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GESTALTE(N)48 Noch während der Kupfer- und Bronzezeit findet und verarbeitet man bereits Eisen. Zum einen aus dem Drang heraus, die neuen Metall Werk- stoffe Kupfer und Bronze weiter zu erforschen, zum anderen wohl auch infolge der Knappheit des einen oder anderen Rohstoffes. Man erkennt das „gediegene“ Eisen auch bereits als jenes von Meteoriten hervorgebrachtes, metallisches Fundobjekt, und schafft damit unbewusst einen direkten Bezug zur Quelle des Eisens im Universum. Ein Geschenk des Himmels Wie ist Eisen im Weltall entstanden? Zuerst einmal als Materien Rest einer großen Sonne, die schwerere Elemente als Wasserstoff und Helium „erbrüten“ konnte. Mit Zerbersten dieser Sonne während einer Super- nova wurden die dadurch sowie die zuvor entstandenen Elemente im Weltall verteilt. Im Verlauf der Planetenentstehung als Zusammenballung von schweren und leichten Elementen von Materie sammelte sich dann auch das Eisen an. Heute findet man das „irdische“ Eisen weitgehend nur als Sediment in Gesteinen vor sowie als den sogenannten Eisenkern der Erde selbst, welcher uns allerdings nicht erschlossen ist. Chemisch träge an Sauerstoff gebunden, existiert es als Eisenoxid [Fe2O3]. Diese, den Sauerstoff bindende Form der Metalle, wurde als Eisenerz bekannt und später verhüttet. Nicht das außerirdische Meteor-Eisen, sondern das irdische Eisenoxid (Eisenerz) ist es nun, das verarbeitet und von Sauerstoff befreit werden muss. Die Eisenherstellung Diese chemische Reaktion wird Reduktion genannt. Genau jener Reduktionsprozess bei der Eisenherstellung ist jedoch sehr energie- intensiv. Man brauchte viel hochwertiges, energiereiches Brennmaterial – und fand es in Form von Holzkohle. Jene Kohle, mit der die kleinen „Rennöfen“ der frühen Eisengewinnung und später auch die großen Schmelzöfen, ähnlich den heutigen Hochöfen, in Massen befüllt wurden. Das Erz selbst war dabei in verschiedenen Gesteinsformen verfügbar, z. B. als ,,Raseneisenenerz“, also eisenoxidhältige Sediment- gesteinbrocken, die durch Ablagerungen in wasserführendem Unter- grund entstanden sind. Die befeuerte Mischung von Holzkohle und Eisenerz ließ dann nach reichlicher Luftzufuhr das Eisen ausrinnen (rennen). Als schwammähnliche Eisenluppe sammelte es sich am Boden desOfensan.IngeringenMengenaufgesammelt,wurdedieseselementare, kohlenstoffarmeundroheEisendurchSchmiedenvonVerunreinigungen befreit sowie zu größeren Stücken verbindend feuergeschweisst. Schmiedeeisen als verarbeitbarer Werkstoff war damit in Block- und Stangenform verfügbar. Die technologischen Vorzüge des Werkstoffes Eisen waren unschlagbar. UndwiesooftbeiInnovationen,interessiertesichvorallemdieRüstungs- technik dafür. Dies steigerte den Bedarf und forcierte die technologische Entwicklung. Erste Energiekrise der Menschheit Ob als Werkzeug, als hochwertiges und kräftiges Verbindungsmittel oder als Teil von Maschinen – Eisen erlangte in kurzer Zeit den Rang eines unverzichtbaren, wenn auch teuren Werkstoffes. Der Energiebedarf stieg überproportional. Nicht nur durch die ständig zunehmende Bevölkerung, sondern auch durch die Entwicklung und Erarbeitung des Eisenwerkstoffes. Das ging so weit, dass gegen Ende des Mittelalters die holzreichen Land- schaften Europas weitgehend entwaldet waren. Holz wurde nicht nur als Energieträger, sondern auch als einer der Hauptbaustoffe für Bauwerke und Maschinen verwendet. Als Brennmaterial und als Holzkohle für thermochemische Prozesse wurde es zum unabdingbaren Energie- lieferanten, war außerordentlich begehrt und wurde, technologisch begründet, zur Mangelware. Der aktuelle und zu erwartende Bedarf war nicht zeitnahe zu befriedigen – die Energiekrise der beginnenden Neuzeit war evident. Architekt DI Franz Sam leitet mit der Architektin DI Irene Ott-Reinisch ein Architekturbüro in Wien und unterrichtet an der Universität Innsbruck sowie an der New Design University in St.Pölten ER-„FINDEN“DES EISENS Nacherzählung von Franz Sam Fe2O3 Photos:Archiv,Portraitsam-architects *

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