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Gestalte(n) Ausgabe 144

Photographie, Lois Lammerhuber Architekt und Bauherr Dietrich Waldmann ließ sich von der Topo- grafie des Grundstückes mit seinen sanen Niveauunterschieden inspirieren, und konzipierte das Haus für die fünöpfige Familie in Split-Level-Bauweise. Dieses ursprünglich für Hanglagen entwickelte Konzept, verscha auch auf weniger geneigten oder ebenem Gelände mehr Wohnfläche durch Reduzierung der Treppen- und Flure. Auf einen Keller wurde verzichtet, stattdessen steht das Gebäude auf einer vollständig gedämmten Betonplatte, die auch als Solarspeicher in der Heizperiode verwendet wird. Sämtliche Räume wie Wohn- und Schlafräume oder Küche und Bad werden über Stiegen erschlossen. Ein gesondertes Treppenhaus ist daher nicht notwendig und durch die unterschiedlichen Raumhöhen wird eine abwechslungsreiche Wohnatmosphäre geschaffen. Man kann sich das am einfachsten so vorstellen, als ob ein Haus in der Mitte durchgeschnitten und um ein halbes Stockwerk versetzt wieder zusammengefügt wäre. Im konkreten Fall gibt es sechs Ebenen, denen jeweils ein Freibereich vorgelagert ist. So ist ein starker Bezug zwischen Innen- und Außenraum gegeben. Das Wohngebäude wird von zwei Nebengebäuden ergänzt, die zur Straße hin einen Vorplatz bilden. Durch diesen Kunstkniff wird die sonst übliche strikte Einzäunung der kleinen Grundstücke aufge- brochen und es entsteht ein einladender Zugang mit vielfältigen Verwendungs- und Begegnungsmöglichkeiten. Ökonomie und Ökologie gehen Hand in Hand Neben einer möglichst effizienten Nutzung der bebaubaren Fläche bestimmten von Anfang an Aspekte des nachhaltigen und gesunden Bauens die Planung des Wohnhauses, das als so genanntes „Klima:Aktiv-Haus“ zertifiziert ist. Zu diesem Gebäudestandards gehören u.a. hohe Anforderungen hinsichtlich Energieversorgung, Wasserbedarf und der Beschaffenheit der Innenraumlu. Für gute Wohnqualität sorgen Bau- und Dämmstoffe ohne PVC und FCKW, emissionsarme Beläge und Anstriche sowie ein großer Anteil natürlicher Materialien. Die Baustoffe umfassen heimisches Lärchenholz für Türen, Fenster, Böden, Massivholzdecken und die Fassade (Gesamt- holzanteil 55 m3), für die Wandbekleidungen wurden Lehmputz und Gipsfaserplatten verwendet. Der äußere Baukörper fällt vor allem wegen seiner unkonventionellen Fassade auf. An manchen Stellen überlappende Hölzer geben der Ver- tikalschalung aus Lärchenholz eine interessante Struktur, die durch die leicht schimmernde, graue Oberfläche noch hervorgehoben wird. Einige der schuppenförmig angeordneten Brettstöße wurden als Nist- höhlen für Fledermäuse ausgelegt und von diesen nachtaktiven Säugetieren auch gerne angenommen. Um eine farblich möglichst ein- heitliche Oberfläche zu erhalten, wurden übrigens bereits vergraute Bretter aus den umliegenden Sägewerken verarbeitet. Der Wandauau in Holzriegelbauweise besteht aus einer tragenden, ausgedämmten Installationsebene innen und einer versetzt aufge- doppelten Dämmebene außen, um etwaige Wärmebrücken zu mini- mieren. Die Hohlräume beider Ebenen wurden mit Zelluloseflocken ausgeblasen. Haustechnik und Energiekonzept – eine runde Angelegenheit Die Beheizung der Räume und die Warmwasserbereitung des Hauses Waldmann erfolgt durch solare Energiegewinnung, ergänzt durch einen zentralen Stückholzofen im Wohnzimmer. Die Erschließung rund um einen mehrgeschoßigen Luraum läßt die Sonne bis in die nordseitig gelegenen Nebenräume scheinen und unterstützt so die Nutzung der passiven Solargewinne. Als Besonderheit wird die Zulu für die Komfortlüung mit Wärme- rückgewinnung über zwei Erdkollektorrohre aus unterschiedlichen Materialen geführt, um mehr über den Einfluss des Rohrmaterials auf die durchströmende Lu zu erfahren. Über die gering geneigten Dach- flächen gelangt anfallendes Regenwasser über ein transparentes Abflussrohr zur 10 m³ großen Zisterne, in der es für die WC-Spülung, die Waschmaschine und zur Bewässerung des Gartens gesammelt wird. Damit lässt sich ein Gutteil des sonst im und ums Haus erforderlichen Trinkwasser ersetzen. Selbst der Überlauf wird noch genutzt und speist das vor der Südfassade gelegene Biotop. Mit ihrer extensiver Dachbegrünung erfüllen die beiden Nebenge- bäude nicht nur ihre räumlichen Funktionen, sondern dienen darüber hinaus auch noch als Lebensräume für Pflanzen, Insekten und Vögel. Im Jahr 2011 konnte das mit dem klima:aktiv gold-Standard zertifi- zierte Gebäude den begehrten Niederösterreichischen Holzbaupreis erringen. Die Jurymietglied waren sich einig: „Eine höchst gelungene Werbung für den Eigenheimbau in Holz. Insbesondere die neuartige Umsetzung der Holzfassade nimmt den Betrachter unmittelbar für dieses wunderbare Haus ein.“ Die Nordsiedlung in Waidhofen an der Thaya (Waldviertel) ist ein Wohngebiet, das sich überwiegend aus Bauten der Nachkriegszeit mit kleinen Selbstversorgergärten zusammensetzt. Einen Neubau zu planen, der sich einerseits harmonisch in dieses gewachsene Ensemble einfügt und andererseits den Erfordernissen zeitgemäßer Architektur gerecht wird, ist gewiss eine Herausforderung. Zumal es auch galt, den hier vorhandenen, über 50 Jahre alten, Obstbaumbestand zu erhalten. * 40 GESTALTE(N) Photos:DietrichWaldmann

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