Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

141

Zug 1747 eine Nähnadelfabrik in Lichtenwörth. Noch im Aufbau derselben zeigte sich, dass J. Ch. Zug finanziell und organisatorisch über- fordert war, worauf die zuständige staatliche Hofstelle die Leitung der Fabrik übernahm. Da Facharbeiter aus Nürnberg und Aachen gebraucht wurden, errichtete man in den nächsten Jahren nahe der Fabrik 56 kleine, gemauerte, schindelgedeckte Häuser im Stil der regional typischen, lang- gestreckten, ebenerdigen Bauernhäuser. Die Siedlung war durch eine Umfassungsmauer von der übrigen Ort- schaft abgetrennt und nur durch drei Tore zu betreten. Schon damals „Nadelburg“ genannt, hatte sie neben dem Gasthaus eine eigene Schule und eine Krankenstation mit Arzt. Die beeindruckende, nach Plänen des Baumeisters Nikolaus Pacassi (1716 – 1790) erbaute Kirche sollte zur Katholisierung der protestantischen Meister und Gesellen aus dem süddeutschen Raum beitragen. Entlang der Hauptachse zwischen Kirche und Fabrik stehen die Häuser quer zur Straße angeordnet und sind durch einen Wirtschaftshof von- einander getrennt. Jedes Haus wurde von zwei Familien bewohnt, mit je zwei Zimmern, einer gemeinsamen Küche und einem gemeinsamen Hausgarten. Durch ein Tor gelangt man in den kleinen Wirtschaftshof unddenHausgarten,vonwoauswiederumdiezweiWohnungenbetreten werden können. Bis in die 1930er Jahre wurden in der Fabrik alle Sorten von Nadeln, Drähten, Stiften, Nieten sowie diverse Kupfer- und Messingartikel er- zeugt. Heute sind vom ehemals eindrucksvollen Industrieensemble nur mehr die Kirche und die Arbeiterinnen- und Arbeitersiedlung erhalten. In einem auf private Initiative liebevoll eingerichteten Museum ist die umfangreiche Sammlung von alten Ansichten, Plänen, den Erzeugnissen der Fabrik und vielem mehr zu besichtigen. Weitere Informationen: NADELBURGMUSEUM, Walzergasse 8, 2493 Lichtenwörth-Nadelburg www.nadelburgmuseum.at Besichtigung und Führungen gegenVoranmeldung nach Feierabend traf man sich zum Plaudern auf der Sitzbank hinterm Haus. Das direkte Wohnumfeld war der gemeinschaftlich genutzte Freiraum, in dem zwangsläufig eine besonders intensive, kommuni- kative Struktur entstand. IndenArbeiterinnen-undArbeiterquartierendes19.und20.Jahrhunderts lebtendieMenschensozialausgegrenztvonbenachbartenAnsiedlungen. Ihr alltäglicher Lebensunterhalt war nur durch autonome und eigen- ständige Versorgung gewährleistet. In größeren Siedlungen wurde den ArbeiternGrundstückezurgemeinsamenBewirtschaftungzurVerfügung gestellt. Jede Siedlung verfügte über ein eigenes Geschäft oder, später, ein sogenanntes Konsumvereinshaus, in dem zusätzliche Nahrungsmittel käuflich erworben werden konnten. Fabrik, Unternehmervilla, Arbeiter- und Beamtenwohnhäuser sowie werkseigene Zusatzeinrichtungen (z. B. Schule, Krankenstation, Geschäft, Gasthaus) bildeten ein in sich abgeschlossenes Ensemble. Die Nadelburg bei Lichtenwörth (erbaut 1747-1756) Eines der ältesten und teilweise erhalten gebliebenen Ensembles ist die Nadelburg bei Lichtenwörth. Zur Sicherung der Ansiedlung neuer Produktionszweige förderte und begünstigte Kaiserin Maria Theresia neu gegründete Fabriken. Dies zu nützen, errichtete Johann Christian 47GESTALTE(N) * Nadelburg heute: Arbeiterhäuser und Blick zur Barockkirche Historische Aufnahme der Nadelburg, Postkarte um 1950 DIDr.EdeltraudHaselsteiner, geboren 1962 in Waidhofen an der Ybbs, nach mehrjähriger Tätigkeit als Sozialarbeiterin Studium der Architektur an der Technischen Universität Wien. Seit 2000 freiberuflich tätig mit Schwerpunkt Architektur- und Stadtforschung, Nachhaltigkeit, Soziologie und Kunst. Derzeit Forschungs- und Lehrtätigkeit am Institut für soziale Ökologie (Alpen-Adria Universität Klagenfurt-Wien-Graz) und an der FH Technikum Wien (Master Erneuerbare Urbane Energiesysteme).

Seitenübersicht