierung von historischem Mauer- werk und Verputz. Ich bin aber noch auf der Suche nach einem geeigneten Fachmann. Danke für das Interview. Im Bekanntenkreis und über die Kulturver- netzung habe ich nach Interessierten gesucht und diese schließlich auch gefunden. Einen Monat hat es gedauert, aber dann war es so- weit. Wir neun Teilnehmer sind mit unseren alten Fensterflügeln bei mir in der Werkstatt gesessen, meine Frau hat Kartoffelgulasch ge- kocht, und der Herr Mosler hat mit uns die ersten Fenster begutachtet, viele Tipps gege- ben und Restaurierungsvorschläge gemacht. Was fasziniert Sie so an alten Fenstern? Zum einen, Fenster sind die Augen des Hauses, seine Seele sozusagen. Jedes Gebäude ist lebendiger und harmonischer mit den Origi- nalfenstern. Schon alleine die alten, welligen Scheiben mit ihren Schlieren und Luein- schlüssen machen jedes einzelne Fester zu einem absoluten Unikat. Dann, und das glaubt man kaum, ist die Holzqualität sehr alter Fenster einfach viel, viel besser. Die Winter waren früher ja kälter, also sind die Bäume langsamer gewachsen, die Jahresringe viel enger und das Holz ist somit deutlich härter. Unter anderem deshalb hat es ja – gute Pflege vorausgesetzt – schon Jahrhunderte lang gehalten. So eine Qualität kann man sich fast nirgends mehr kaufen. Viele Menschen fürchten bei alten Holz- fenstern den Pflege- und Instandhaltungs- aufwand. Was sagen Sie denen? Das Gegenteil ist der Fall. Aber lassen Sie mich hier mit einem Zitat des deutschen Architekten August von Voit antworten. Es stammt aus dem Jahr 1829 und er sagt „... Dass durch einen guten Anstrich mit Oehl- farbe das Holzwerk eine längere Dauer be- kommt, ist eine ausgemachte Sache. (...) Zu einem guten Anstrich gehören gute Farben und gutes Oehl. Ein guter Grund und ein dreimali- ger Anstrich macht ein Fenster sehr dauerha Herr Lochner, was war das Hauptproblem bei den Fenstern? Der Zustand unserer Fenster war gut. Es fehl- ten aber fast an allen zum Großteil die Farbe und der Fensterkitt. Das Holz war dem Alter entsprechend gut. Bei den Barockfenstern war die Bleiverglasung schadha. Die alten Fenstergläser waren teilweise gebrochen. Bei unseren Fenstern war also das Hauptproblem nicht das schadhae Holz, sondern die Farbe. Sehr o werden alte Fenster einfach mit falscher Farbe zugekleistert, dass wollten wir natürlich nicht. eoretisch wussten wir, wie es geht, wir kannten auch Leinöl und Leinöl- farbe. Aber wir wollten die Fenster eben auch ganz bewusst nach alten Methoden und mit dem ursprünglichen Material restaurieren und keine Fehler machen. Da jemanden zu finden, der sich wirklich auskennt, ist nicht sehr leicht. Sie wollten die Fenster ja in Eigenregie herrichten. Wie haben Sie sich informiert? Wir haben uns über die Jahre immer wieder Tipps von den Fachleuten des Bundesdenk- malamtes in Mauerbach geholt, das kann ich nur empfehlen. Bei den Fenstern war es kon- kret so, dass wir zu den „Tagen der offenen Kartause“ in Mauerbach gefahren sind. An diesen Tagen werden historische Handwerks- techniken und Materialien von Fachleuten vorgestellt. Und wir hatten Glück. Denn dort haben wir den Herrn Mosler, einen Restaura- tor aus Hadamar in Deutschland, kennenge- lernt. Der kann Fenster aller Bauepochen nicht nur fachgerecht renovieren, er macht sogar Seminare. Allerdings nur für Fachkräe. Sie sind aber hartnäckig gewesen. Nun ja, sagen wir, ich habe mich bemüht, ein richtiges Seminar zusammenzubekommen. * INTERVIEW MIT PETER LOCHNER Photographie:KarinKammlander,PetraEichlinger

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