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GESTALTE(N)22 Sie sind beide ursprünglich aus Wien. Wie kamen sie nach Gollarn? AF: „Ende der 70er Jahre haben wir ein Objekt gesucht, in dem wir als Wohngemeinschaft leben können. Wir, das waren 12 junge Er- wachsene, zum Teil mitten in der Familien- gründung, daher musste es groß sein. Wir waren jung, also spielte der Preis eine we- sentliche Rolle. Und wichtig war auch die Nähe zu Wien, wo viele von uns arbeiteten oder studierten. Den Gutshof haben wir in einem Zeitungsinserat gefunden. Das Objekt mit 3.000 m2 Grund war um 1,1 Mio. Schilling zu haben – zwar komplett desolat, aber dafür eben leistbar.“ Gollarn ist recht klein. Wie haben die Leute hier auf die neuen„Gutshofbesitzer“reagiert? AF: „Anfangs natürlich recht skeptisch. Wir haben einander respektiert, aber es gab wenig direkten Kontakt. Erst als meine damalige Frau, und dann auch ich, hier an der Schule unterrichteten, hat sich das geändert. Ein „Herr Lehrer“ ist halt doch etwas anderes als „so ein Alternativer“ aus der Stadt.“ Sie haben anfangs viel in Eigenregie hergerichtet? AF: „Damals ja, obwohl kaum einer von uns ein dafür passendes Handwerk gelernt hat. Ich war wie gesagt Lehrer, der Hans Ton- techniker, einer von uns hat Medizin studiert .... aber mit dem, was wir uns von unseren und die Erfahrung gefehlt. Wenn man das nicht richtig macht, kann man ja viel zerstören und die Bausubstanz nachhaltig schädigen. Feinstuck wird bei falscher Be- handlung auch leicht in den Formen verun- klärt, „zugeschmiert“ sozusagen.“ Was wissen Sie eigentlich über das Haus? AF: „Vieles stützt sich nur auf Erzählungen eingesessener Familien. Aber durch Keller- grabungen mit einem befreundeten Kunst- historiker haben wir Hinweise gefunden, dass Teile des Hauses noch aus dem Mittel- alter stammen.“ HS: „Es war offensichtlich einer der größten Bauernhöfe der Region, der in den 60ger und 70ger Jahren in Anteilen – also Felder, Haus usw. getrennt – verkauft wurde.“ AF: „Der Alt-Trakt stammt aus dem 19. Jahr- hundert, ist nicht unterkellert und hat auch einen ehemaligen Schweinestall mit ge- schlichteten Gewölbebogen zwischen Eisen- traversen aufgewiesen. Nach dem 1.Weltkrieg muss ein Erweiterungsschritt passiert sein, der in der nun renovierten "Schaufassade" durch die Jahreszahl 1921 belegt ist. Diese Modernisierung ist "zeitgemäß" mit Stuck versehen, Engeln und Blumenmotiven sowie Säulenpilastern. Man wollte offenbar Ein- druck schinden. Dafür spricht auch, dass einige Fenster der Fassade Blindfenster sind. Also eigentlich Attrappen, die man wohl aus optischen Gründen, zwecks größerer Sym- metrie, ausgestaltet hat. Dahinter befindet sich aber nicht einmal ein geschlossener Raum, sondern eine offene Halle. Eigentlich prangt da mitten im kleinen Dorf Gollarn eine Fassade, die man als Zeitzeugnis lesen kann. Über eine Periode, in der sich die Landwirtschaft in Niederösterreich strukturell zu verändern beginnt, die Bauherren aber noch an die Gutshofherrlichkeit der unter- gegangenen Monarchie glauben möchten.“ Danke für das Interview Vätern und Onkeln so abgeschaut hatten, ging´s auch. Unter der Woche sind wir unseren Brotberufen nachgegangen, am Wochen- ende haben wir Arbeitstrupps gebildet und sind nacheinander alles angegangen, die Installationen, die Elektrik ....“ HS: „Vieles war ziemlich provisorisch und hat sich im Laufe der Zeit als unpraktisch erwiesen. Vor allem, als die Kinder kamen. So haben zum Beispiel eine Zeit lang an die 10 Kinder ihr Abendessen in der Küche gleichzeitig eingenommen. Alle hatten nur eine Küche, eine Infrastruktur. Irgendwann wollten einige von uns mehr Privatsphäre. Aus einer Großfamilie wurden mehrere Fa- milien, die getrennte Wohneinheiten hatten, und wieder wurde umgebaut.“ AF: „So ist das eigentlich bis heute. Über die Jahre hat sich unsere Zusammensetzung immer wieder verändert. Einige Mitbesitzer und natürlich die Kinder sind mittlerweile ausgezogen. Aber obwohl unsere Kinder ihr eigenes Leben führen, haben manche von ihnen diese Form des gemeinsamen Lebens auch aufgegriffen und leben nun in Wien in einer Wohngemeinschaft zusammen. Die ehemaligen Räume der Kinder werden jetzt wieder anders genutzt.“ Der aktuellste Renovierungsschritt war aber jetzt die Fassade? AF: „Ja, die straßenseitigen Teile. Wir haben hier – wie auch schon bei diversen anderen Renovierungsschritten – aber einen Meister- betrieb damit beauftragt. Für eine fach- gerechte Sanierung und qualitätsvolle Be- handlung hat uns schlichtweg das Wissen INTERVIEW MIT ALFRED FISCHL UND HANS SCHIMANEK * Photographie:PetraEichlinger,KarinKammlander,privat

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