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Gestalte(n) Ausgabe 144

I N T E R V I E W M I C H A E L L U R G E R , P F L A S T E R E R M E I S T E R Pflasterungen gehören archäologisch betrachtet zu den haltbarsten mensch- lichen Bauwerken der Geschichte. Zu den frühen Meisterleitungen zählen neben Tempelplätzen alter Hochkulturen auch Fernstraßen wie unter anderem die Römerstraßen. Bis zur Erfindung des Straßenasphalts war das Pflaster über Jahrtausende die einzige Möglichkeit, Verkehrswege staubfrei zu halten. Daher leitet sich aus dem englischen auch der Begriff “pavement”, wörtlich „das Gepflasterte“, ab und steht für die gepflasterte Fußverkehrsfläche des 19. Jahrhunderts – den Gehsteig. HeutestehtdasHandwerkdesPflasterers für Kenntnisse in der Tradition des Stein- legerhandwerks ebenso wie für hohen Anspruch in der fachlichen Qualität und dem optischen Erscheinungsbild. Ein Vertreter dieser Zun ist Ing. Michael Lurger, Pflasterermeister aus Krems und Mitglied der Meisterstraße Niederösterreich. Niederösterreich GESTALTE(N) traf ihn zum Interview. Herr Ing. Lurger, das Handwerk der Pflasterei ist ein Lehrberuf mit dreijähriger Lehrzeit. Wie war ihr persönlicher Werdegang? Ich teilte schon früh das Interesse für Straßen- bau mit meinem Vater, der als Niederlassungs- leiter bei der TEERAG-ASDAG in Krems tätig war. Nach meinem Abschluss an der HTL Tieau in Krems trat ich dann auch in seine Fußstapfen und es folgten elf schöne und lehrreiche Wanderjahre auf der Baustelle, zunächst als Geselle, schließlich als Bauleiter. Nach meiner Meisterprüfung in Graz habe ich 2005 einen eigenen Betrieb eröffnet und habe meine 10 jährige Selbstständigkeit bis heute keinen Tag bereut. Der Beruf erfordert neben körperlicher An- strengung auch Geduld, Genauigkeit und Sorgfalt – Eigenschaen über die nicht jeder verfügt. Wie sieht es eigentlich mit dem Nachwuchs aus? In Österreich gibt es nur 2 Berufsschulen, in Wien und in Graz und in Niederösterreich gibt es derzeit lediglich 9 Lehrlinge. Das ist für solch ein großes Bundesland eigentlich nicht viel. Die Tendenz ist aber wieder steigend und es gibt viele Fachbetriebe in denen die Jungen beginnen das Erbe anzutreten und das Werk ihrer Vorgänger weiterzuführen. Das ist auch gut so, denn das „Goldene Hand- werk“ beginnt wieder verstärkt an Bedeutung zu gewinnen und der Markt wird hierfür in naher Zukun auch gutausgebildete und versierte Fachkräe benötigen. Die heutigen Konsumenten wollen Qualität und Nachhaltig- keit und fordern diese auch von den Fach- firmen ein, zurecht wie ich meine. Für einen Pflasterer bedeutet dies, den ge- stalterischen und technischen Aspekten aber auch den hohen Ansprüchen der Nutzer ent- sprechen zu müssen. Der Weg zum richtigen Pflastermaterial und dessen Verlegemuster ist o ein „steiniger“. Ein erster Schritt in Richtung Kundenzufrie- denheit ist daher einmal die richtige Beratung in der alle Anforderungen an die Nutzung, an die Beanspruchung, an die Flexibilität und die Pflege behandelt werden müssen. Nicht selten bedarf es da langer Gespräche um einen Stein zu finden, an dem der Kunde sein ganzes Leben Freude haben wird. Ich stehe natürlich bei der Materialsuche helfend zur Seite und erarbeite mit meinem Gegenüber die für ihn beste Lösung. Ich muss aber auch gestehen, dass ich keinen Aurag annehme von dem ich selbst nicht überzeugt bin bzw. wo ich fachliche Bedenken habe. Schließlich muss ich als Fachbetrieb ja die einschlägigen Normen einhalten. Alles andere könnte ich mir als Einmannbetrieb der auf Handwerk und Qualität setzt, gar nicht leisten. Sie sind also davon überzeugt, dass die Nutzer nicht selbst ans Werk gehen oder sich Nichtfachleute bedienen sollten? Auf jeden Fall, pflastern sieht auf den ersten Blick so einfach aus, ist es aber bei weitem nicht! Es bedarf nämlich umfassender Kennt- nisse im Umgang mit den unterschiedlichsten Materialien, der Versetzmethoden und der zahlreichen Versetzmustern, denn auch beim Pflastern gilt – weniger ist o mehr. Auch die Wahl der falschen Verfugung, zum Beispiel mit Zemetmörtel zu vergießen wenn man in Sand verlegt, wird die lange Gebrauchs- tauglichkeit empfindlich beeinträchtigen. Der Kunde hat schließlich beim Fachbetrieb ja auch den großen Vorteil der langjährigen Haung und diese kann durch nichts aufge- wogen werden. Gibt es für sie einen Favoriten unter den Materialien? Ja, und zwar einen ganz klaren, nämlich das alte, gebrauchte Granit Kleinstein im alten Format 8/10 cm. Das sind original von Hand gespaltene Steine die kaum mehr verfügbar sind, ein absoluter Klassiker für historisches Ambiente und Weinkeller. Da gehe selbst ich als hartgesottener Pflasterer in die Knie, wenn ich solch einen Stein verlegen kann. Interview und Photos von Petra Eichlinger * GESTALTE(N)22

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