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Gestalte(n) Ausgabe 144

BAUJUWELE IN NIEDERÖSTERREICH Das ermalstrandbad öffnete seine Pforten 1926, im gleichen Jahr fand in Budapest die erste Schwimmeuropameisterscha statt. Niemand geringerer als die damalige österreichische Sprungmeisterin Klara Bornett weihte den Sprungturm des Strandbades ein. Nach dem Vorbild adriatischer Seebäder wurde in Baden der europaweit größte künstliche Sandstrand in der Zwischenkriegszeit geschaffen. Dem ambitionierten Bauvorhaben, das im Auftrag der Stadt Baden unter Bürgermeister Josef Kollmann unter der Mitwirkung von zeitweilig bis zu 3.000 Arbeitern in rund drei Monaten ausgeführt wurde, ging ein Wettbewerb voraus, zu dem Architekten wie Bau- meister zugelassen waren. Alois Bohn (1879-1937) war schon als Mitarbeiter von Helmer & Fellner mit der Leitung der Errichtung des Badener Stadttheaters betraut gewesen und hatte sich in der Frauengasse mit einem Atelier selbständig gemacht. Der Architekt, der aus dem Banat stammte, realisierte in der Kurstadt noch weitere relevante Bauwerke, darunter auch den Trabrennplatz. Am Gelände des ehemaligen Sommersitzes von Graf Bylandt-Rheidt nahe dem Helenental entwarf Alois Bohn eine weitläufige Badean- lage, die sich stilistisch zwischen spätem Sezessionismus und Neuer Sachlichkeit einreiht. Lateinamerikaexperte Gerhard Drekonja Kornat schreibt 2010 in einem kulturgeschichtlichen Abriss: „Das Badener Strandbad […] übertrug Miamis art deco höchst gelungen in unsere Breiten. Es gab darauf internationales Echo. So forderte 1928 ein Sportclub in São Paulo die Pläne an, um nach dem Badener Vorbild das größte Schwimmbassin in ganz Brasilien zu errichten.“ Das 100 m lange Becken war Superlativ der damaligen Zeit, es wurde später durch zwei Bassins mit jeweils halber Länge ersetzt.Von dieser Erneuerung abgesehen, sind die historischen Bauten weitestgehend erhalten. Auch Iris Meder würdigt in ihrem Buch „Badefreuden – Eine Reise zu den außergewöhnlichsten Bädern in Mitteleuropa“ das ermalstrandbad: „im Freien evozieren Sand und Palmen ein charmant altertümliches Riviera-Gefühl.“ Die Fortschrittlichkeit der Badeanstalt zeigte sich nicht nur in der Auebung der rigiden Geschlechtertrennung in der Nutzung, die es noch in der Badener Mineralschwimmschule gegeben hatte, sondern auch an technischen Errungenschaften: Das Bauwerk wurde zu Beleuchtungszwecken elektrifiziert, es gab einen Telefonanschluss und auch Garagenplätze für die junge Automobilszene waren vor Ort vorhanden. Zur Beliebtheit des Bades trägt bis heute sein Sandstrand maßgeblich bei. Auf eine befestigte Schotterschicht wurden 50 Eisenbahnwaggons Sand aufgetragen, die jedoch nicht von der Adria, sondern von einer Donaubucht bei Melk stammten. Ausführlich berichtete die Badener Zeitung am 24. Juli 1926 von der Eröffnung und führte detailliert architektonische Details bis hin zur Länge der Bauteile an. „Alle Hochbauten haben Edelverputz und weisen unterhalb der Fenster reichen Blumenschmuck auf. Die Zwischendecken der Geschoße sind aus Eisenbeton und die Dach- decken als Holzzementdächer ausgeführt.“ Die Eingangshalle mit kassettierter Decke stimmt mit Badeszenen in hohen Fenstern auf das kommende Vergnügen unter freiem Himmel ein: Die Glasge- mälde wurden vom bekannten Wiener Atelier Carl Geyling´s Erben realisiert. Zur Anlage gehörten auch ein Café, ein Restaurant und eine Milchtrinkhalle. Hohe Oberlichte und vertikal angeordnete Fenstergruppen an den Seitenflügeln kennzeichnen das symmetrisch angelegte Ensemble. Schwimmen und Sonnenbaden wurde in der Zwischenkriegszeit zu einem Freizeitvergnügen breiter Bevölkerungsschichten. Die Errichtung von Bädern war die Folge, so entstand in Niederösterreich weiters das Bad Vöslau (1926), das Strombad Kritzendorf (1927) oder das Alpenstrandbad Edlach (1928). Auch hochrangige Prominenz war unter den Besucherinnen und Besuchern. Die Badener Zeitung schilderte den Besuch Max Reinhardts im Juli 1929: „Er wurde von mehreren Gästen erkannt und war natürlich bald Gegenstand allgemeinen Interesses. Durch die taktvollen Bemühungen des Strandbaddirektors wurde das Publikum veranlaßt, dem berühmten Gäste das Vergnügen am Bade nicht zu stören.“ Theresia Hauenfels DAS THERMALSTRANDBAD IN BADEN Photographie:UweHauenfels,Plakat:Plakatkontor.de von Architekt Alois Bohn GESTALTE(N)14 Plakatentwurf Georg Willy Stieborsky 1928/29

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