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Noe Ausgabe 143

07GESTALTE(N) Liebes GESTALTE(N)-Team! Vorweg: Eure Broschüre gehört zu den ganz wenigen, die von mir wirklich Seite für Seite gelesen und studiert werden. Kompliment! Diese Qualität ist kaum mehr zu überbieten! Besonders interessiert hat mich diesmal der Beitrag über die Gemeinde Weyarn in Bayern. Ein schönes Beispiel für positive Struktur- entwicklung im ländlichen Raum. Unweigerlich beginnt man zu vergleichen, wie es in dieser Hinsicht in der eigenen Gemeinde aussieht: Vor etwas mehr als einem viertel Jahrhundert sind wir in eine Gemeinde in der Wachau gezogen. Neben der traumhaen landscha- lichen Lage beeindruckte uns auch die gute Infrastruktur. Mit zwei kleinen Kindern war das ein wesentlicher Grund für die Wahl unseres neuen Lebensmittelpunktes. Es gab eine Volksschule, einen Gemeindearzt, Post & PSK, Gendarmerieposten, eine Bäckerei und ein Lebensmittelgeschä. Doch diese Versorgungsqualität währte leider nicht lange. Die Auflassung des Gendarmerie- postens war noch zu verschmerzen, wenn- gleich sie den größten „Aufschrei“ in der Bevölkerung verursachte. Man befürchtete steigende Kriminalität, was – Gott sei dank – nicht eintraf. Schmerzhaer für uns war dann die Schließung der Post / PSK. Nun mussten wir für jede Geldangelegenheit nach Melk fahren (die vorübergehend eingerichtete Post-Servicestelle überlebte nicht lange). Auch die Bäckerei, weitum für ihr schmack- haes Brot bekannt, sperrte bald zu. Gottlob dauerte es noch gute zwei Jahrzehnte, bis wir schließlich auch die letzte Nahversorgung verloren. Das Hochwasser 2013 machte dem kleinen aber feinen Geschä endgültig den Garaus. Es blieben der Gemeindearzt und die Volksschule. Nun sollte man meinen, diese Entwicklung wäre wohl auf massive Abwanderung zurück zu führen. Weit gefehlt! – Die Bevölkerungs- zahl ist über die Jahre ziemlich gleich ge- blieben. Was dann? Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass unsere Situation keinen Einzel- fall darstellt. Ähnliches höre ich immer wieder auch aus anderen ländlichen Gebieten. Allein der Politik die Schuld zu geben wäre aber zu einfach. Nehmen wir uns selber bei der Nase: Wussten wir die ehemals vorhandenen Angebote wirklich zu schätzen? War es nicht verlockend, den Einkauf im (nur?)12 km entfernten Einkaufszentrum zu erledigen, während der heimische Nahversorger ums Überleben kämpe? Erst jetzt, da es ihn nicht mehr gibt, beginnt das große Jammern. Manchmal passierte es ja doch, dass die Milch für den Frühstückskaffee fehlte. Dann war man froh, gleich ums Eck welche zu be- kommen und die grade gelieferten frischen Weckerl nahm man auch gerne mit. Beim überwiegenden Großteil der Gemeinde- bewohner handelt es sich um Pendler. Die meisten haben ihre Arbeitsstelle in Melk, Krems oder St. Pölten. Das ist wohl auch ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung.  Dorf Quo vadis? Werden in einigen Jahren unsere Enkelkinder bereits im Volksschul- alter zu „Pendlern“? Wie geht es jenen Pensionisten, die nicht mehr ausreichend mobil sind, um ihre täglichen Bedürfnisse auswärts zu tätigen? Mit dem Taxi zum Arzt, oder gleich nach Melk ins Heim? Das Dorf nur mehr als „Schlafraum“ für Berufstätige? Es wäre Zeit, darüber nachzudenken. Dennoch ist unser Heimatort für uns immer noch lebens- und liebenswert. So lebenswert, dass unsere Tochter, die mit ihrem Mann demnächst das erste Kind erwartet, im Früh- jahr 2014 hierher ziehen wird. Liebenswert sind die Menschen hier, die uns seinerzeit unvoreingenommen in ihre Dorfgemein- scha integrierten, und mit denen uns zahl- reiche tragfähige Freundschaen verbinden. Freundschaen, aus denen in den vergange- nen Jahren auch viel Positives erwachsen ist. Vielleicht können wir ja gemeinsam dem Trend ein wenig entgegenwirken. Mit besten Grüßen Ihr Gerald Knobloch IHRE ZUSENDUNGEN bitte per mail@noe-gestalten.at, abtrennbarer Karte im Magazin oder Brief an Niederösterreich GESTALTE(N), Landhausplatz 1/13, 3109 St. Pölten

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