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Noe Ausgabe 143

Architekt DI Franz Sam leitet mit der Architektin DI Irene Ott-Reinisch ein Architekturbüro in Wien und unterrichtet an der Universität Innsbruck sowie an der New Design University in St.Pölten * Dieses Überwinden der Sprödigkeit und die daraus resultierende Gewinnung von kohlenstoffarmen Eisen war ein entscheidender Schritt in Richtung eines Konstruktionswerkstoffes für besonders hohe, bisher nicht vorstellbare technische Anforderungen. Von nun an wurde Eisen durch Menge und Energieverfügbarkeit nicht nur als stabförmiges, gewalztes oder auch gegossenes Element gesehen, sondern wurde auch als dünner, flächiger Werkstoff verfügbar. Profiliertes Eisen, Bleche und Gussteile beeinflussten die Baukonstruk- tionen, den Schiffs- und Maschinenbau, ja selbst die Gestalt von Klein- gegenständen dermaßen, dass eine sich selbst steigernde Entwicklung der Produktionstechnik bei gleichzeitig sich schrittweise steigernder Präzision bis heute anhaltend einsetzte. Die leichtere Möglichkeit der Eisenherstellung in großen Mengen bei einer vermeintlichen Unerschöpflichkeit der Energiequelle Kohle, aber auch die einfache, nahezu verlustfreie Wiederverwertbarkeit des Werkstoffes erweiterte seinen Anwendungsbereich enorm. Zusammen mit einer vom früheren Handwerk des Schmiedens abge- koppelten, industriell-technologieorientierten Forschung übernahm das Material in vielen Fällen jene Positionen, welche in der Vergangenheit dem Holz als umfassend verwendeten Werkstoff zugewiesen waren. Der Siegeszug des Eisens Die Festigkeitseigenschaen erkennend und nutzend, entwickelten die Baufachleute und die neue Berufsgruppe der Eisenkonstrukteure Bau- werke aller Art und aller technischen Erfordernisse. Gebäude, Tragwerke, Maschinen, Fahrzeuge und Bauelemente bis hin zum Nähmaschinengestell, gegossene Bügeleisen oder Zierteile an Fassaden wurden weltweit gefertigt. Wie bei allen Werkstoffen war es dann auch hier der Fall, dass die „Verfügbarkeit“ und vermeintliche Wirtschalichkeit einen Verdrän- gungsprozess auslöste, der alle Lebensbereiche erfasste. Alltagsartikel und - aus heutiger Sicht - „Designprodukte“ wie Waschbecken, Essbe- steck, oder Möbel wurden, andere Werkstoffe ersetzend, flächendeckend produziert, verkau und verwendet. Eine eigene, materialbezogene Gestaltungssprache der Gegenstände und Gebäude war anfänglich jedoch nicht entwickelt. Konstruktions- und Gestaltungsprinzipien der bisherigen Materialanwendungen wurden einfach übernommen. Erst mit dem reifenden Verständnis für die Möglichkeiten der form- gebenden Eigenschaen wurde die gestalterische Verwendung des Werk- stoffes Eisen materialgerecht weiterentwickelt. Die einfache Festigkeit des bisher dominierenden Werkstoffes Holz mehrfach überbietend, entwickelte sich Eisen zunehmend zum Werk- stoff hoher und weitspannender Konstruktionen. Dem Material technologisch voll entsprechend, entwickelten sich neue Verbindungstechnologien und Formensprachen. Die Nietverbindung als Inbegriff einer werkstoreuen, verlässlich zu berechnenden und sicheren Verbindung dominierte im gestalterischen Spannungsfeld von Festigkeit und Fragilität. Auf Grund der Verfügbarkeit von Energie und technologieorientierter Präzision in anderen Entwicklungsbereichen – wie der nun industriellen Glasfertigung – entstanden Form- und Raumanwendungen bisher ungeahnter Wirkung. Licht flutete in Gebäude. Ob Ausstellungsraum oder Werkstatt, Eisen schuf Raum für Licht und Perspektive. Ein neues Lebensgefühl konnte entstehen. A N M E R K U N G : Eisen ist das 4. häufigste Element. Zum Beginn der Neuzeit war eine Landfläche in der Größe von Großbritannien durch Holznutzung in Mitteleuropa entwaldet. 13GESTALTE(N)

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