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Sie thront wie ein neues Wahrzeichen über der Stadt und rostet vor sich hin, ohne dabei durch Rost Schaden zu nehmen: Die Schaltwarte der Photovoltaik-Anlage Ybbsitz, die neben Strom auch noch die Frage mitliefert: Wie geht das? 56 GESTALTE(N) Diese kleine, rostige Box ist mehr als nur ein Behältnis für elektrische Messgeräte. Sie sticht durch ihre Lage am Berg und durch die Gestaltung ihrer Fassade ins Auge – eine Landmarke, mehr Skulptur als Architektur. Für die netzartige Blech-Verkleidung der Fassade wurde ein Material gewählt, das den Bezug zur Eisenstrasse, an der Ybbsitz ja liegt, herstellt und gut altern kann: wetterfester Baustahl. Egal welches Wetter – der Stahl hält Die Entdeckung wetterfester Baustähle gelang in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Vereinigten Stahlwerke Düsseldorf entwik- kelten unter dem Markennamen „Patina“ einen Stahlwerkstoff, der sich durch Korrosionsbeständigkeit von üblichen Baustählen abhob. Im Amerika der 30er Jahre stellte United States Steel nach intensiver Ent- wicklungsarbeit dann den Stahlwerkstoff „COR-TEN“ vor, der ebenfalls korrosionsbeständige Eigenschaften aufwies. Die Bezeichnung COR- TEN setzt sich aus den Eigenschaften „CORrosion resistant“ und „TEN- sile strength“ zusammen, auf Deutsch „wetterfester Baustahl“. Rost schützt vor Rost Im Gegensatz zu unlegierten Baustählen erhalten wetterbeständige Bau- stähle durch gezielte Zugaben von Kupfer, Chrom und gegebenenfalls Nickel ihre wetterbeständigen Eigenschaften. Diese bilden eine Sperr- schicht aus, die den Grundwerkstoff vor weiterer Abrostung schützt. Man kann sagen, die Rostschicht schützt das Objekt vor weiterer Verrostung. Das Ausbilden dieser Sperrschicht bedarf je nach Bewitterung eine Zeit von1,5bis3Jahren.DabeiistdiewechselndeBewitterung,alsoderTrocken- Feucht-Trocken Zyklus, von elementarer Bedeutung, ohne den die Schichtbildung nicht gewährleistet ist. Chloride in der umgebenden Atmosphäre stören den Prozess erheblich und behindern den Aufbau einer Schutzschicht. In drei Jahren zeitlos schön Im Gegensatz zu unlegierten Baustählen läuft der Prozess der Abrostung beiwetterfestenBaustählenlangsamerabundendetnachetwadreiJahren. Die Abrostung von 400g/m2 nach drei Jahren entspricht einer Gesamt- dickenabnahme von 0,05 mm. In diesem Zeitraum wechselt die Blech- farbe über hellbraun, braun, braun-violett nach dunkelbraun-violett. Die Blechoberfläche weist eine narbige Struktur auf. Der wetterfeste Baustahl findet vor allem in der Herstellung von hinter- lüfteten Fassaden verschiedenster Ausformung Anwendung. Der ästhe- tische Reiz liegt vor allem in der Eigenschaft des interessanten „Alterns“. Wir alle wissen, dass die moderne Architektur neben der technischen „Anfälligkeit“ vor allem eines nicht oder sehr schlecht kann, nämlich gut altern. So mussten viele Paradebauwerke der Moderne – wie z. B. die Kir- che in Rochamp von Le Corbusier, die Weissenhofsiedlung in Stuttgart, die Werkbundsiedlung in Wien oder auch neuere Bauten wie das Kunst- handwerkmuseum in Frankfurt von Richard Meier – einer grundlegen- den Sanierung unterzogen werden. „COR-TEN Stahl kann Patina ansetzen, er verändert sich je nach Wetterbedingungen und Himmelsrichtung, er zeigt uns einen „würdigen“ Alterungsprozess, er rostet eine Zeit lang vor sich hin, aber er verrostet nicht, er LEBT.“ Architekt Richard Zeitlhuber EINE ROSTIGE FASSADE In Würde altern – mit COR-TEN Quelle:„VorgehängtehinterlüfteteFassaden–WetterfesterBaustahl“Juni2004,CUBUSMedienVerlag;Photos,RichardZeitlhuber *

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