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Noe Ausgabe 143

GESTALTE(N)12 Zum Beginn der Neuzeit war der Bedarf an Eisen, dem vierthäufigsten Element der Erde, ungeheuer gestiegen. Das für seine Produktion nötige Holz war begehrt, Eisen immer knapp und die Nachfrage nach beiden kaum zu erfüllen. In Mitteleuropa war mittlerweile eine Landfläche in der Größe von Großbritannien durch Holznutzung entwaldet. Eine vom Handwerk geprägte Gesellscha mit einer bis dato positiv betriebenenKreislaufwirtscha–inderdurchdasRecycelnderverwendeten Materialien alles wieder verwertet wurde – war an einem Punkt ange- langt, an dem niemand eine Antwort auf die Energiefrage wusste. Durch das nicht mehr Vorhandenseins des vorher scheinbar unbegrenzt zur Verfügung stehenden Rohstoffes Holz war eine veritable Energie- krise eingetreten, und Eisendiebstahl so alltäglich wie heutzutage Alu- und Kupferdiebstahl. Die Gier nach Eisen „entdeckt“ neue Energiequellen Die Lösung kam schließlich in Form von Braun- und Steinkohle. Dieser Energielieferant war zwar bereits seit längerem bekannt, wurde aber nur örtlich und für einfache Zwecke genutzt. Doch nun erkannte man seine ungeahnter Verfügbarkeit und Effizienz – und schae so die entscheidende Wende: Die bereits wirksam werdende Energiekrise der beginnenden Neuzeit war Geschichte. In Coalbrookdale in England, wo in einem Flusstal schwefelarme Stein- kohle vom Wasser des Flusses herausgeschwemmt wurde und so deutlich sichtbar zu Tage trat, wurde erstmalig die Knappheit der Holzkohle in der Eisengewinnung überwunden: durch die Verarbeitung der Kohle zu Koks. Der Brennstoff Holz wurde fortan durch Kohle ersetzt, Wasser und Windkra durch die Dampfmaschine abgelöst. Der Schritt von bioge- nen und erneuerbaren Energieformen wurde vollzogen. Fossile Energie, über Millionen Jahre angesammelt und gespeichert, ließ jenes Kra- potential frei werden, das nun ungeahnte Möglichkeiten bot. Die ersten Gussartikel erobern den Alltag Energie stand ab jetzt in überaus großen Mengen zur Verfügung und begünstigte den Einsatz von Maschinen. Die Produktion von vorher rarem Eisen war nun in rauen Mengen möglich. Gegenstände, welche Jahrtausende lang aus Holz, Stein oder Leder gefertigt worden waren, wurden jetzt aus Eisen hergestellt. Aus rohem Eisen, welches als Gusseisen aus den ersten Hochöfen floss und zu Gussartikel aller Art anregte. Durch die chemische Natur der Herstellung – aus Steinkohle, Eisenerz und Zuschlagstoffen – verfügte das erste Gusseisen jedoch über einen erheblichen, mehrprozentigen und durch den Schmelzvorgang einge- bundenen Kohlenstoffanteil. Dieser macht es spröde, es verfügte kaum über Zugfestigkeit. Erst das Konvertieren des Gusseisens (Roheisens) durch Verbrennen des Kohlenstoffanteils auf nur Bruchteile eines Prozentanteils ließ aus dem primär spröden Roh-Gusseisen einen zug- und biegezähen Konstruktionswerkstoff werden. Das Puddelverfahren wälzte dabei Eisenlaibe in der Hitze eines Ofens, den Kohlenstoff verbrennend, zu mäßig großen Einzelstücken, welche anschließend durch Zusammenschmieden zu „Schweißeisen“ verbunden wurden. Der Werkstoff wurde erforscht, weitere Gewinnungsmenge- steigernde Verfahren folgten. EISEN BIS ZUM ENDE DER INDUSTRIELLEN REVOLUTION Nacherzählung von Franz Sam / TEIL 2 Photos:Archiv,Portraitsam-architects Fe2O3

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