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Gestalte(n) Ausgabe 144

17GESTALTE(N) 17GESTALTE(N) Photos:Archivsam-architects * Waren es bisher Eisenwaren, die noch die gestalterische Sprache von Holz und Stein anwendeten, so entwickelten sich schnell Konzepte, welche die Vorteile des neuen Werkstoffes sichtbar und spürbar machten. Gebäude von großer Höhe konnten errichtet werden, Brücken mit bisher ungeahnten Spannweiten entstanden und vermittelten nicht nur zwischen den Ufern, sondern auch in Fragen einer materialgerechten Gestaltung. Eine bisher nicht gesehene Formensprache konstruktionsbezogen, mit Blick auf Feingliedrigkeit und Leichtigkeit, eröffnete einen aktiven Gestaltungsspielraum für die Produkte aus Eisen und Stahl. EISEN ALS IMPULSGEBER UND -NEHMER BreiteZustimmungdurchdieErweiterungdertechnischenAnwendungen erschloss wiederum neue Technologien und wirkte wechselseitig auf den Fortschritt und die Entwicklung anderer Wissensbereiche ein. Maschinen- und Fahrzeugbau, die Energiegewinnung und -verteilung sowie vieles mehr schuffen materialbezogen ein wirtschalich und gestalterisch sich schnell entwickelndes Umfeld, in dem der metallische Werkstoff umfassend angewendet und verbreitet wurde. Der Zugriff auf alle Produktions- und Lebensbereiche begann und erschloss zugleich, immer dichter sich vernetzend, neue Anwendungs- bereiche für Eisen und Stahl. Längst war es nicht mehr das „Eisen“ alleine, sondern der fein erschmolzene metallische Eisenwerkstoff, aus dem alles baubar wurde, von der Brücke über den Elektromotor zur Keksdose mit darin auewahrtem Blechspielzeug. VON DER FORM, ZUR SINNFRAGE Die Wechselwirkung zwischen neuen Möglichkeiten und deren Anwendung griff auch direkt in die gesellschaliche Entwicklung ein. Licht und Beweglichkeit vermittelnd, entstand in Architektur und Design eine die Optionen nutzende, neue gestalterische Ausdrucksform und machte dabei die Möglichkeiten, die der Werkstoff bot, deutlich. Doch letztlich soll nicht immer „schneller, höher, weiter“ das alleinige Ziel der kontinuierlichen Entwicklung sein. Vielmehr ist es der sich an den Möglichkeiten orientierende, sinnvolle Einsatz des Werkstoffes an der richtigen Stelle, der überzeugend wirkt: einmal der Grundwerkstoff für die Struktur von Bauwerken, ein anderes Mal als die Fassade. Nicht das Bestreben, als alleiniger Werkstoff sich auszubreiten, sondern die Verbindungs- und Kombinationsmöglichkeiten sind es, welche die gegenwärtige Bedeutung des Materials darstellen. DIE ENTWICKLUNG GEHT WEITER Wesentlich ist auch die Forschung, welche bemüht ist, die bestehenden Vorteile wie Festigkeit, Formbarkeit, aber auch Korrosionsbeständigkeit und anderes mehr weiterzuentwickeln. Die ganzheitliche Sicht auf das Material ist es dabei, welche den seit langer Zeit sich entwickelnden Einsatz auch zukünig überzeugend zulässt. Eine energieeffiziente Gewinnung der Rohstoffe, die umfassende Nutzung der entstehenden Prozessstoffe während der Herstellung, das praktisch immer wieder anwendbare, nahezu frei von Materialverlust ablaufende Verfahren der Wiederverwertung sind Elemente eines sinnvollen Kreislaufes. Diese Elemente müssen auch wesentlicher Gegenstand der gegenwärtigen und zukünigen Technologieforschung sein. Mehr als jetzt wird es notwendig sein, die Vorzüge weiterzuentwickeln. Dabei wird nicht nur die Materialkunde einen wichtigeren Stellenwert als bisher einnehmen, sondern es wird überhaupt in einer sich schnell verändernden Welt allen damit Befassten ein umfassendes, techno- logisch und gesellschalich zukunsorientiertes Denken und Handeln abverlangt werden. EINE WELT OHNE EISEN? UNVORSTELLBAR! Gegenwärtig ist das Anwendungsgebiet der Eisenwerkstoffe ein vielfältiges. Tragwerke von Gebäuden und Strukturen, Elemente in Verbundwerkstoffen wie Stahlbeton, Verbindungsmittel, Verkleidungs- werkstoff, aber auch zur Gänze raumbildende Konstruktionen sowie das Zusammenwirken von Stahl, Glas und Kunststoffen prägen die Welt, wie wir sie täglich sehen: bunt bei beschichteten Metallen, aber auch roh als Rostoberfläche wie bei Corten Stahl mit einer dichten Eisenoxid- schicht – eigentlich seine Ursprungsmaterialität – als Schutzschicht vor weitergehender Korrosion. Kaum etwas führt uns die Wandelbarkeit des Eisens besser vor Augen: EISENOxID wird zu EISEN, EISEN wird zu ROST. [Fe2O3] Architekt DI Franz Sam leitet “sam-architects” mit Büros in Wien und Krems. Er unterrichtet an der Universität Innsbruck, sowie an der New Design University in St.Pölten.

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