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Noe Ausgabe 143

So entstanden im Zuge dieses intensiven partizipativen Prozesses zwei Geschosswohnbauten mit stark individuellen Gestaltungslösungen. Die Konstruktion der Tragstruktur, basierend auf einer Scheibenbauweise mit nicht tragender Fassade, ermöglichte individuelle Grundrisse und Raumhöhen mit Maisonette- oder Split-Level-Wohnungstypen. Die Kinderzimmer wurden möglichst geräumig geplant, mit guten Sicht- beziehungen zum Wohnraum. In vier Wohnungen sind die Kinder- zimmer direkt vom Wohnraum aus begehbar. Die übrigen Familien entschieden sich für eine direkte Begehbarkeit über den Vorraum, wobei derVorraumalserweiterteSpieldielehäufigoffengegenüberdenanderen Aufenthaltsräumen belassen wurde. In einigen Wohnungen ist es möglich durch eine große Schiebetür zwei kleine Kinderzimmer zu einer großen Bewegungsfläche zu verbinden. Eine spätere Nutzungsänderung wird durch entfernbare nicht tragende Gipskartonmetallständerwände begünstigt. Die enorme Individualisierung zeigt sich dabei auch in der Fassade. Selbst Fenster und Balkone konnten basierend auf einem Planungsraster von 30cm unterschiedlich gewählt werden. Dem Motto „Wohnen mit Kindern“ folgend gehören zum Projekt groß- zügige Spiel- und Bewegungsräume. Im Haus gibt es jeweils Gemein- schasräume für kleinere oder ältere Kinder. Ein Teil des gemeinsamen Gartens blieb mit Sträuchern, Bäumen und Hügeln weitgehend natur- belassen und wurde für die Kinder ein eigener Entdeckungs- und Erfahrungsraum. Das Wohnprojekt „Wohnen mit Kindern“ fand zahlreich Nachahmung seitens Initiativen zum gemeinschalichen Bauen. Als Leitprojekt für neue Formen des Wohnungsbaus wurde es mit Mitteln der Wohnbau- forschungdurcheinForschungsprojektbegleitet.ImBericht„EinWegzum kindgerechten Wohnhaus“ (Groh et al 1987) sind die Erfahrungen und Prozesse für eventuelle Nachfolgeprojekte umfangreich dokumentiert. Planungs-undAbstimmungsprozessbegannimApril1983dieeigentliche Bauphase. Ein Teil der Bauarbeiten wurde in Eigenleistung erbracht. Im Juni 1984 war das gemeinsam errichtete Wohnprojekt beziehbar. Der intensive Gruppenprozess war von einer Reihe unterschiedlicher Kommunikationsformen getragen. Eine kleinere Gruppe von vier bis acht Personen traf sich in Arbeitskreisen, um Detail- oder Sachfragen zu diskutieren und diese dann der Gesamtgruppe zur Abstimmung vorzu- legen. Jours fixes wurden anberaumt, um Fragen des gemeinschalichen Zusammenlebens auszudiskutieren. Auf Initiative Einzelner fanden sich Interessierte zusammen und erarbeiteten Vorschläge für Gemeinschaseinrichtungen, eine betreute Kindergruppe, gemeinsamen Einkauf, oder man traf sich zu einem Frau- entag und diskutierte emen allein aus der Perspektive der Frauen zu. Insbesondere jedoch waren von Beginn an die Kinder am Projekt und in das Baugeschehen involviert. Sie wurden auf die Baustelle mitge- nommen, in Malaktionen wurde die Bautafel von den Kindern gestaltet oder der Gemeinschasraum ausgemalt. Kinderfeste animierten zum gegenseitigen Kennenlernen und dem Knüpfen von Freundschaen untereinander. Die älteren Kinder waren dazu angehalten ihre Wünsche zu äußern und in den Entscheidungsprozesse einzubringen. Insgesamt summierten die Beteiligten für die Dauer des gesamten Beteiligungs- prozesses 120 Gemeinschassitzungen im Architekturbüro und 130 Planungsgespräche mit den einzelnen Bewohnern. 55GESTALTE(N) * DIDr.EdeltraudHaselsteiner, geboren 1962 in Waidhofen an der Ybbs, nach mehrjähriger Tätigkeit als Sozialarbeiterin, Studium der Architektur an der Technischen Universität Wien. Seit 2000 freiberuflich tätig mit Schwerpunkt Architektur- und Stadtforschung, Nachhaltigkeit, Soziologie und Kunst. Derzeit Forschungs- und Lehrtätigkeit am Institut für soziale Ökologie (Alpen-Adria Universität Klagenfurt-Wien-Graz) und an der FH Technikum Wien (Master Erneuerbare Urbane Energiesysteme). Photos: Archiv „Wohnen mit Kindern“Wohnbund, commons.wikimedia LITERATURHINWEISE: Maria Groh, Ernst Haider, Franz Kuzmich (Redaktion), Ottokar Uhl, Martin Wurnig: Ein Weg zum kindergerechten Wohnhaus - Wohnen mit Kindern Wien 21., Wohnbauforschungsbericht (F 821), Arge Wohnen mit Kindern Wien 1987 Maria Montessori: Mein Handbuch. Grundsätze und Anwendung meiner neuen Methode der Selbsterziehung der Kinder. Stuttgart, 1928

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